Ein Kater In Geheimer Mission
- Автор: Шойнеманн Фрауке
- Серия: Winston #1
- Год: 2013
- Язык: немецкий
- Жанр: Другие детективы
Электронная книга - «Ein Kater In Geheimer Mission». Краткое содержание книги:
So ein Katerleben ist herrlich!, findet Winston. Man kann den ganzen Tag gemütlich auf dem Sofa herumliegen und Geflügelleber mit Petersilie futtern. Lecker!
Doch als Winstons Herrchen eine neue Haushälterin einstellt, die mit ihrer Tochter in die Wohnung einzieht, ist es aus mit der Ruhe: Kira und ihre Mutter haben nämlich jede Menge Probleme im Gepäck, und bevor sich Winston versieht, steckt er mitten in einem echten Kriminalfall und kurz darauf ach du heilige Ölsardine auch noch im Körper eines Mädchens! Hilfe!!!
Ach, dieses Freundschaftsding nervt mich. Das ist eindeutig zu hoch für ein Mädchen, das eigentlich ein Kater ist. Ich bin dringend für einen Themenwechsel!
»Wie war eigentlich dein Tag?«, denke ich deshalb in Richtung Kira.
»Oh, der war gut. Sogar ziemlich gut. Ich glaube, ich bin Mamas Geheimnis auf der Spur. Dafür ist meine neue Gestalt sehr praktisch. Wer glaubt schon, von einer Katze beschattet zu werden?«
»Wie meinst du das? Was heißt beschattet?«
»Na ja, ich konnte mich heute mal so richtig gründlich in Mamas Sachen umsehen, ohne dass sie etwas gemerkt hat. Und dabei habe ich eine ausgedruckte E-Mail von Vadim gefunden, die sehr interessant ist. Ich glaube, er versucht, Mama zu erpressen. Er will nämlich unbedingt, dass sie wieder zu ihm zurückkommt. Und mit irgendetwas hat er sie in der Hand. Ich weiß nur noch nicht, was das sein könnte. Aber das finde ich schon noch heraus.«
»Moment: Heißt das, du konntest die E-Mail lesen?«
»Klar. Warum auch nicht?«
»Na, weil ich gar nicht lesen kann. Und du bist doch quasi ich.«
»Also, ich hatte keine Probleme damit. Ich glaube, ich sehe in der Nähe nur nicht ganz so scharf wie sonst. In der Ferne dafür etwas besser. Kannst du denn jetzt nicht lesen? Ich meine, immerhin kannst du sprechen, wenn du ich bist.«
Ich zucke mit den Schultern.
»Keine Ahnung. Ich habe es noch nicht ausprobiert. Bevor es heute in der Schule brenzlig werden konnte, habe ich behauptet, ich hätte Kopfschmerzen, und bin gegangen. War mir zu gefährlich.«
»Tja, aber das ist keine Dauerlösung. Solange du in meinem Körper steckst, musst du zur Schule gehen. Und wenn ich deinetwegen schon keine Freunde mehr habe, will ich wenigstens nicht sitzen bleiben. Da müssten wir uns dann etwas anderes einfallen lassen. Aber zuerst müssen wir mal rausfinden, was du als Mensch alles kannst. Moment, bin gleich wieder da.«
Kira rappelt sich auf und springt dann mit einem eleganten Satz auf die kleine Anrichte im Gästezimmer. Kurz darauf steht sie mit einem Blatt Papier im Maul neben mir.
»Hier, die E-Mail. Versuch mal!«
Ich nehme das Blatt und starre darauf. Vor meinen Augen entstehen aus den einzelnen Kringeln plötzlich Muster. Und aus den Mustern formen sich Sätze:
Geliebte Anna,
warum hast du mich verlassen? Du weißt, wie sehr ich dich liebe. Ich habe immer alles für dich und dein Kind getan. Bitte überlege es dir noch einmal. Wenn du stur bleibst, muss ich leider bei meiner Geschichte bleiben. Dann wirst du wohl bald Besuch von den Bullen bekommen – falls die nicht sogar schon da waren …
Ich lasse das Blatt sinken. Unglaublich! Unglaublich erstens: Ich kann tatsächlich lesen! Und unglaublich zweitens: Anna scheint wirklich in Riesenschwierigkeiten zu stecken! Wir müssen ihr helfen!
Erst Kater, dann Mädchen, dann Agent. Was passiert noch alles? Ach ja, Odette wird ertappt …
Fassen wir mal zusammen: Ich kann sprechen. Ich kann lesen. Und ich kann auch schreiben – haben wir gerade getestet. Ich kann Englisch, das große und das kleine Einmaleins. Und, jetzt kommt der Knaller: Ich kann sogar Russisch. Zumindest verstehe ich es. Um es kurz zu machen: Ich bin Super-Winston! Ich bin der schlauste Kater des Universums! Ich bin Weltklasse!
Das Blöde ist nur, dass ich meine Freude mit niemandem teilen kann, denn Kira ist gerade mit ganz anderen Sachen beschäftigt. Sie überlegt nämlich fieberhaft, wie wir das Geheimnis ihrer Mutter lüften und Vadim endgültig loswerden könnten. Jetzt, wo wir wissen, was ich alles kann, ist Kira davon überzeugt, dass wir das perfekte Ermittlerteam sind. Finde ich natürlich auch! Ermittlerteam – das hört sich großartig an! Wenn Kira mir jetzt noch erklärt, was das Wort bedeutet, bin ich dabei!
»Sag mal, dieses Ermittlerteam – was macht das eigentlich?«, schicke ich also meine Frage in Gedanken an Kira.
»Ganz einfach«, kommt die Antwort zurück, »das löst unseren Fall! Wir ergänzen uns nämlich super, Winston: Ich kann unauffällig alle Beweisstücke sichten, du kannst die Zeugen befragen. Und zwischendurch tauschen wir unsere Ermittlungsergebnisse aus, und dann wissen wir schon bald, womit Vadim meine Mutter erpresst.«
»Okay, so weit kann ich folgen. Aber was machen wir denn, wenn wir es wissen? Was ist, wenn deine Mutter wirklich was verbrochen hat?«
»Also echt!«, faucht Kira. »Natürlich hat Mama gar nichts verbrochen! Jede Wette, Vadim behauptet das nur! Wenn wir aber die Wahrheit kennen, können wir ihn als echten Bösewicht überführen. Ganz so, wie es die Polizei machen würde. Oder Geheimagenten. Ist doch sonnenklar, oder?«
Geheimagenten? Sofort muss ich an einen Film denken, den ich mit Werner zusammen geguckt habe. Da gab es auch einen Agenten. An den Namen kann ich mich nicht mehr erinnern, aber der Typ hatte irgendeine Nummer. 006 oder 7 oder so. Weiß nicht, ob das seine Telefonnummer war oder seine Klasse in der Agentenschule oder vielleicht seine Schuhgröße. Auf jeden Fall war der so, wie ich als Mensch auch gern wäre: sehr elegant und schlau, irgendwie witzig. Und egal, wie gefährlich es wurde, der hatte immer einen lässigen Spruch auf den Lippen. Alle Frauen haben ihn bewundert – ein Klassetyp. Tja, so könnte ich als Mensch auch sein – wenn ich nicht blöderweise im Körper eines zwölfjährigen Mädchens stecken würde. Aber man kann es sich eben nicht aussuchen … Der Gedanke, nun ein Agent zu sein, gefällt mir trotzdem.
Apropos alle Frauen haben ihn bewundert – was mich tatsächlich brennend interessiert: Kann ich mich mit Odette noch unterhalten? Oder habe ich diese Fähigkeit beim Körpertausch verloren? Das muss ich glatt mal testen, denn mit der Dame habe ich noch ein Hühnchen zu rupfen. Ich beschließe, diese Frage sofort zu klären. Ein klarer Vorteil, wenn man ein Mensch ist: Man kann einfach die Wohnung verlassen und gehen, wohin man will. Enorm praktisch.
Ich sehe mich im Hof um. Von den Katzen keine Spur. Hm. Wie ruft man als Mensch eine Katze? Ich versuche es mit dem Klassiker.
»Miez, miez, miez!«
Keine Reaktion. Gut, ich selbst würde natürlich auch nicht gleich losrennen, nur weil irgendein Kind im Hof steht und ruft. Oder haben sie es vielleicht nicht gehört? Ich probiere es noch mal lauter.
»Miez, miez, MIEZ!!!«
Immer noch nichts. Die drei sind wie vom Erdboden verschluckt. Einen Moment stehe ich ratlos herum, dann kommt mir eine Spitzenidee. Wie heißt es so schön? Mit Speck fängt man Mäuse. Und mit Geflügelleber bestimmt Katzen. Vor allem, wenn die drei es gewohnt sind, mit MEINEM Fressen gefüttert zu werden. Wenn ich mich nicht täusche, hat Anna gerade eine Portion Geflügelleber frisch gekocht …
Kurze Zeit später kehre ich mit einem Blechnapf voll leckerem Futter in den Hof zurück. Diesmal rufe ich nicht, sondern stelle den Napf einfach an die Stelle, wo ich die drei das letzte Mal getroffen habe. Dann gehe ich zum Mülltonnenunterstand, schwinge mich darauf und warte.
Tatsächlich dauert es nicht lange, da kommt Spike angeschlichen, dicht gefolgt von Karamell. Nur von Odette ist nichts zu sehen. Die beiden sind so gierig, dass sie mich nicht mal bemerken. Hastig schlingen sie das Futter hinunter. Ich höre genau hin, um zu verstehen, was sie sagen. Bei so einer leckeren Verpflegung müssten sie doch in Begeisterungsstürme ausbrechen! Aber ich höre gar nichts, nur Maunzen.
Langsam dämmert es mir: Ich kann die beiden nicht verstehen. Diese Erkenntnis trifft mich wie ein Schlag. Ich, Winston Churchill, kann andere Katzen nicht mehr verstehen. Meine schlimmste Befürchtung ist also tatsächlich wahr geworden. Warmes Wasser läuft meine Wangen hinunter. Was ist das? Ich wische mit der Hand über mein Gesicht. Das Wasser kommt aus meinen Augen. Es müssen also Tränen sein. Ich weine. Und es fühlt sich ganz seltsam an. Irgendwie schrecklich. Aber auch erleichternd.