Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне
Das Ungeheuer - Читать Любимую Русскую Полную Книгу 👉 Read-E-Book.com

Das Ungeheuer

Электронная книга - «Das Ungeheuer». Краткое содержание книги:

Eine der wichtigsten Gegenwartsautorinnen.
«Solche Geschichten gibt's, zu Hauf. Ingenieur gewesen, Job verloren, Frau verloren, auf der Straße gelandet«: Kein außergewöhnliches Schicksal vielleicht auf den ersten Blick, doch Terézia Moras Romanheld Darius Kopp droht daran zu zerbrechen. Denn Flora, seine Frau, die Liebe seines Lebens, ist nicht einfach nur gestorben, sie hat sich das Leben genommen, und seitdem weiß Darius Kopp nicht mehr, wie er weiter existieren soll. Schließlich setzt er sich in seinen Wagen, reist erst nach Ungarn, wo Flora aufgewachsen ist, und dann einfach immer weiter. Unterwegs liest er in ihrem Tagebuch, das er nach ihrem Tod gefunden hat, und erfährt, wie ungeheuer gefährdet Floras Leben immer war — und dass er von alldem nicht das Geringste mitbekommen hatte.
Arbeit und Schlaf, Arbeit, Arbeitsweg und Schlaf. So sah das erfolgreiche Leben von Darius Kopp aus. Bis er eines Tages den Job verlor. Und bis sich bald darauf seine Frau das Leben nahm und ihm zum zweiten Mal in kürzester Zeit der Teppich unter den Füßen weggezogen wurde. Seitdem lebt er apathisch dahin, tötet die Zeit mit stumpfem Fernsehen und Fertigpizzen. Sein Freund Juri versucht Darius zwar wieder zurück in sein altes Leben als IT-Experte zurückzubefördern, doch dieser beschließt, eigene Wege zu gehen. Er wollte doch das geheime Tagebuch seiner Frau lesen, und er muss auch noch ihre Urne beisetzen. Aber wo? In ihrem ungarischen Heimatdorf oder in Budapest oder an den Hängen des Ararat? Und so begibt sich Darius Kopp auf eine lange Reise — auf der Suche nach der Wahrheit über seine Frau. Über sich selbst. Und über diese dunkle und ungeheuere Welt.
1 ... 13 14 15 16 17 18 19 20 21 ... 124
Перейти на страницу:

Mit klopfendem Herzen. Als wäre es etwas von dir, ein intimes Geheimnis, ein persönliches Eigentum. Ich habe es ergattert, ohne es dir wegzunehmen. Ein Schulgebäude aus der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts. Die Website der Schule zeigt Abiturtableaus von 1900 bis heute. Litfaß, Germann und Kohn gehören zu den ersten Absolventen der katholischen Oberrealschule. Zwölf allesamt unglücklich dreinblickende junge Männer, Vornamen unwichtig, beanzugt und gekämmt, die Schnurrbärte wirken eher verzweifelt versteift als keck. Aber kein Vergleich natürlich zur Bombenstimmung in der Klasse von 1938—39.»Wir sehen uns wieder 1949. «Heute leben nicht einmal mehr die Überlebenden. Die ersten Mädchen tauchen Mitte der Sechziger auf und die Jungen sehen trotz Anzug derangiert aus. Sie werden nie mehr so wohl gekämmt sein, nie, nie wieder, die Zeiten sind ein für allemal vorbei, der eine oder der andere kann sich das freche Grinsen darüber nicht verkneifen. In Floras Klasse waren die Mädchen in der Überzahl, und Darius Kopp sah sie sich alle an. Dich in Beziehung zu anderen sehen. Denn irgendeine Beziehung wird da gewesen sein. Mit manchen wirst du sogar zusammengewohnt haben. 6 Doppelstockbetten ergeben 12 Mädchen pro Raum. Kornelias und Gabriellas, eine Agnes, eine Mariann. Eine hatte große, dunkle Augen, die in Erinnerung bleiben, aber die meiste Zeit starrte Darius doch nur Teodora an.

Zeitweilig zweifelnd, ob sie es wirklich war. Als würden Teile des Gesichts nicht richtig passen. Die Lippen müssten voller sein, die Nase kleiner, und hier ist sie gar nicht brünett, sondern blond. War meine Frau am Ende eine falsche Brünette? (Am Ende war meine Frau grau, ohne ergraut zu sein, eine Farbe wie von altem Laub. Altes Laub ist nicht grau. Ich weiß. Aber der Gesamteindruck. Der war so.)

Das Gebäude wurde errichtet an einem Eckgrundstück, zwei Eingänge, eine kleinere Tür in der einen, ein größeres Tor in der anderen Straße, beide verschlossen. An der Tür nur eine Klinke, groß, aus Messing, abgewetzt, am Tor eine Klingel mit Zahlencode, dahinter ein Hausmeister, ein Portier oder das Sekretariat. Schulfremde Elemente haben sich anzumelden. Wer man sei, was man wolle. Die untere Hälfte der Scheiben im Erdgeschoss ist aus Milchglas, zur Unterbindung unerwünschter Kommunikation zwischen dem Drinnen und dem Draußen. In den Pausen werden sie bestimmt geöffnet. Wann machen sie Pause? Und was machst du, wenn sie Pause machen? Wenn die Fenster aufgehen und die Türen? Mal sehen. Darius Kopp lief ein paar Mal ums Eck, immer genau bis zur Gebäudegrenze und zurück. Kinderspiel. Übertrete die Linie nicht. Vom einen Ende aus sieht man auf den Eingang eines Casinos. Zumindest steht es drangeschrieben. Die Tür ist winzig. Am anderen Ende fällt der Blick auf einen Nachkriegsbau, alle Straßen in der Innenstadt sind schmal, man kann die Tafel selbst vom gegenüberliegenden Gehsteig noch lesen. Hier stand die dritte Synagoge, deren erster und einziger Rabbiner und so weiter. Auch am Schulgebäude, zwischen fast allen Fenstern im Erdgeschoss eine Gedenktafel. Wer alles hier lernte oder lehrte. Zwischen 1985–1989 Meier Teodora Flora (1971–2009), die spätere Frau von Darius Kopp, ausgezeichnete Köchin und Liebhaberin, loyale Freundin und Leserin, der es nicht gelang, ihre Talente gewinnbringend anzulegen, und die schließlich den Kampf gegen die Verzweiflung verlor und freiwillig aus dem Leben schied. Diese Tafel wurde gestiftet von. Geliebte, Geliebte, Geliebte. Ich verrutsche in der Zeit. Träume offenen Auges, dass ich dort hineingehe und dich finde, 20 Jahre vor heute, dein Körper als Teenager, als die Jeans eng getragen wurden und die Schulterpolster bis zum Himmel reichten und es Pflicht war, all das mit den hässlichsten blauen Schulkitteln aus Nylon zu verhüllen. Bis zuletzt fühltest du dich in zu großer Kleidung am wohlsten. Sie zog mit einpaar Sommerfähnchen in den Wald. Als im Herbst die ersten geliehenen Sachen an ihr auftauchten, brachte ihr Darius Kopp, den das nicht wenig Nachdenken abverlangte, wärmere Kleidung mit, aber sie trug weiterhin nur die Hosen, Pullover, Jacken anderer. Männerklamotten mit überstehenden Schultern. Kopp sah, dass ihr das Vergnügen bereitete. Sie war verschmitzt, wie eine andere, wenn sie sich sexy kleidete, aber sie war es nicht offen, sie packte auf die Offenherzigkeit nicht noch eins drauf, sondern im Gegenteiclass="underline" sie hielt ihre Freude über ihre Kostümierung verborgen. Als wäre nichts. Als wäre es das Normalste auf der Welt, ein wandelnder Lumpenhaufen sein zu wollen. Wie schön du in Wahrheit warst, gottverdammt.

Er war ich weiß nicht wie oft schon an der Schule entlanggelaufen, als ihm klar wurde: da drinnen war es zu still. Selbst wenn keine Lichter angemacht werden müssen, weil Sommer ist — Oh, ihr Neonlichter, unter denen Generationen Drinnenarbeiter ausgeblichen sind und immer noch ausbleichen! — Bewegungen verändern das Licht, selbst wenn alle die ganze Zeit still sitzen, irgendwelche Schatten und lichte Stellen entstehen immer und selbst wenn stilles Arbeiten befohlen ist, gibt es irgendein Geräusch, das man bis nach draußen hören kann. Aber hier: nichts. Kein Wunder, es ist ja auch noch, siehe oben, Sommer. August. Die Schule hat zu. Noch nicht einmal der Pedell ist da, heutzutage wohnt er nicht mehr im Kabuff neben dem Eingang, und kein Zahlencode wäre der richtige bei einer auf» geschlossen «gestellten Anlage.

Was hättest du da drinnen überhaupt gewollt? Schnapsidee. Das Lehrerzimmer suchen? Erster Stock rechts, immer. Die Tische sind zu einem langen Oval zusammengestellt, jeder hat eine Schublade, ein Fach, eine Kaffeetasse. Die Raucher haben's gut, die haben einen Extraraum. Zwei nach dem Rauch von Jahrzehnten riechende, zu große, zu weiche Polstersessel stehen dort und ein niedriger Rauchertisch mit einem klobigen Aschenbecher aus Glas, der wie geschmolzen aussieht, wie ein Stück aus dem All. Einmal habe ich dir Ohrringe geschenkt mit einem schwarzen Stein aus einem Meteoriten. Das war noch ganz zu Anfang. Und statt eines Eherings einen Ring mit einem schwarzen Stein zum ersten Hochzeitstag. — Jetzt kämen die Ringe, da Sie keine wollten, dürfen Sie die Braut schon jetzt küssen. Darf ich? Ja? (Wann hörte es mit den Zungenküssen auf? Findest du den Zeitpunkt wieder? — Nein.)

Hätte sein können, ein Lehrer oder mehrere erinnern sich. Hätte sein können, dass nicht. Die Geschichten darüber sind unterschiedlich. Obwohl, im Grunde gibt es nur zwei Varianten: In der einen scheinen sie sich an jeden Einzelnen zu erinnern, den sie jemals unterrichtet haben, in der anderen kehrt man erfolgreich geworden zurück und erzählt dem Lieblingslehrer, was aus einem geworden ist, und dem ist das vollkommen schnuppe. Die meisten wissen nicht, wie wichtig sie einem sind, sagte Flora. Ich wollte nie Lehrerin werden, ich dachte, das wäre schrecklich, für immer in diesem Glockengescheppere, dem Kreidestaub, dem klebrigen Schmutz auf den Fingerkuppen. Den Toiletten. Mittlerweile denke ich anders darüber, aber nun ist es zu spät.

Du hättest gar nicht die Nerven, Lehrerin zu sein, sagte Kopp. Er hatte recht, dennoch war es falsch, denn sie wurde böse. (Alles, was dir die Gunst der Frau entzieht, ist falsch. Kapiert? Falsch.)

Danke, für deine Unterstützung!

Ich habe dich wirklich unterstützen wollen, sagte er mit seinem ehrlichen Blick.

Da lächelte sie und sagte, sie wisse das, und strich ihm übers Haar. (Meine Frau allerdings war die Nachsicht selbst. Der Wahrheit die Ehre.)

Innen ging es also nicht weiter, aber Kopp konnte sich nicht so schnell vom Ort trennen. Dann eben anders, dann schauen wir uns die Stadt eben von außen an. Er setzte sich auf eine Bank vor das Gebäude, an dem auf der einen Seite Casino und auf der anderen Kulturcentrum geschrieben stand. Kenne sich einer aus.

1 ... 13 14 15 16 17 18 19 20 21 ... 124
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)