Das Anekdotenbuch
- Автор: Weiskopf F. C.
- Год: 1964
- Язык: немецкий
- Год: Aufbau-Verlag Berlin und Weimar
- Жанр: Историческая проза
Электронная книга - «Das Anekdotenbuch». Краткое содержание книги:
— daß das Wort Anekdote als Buchtitel zum ersten Mal von dem griechischen Geschichtsschreiber Prokopios verwandt wurde, als er die bis dahin verschwiegenen Einzelheiten über das Privatleben des Kaisers Justinian veröffentlichte?
— daß es Anekdoten nicht nur um Könige, Staatsmänner und Künstler gibt?
— daß eine literarisch erzählte Anekdote mehr ist als nur ein gut vorgetragener Schwank oder Witz?
— daß große und berühmte Dichter diese kleinste und darum sehr schwierige Prosa-Form pflegten?
Wie nur wenige verstand F. C. Weiskopf die Kunst, Erlebnisse, Berichte, Erzählungen und Zeitungsnotizen Anekdoten werden zu lassen. Begebenheiten voll unglaublicher Zufälle, aber auch sonderbaren Situationen aus dem Alltag kam er auf die Spur und gestaltete sie zu pointierten und merkwürdigen, das heißt des Merkens würdigen, Geschichten.
Was in der Nachschrift zur Anekdote von den Passagieren des Todes gesagt wurde, sei hier als Vorspruch wiederholt: Die Freiheit spricht in vielen Zungen, aber es ist immer dieselbe Sprache. Ähnliche Geschichten wie die nachfolgende, die mir während meines Aufenthalts in China zu Ohren gekommen, sind im letzten Krieg auch von polnischen und jugoslawischen Partisanen erzählt worden.
"Ja", entgegnete der Kellner, "ich bin unten gewesen, Sergeant in der Armee des Generalissimus, bis…" Er lüpfte das linke Hosenbein und ließ uns einen Holzfuß sehen. Dann fuhr er fort: "Aber wahrscheinlich hätte ich, auch ohne verwandet zu sein, die Armee verlassen. Warum? Hören Sie zu! Es war nach unserem Durchbruch zum Meer. Die Republikaner hatten zwar ihre Front wiederhergestellt, aber wir drückten sie noch immer zurück; sie hatten wenig Munition, und vor allem hungerte ihr Hinterland. Unsere Flieger bombardierten täglich mehrere Male die Städte hinter der feindlichen Front. Eines Tages warfen sie nach einem großen Luftangriff auch einige weiße Brote ab, die an Fallschirmen niederschwebten; sie trugen Zettel mit der Inschrift: "Das ißt man bei uns. Ergebt euch, und ihr kriegt auch die Bäuche voll." Und wissen Sie, was die Antwort war? Sie wurde uns am nächsten Tag von einer feindlichen Patrouille über das Drahthindernis geworfen: ein Paket mit Sägemehl und dazu die Botschaft "Das müssen wir fressen, und doch lieben wir die Freiheit!" Sehen Sie, damals faßte ich den Entschluß, wegzugehen, denn ich sagte mir: Was habe ich eigentlich hier zu suchen? Und ich wäre um Beurlaubung eingekommen, hätte mich nicht gerade an jenem Tage ein Granatsplitter getroffen."
Das Auge der Mutter
Im reichsten Lande der Welt, im einzigen Lande, das sich — wie uns in diesen Januartagen des Jahres 1947 immer wieder stolz und mahnend vorgehalten wird — den paradiesisehen Zustand der völlig freien kapitalistischen Wirtschaft zu erhalten verstanden hat, geschah es vor kurzem, daß einet Mutter von fünf kleinen Kindern durch das "Staatsjournal" von Wisconsin bekanntgab, sie könne wegen der seit Kriegsende maßlos gestiegenen Unterhaltskosten ihre Familie weder genügend ernähren noch einigermaßen anständig kleiden und biete deshalb eines ihrer Augen zu Transplantierungszwecken dem Meistbietenden an. Von dem Erlös wolle] sie eine Farm für sich und die Kinder kaufen.
Ob das von ihr geplante Geschäft zustande kam, ist nicht bekannt geworden. Die Zeitungen meldeten nur, daß die: Frau wohltätige Spenden im Betrage von zweihundertundfünf Dollar — und eine Verwarnung wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses erhielt.
Liebe zum Lied
Wo man singt, da laß dich ruhig nieder, Böse Menschen haben keine Lieder.