Ferne Ufer: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #3
- Год: 2016
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ferne Ufer: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Er nickte, ohne mich anzusehen, dann schwieg er eine Minute. Hinter mir im Kamin zischte das Torffeuer und roch nach den Highlands, und der würzige Duft von Linseneintopf und frischem Brot zog durch das Haus, warm und schützend wie eine Wolldecke.
»Ich war hier«, sagte er leise, »aber nicht zu Hause.«
Ich konnte den Sog rings um mich spüren – das Haus, die Familie, das ganze Tal. Ich, die ich keine Erinnerung an ein Heim in meiner Kindheit hatte, hätte mich am liebsten hier niedergelassen und wäre für immer geblieben, eingewoben in die tausend Stränge des Alltags, fest an dieses Fleckchen Erde gebunden. Was mochte es für ihn bedeutet haben, ihn, der sein ganzes Leben in der Gewissheit dieser Bindung verbracht hatte, sein Exil in der Hoffnung auf die Heimkehr ertragen hatte … als er dann bei seiner Rückkehr feststellen musste, dass er immer noch entwurzelt war?
»Und einsam war ich wohl auch«, sagte er leise. Er lag reglos auf dem Kissen, die Augen geschlossen.
»Vermutlich«, sagte ich und gab mir Mühe, mir weder Mitgefühl anmerken zu lassen noch ihn zu geißeln. Auch ich wusste schließlich, was Einsamkeit bedeutete.
Dann öffnete er die Augen und sah mich mit unverhüllter Offenheit an. »Aye, das hat auch dazu beigetragen«, sagte er. »Es war zwar nicht das Wichtigste, nein – doch aye, es kam auch dazu.«
Jenny hatte – abwechselnd sanft und beharrlich – versucht, ihn zu einer erneuten Heirat zu überreden. Sie hatte es schon seit den Tagen nach Culloden immer wieder versucht und ihm immer wieder erst die eine oder andere patente junge Witwe vorgestellt, dann diese oder jene liebenswerte Jungfrau, alles ohne Erfolg. Nun, da er der Gefühle beraubt war, die ihn so weit getragen hatten, da er verzweifelt nach Zugehörigkeit suchte … hatte er ihr Gehör geschenkt.
»Laoghaire war zuerst mit Hugh MacKenzie verheiratet, einem von Colums Gefolgsmännern«, sagte er, und seine Augen waren jetzt wieder geschlossen. »Doch Hugh ist in Culloden umgekommen, und zwei Jahre danach hat Laoghaire Simon MacKimmie aus dem Fraser-Clan geheiratet. Die beiden Mädchen – Marsali und Joan – sind von ihm. Ein paar Jahre später haben ihn die Engländer verhaftet und ihn in Edinburgh eingekerkert.« Er öffnete die Augen und richtete den Blick auf die dunklen Balken an der Zimmerdecke. »Er hatte ein schönes Haus mit einem Grundstück, das sich zu beschlagnahmen lohnte. Das reichte damals schon aus, um einen Mann in den Highlands zum Verräter zu stempeln, ganz gleich, ob er offen für die Stuarts gekämpft hatte oder nicht.« Seine Stimme wurde heiser, und er hielt inne, um sich zu räuspern.
»Simon hatte weniger Glück als ich. Er ist im Gefängnis gestorben, noch ehe sie ihn vor Gericht stellen konnten. Die Krone hat zwar eine Weile versucht, sein Anwesen an sich zu reißen, aber Ned Gowan ist nach Edinburgh gereist und hat sich für Laoghaire verwendet, und es ist ihm gelungen, das Haus und etwas Geld zu retten, mit der Begründung, es stünde ihr als Witwe zu.«
»Ned Gowan?«, sagte ich mit einer Mischung aus Überraschung und Freude. »Er lebt doch wohl nicht immer noch, oder?« Es war Ned Gowan gewesen, ein schmächtiger, älterer Rechtsanwalt, der den MacKenzie-Clan in Rechtsfragen beriet, der mich vor zwanzig Jahren davor bewahrt hatte, als Hexe auf dem Scheiterhaufen zu enden. Schon damals war er mir uralt erschienen.
Jamie lächelte, als er meine Freude sah. »Oh, aye. Ich vermute, sie müssen ihm eine Axt in den Schädel rammen, um ihn umzubringen. Er sieht noch genauso aus wie eh und je, obwohl er inzwischen über siebzig sein muss.«
»Lebt er noch in Leoch?«
Er nickte und griff nach dem Wasserglas auf dem Tisch. Er trank umständlich mit der rechten Hand und stellte es wieder hin.
»Was noch von Leoch übrig ist. Aye, obwohl er in den letzten Jahren viel unterwegs gewesen ist, um in Hochverratsverfahren Widerspruch einzulegen, und in Prozessen um beschlagnahmtes Eigentum gekämpft hat.« Jamies Lächeln war mit einer Spur von Bitterkeit versetzt. »Es gibt ein Sprichwort, aye? ›Nach einem Krieg kommen erst die Krähen, um das Fleisch zu fressen, dann die Anwälte, um die Knochen sauber zu picken.‹«
Er fuhr sich mit der rechten Hand an die linke Schulter und massierte sie wie automatisch.
»Nein, er ist ein guter Mensch, unser Ned, trotz seiner Profession. Er reist immer wieder nach Inverness und Edinburgh – manchmal sogar nach London oder Paris. Und von Zeit zu Zeit legt er hier unterwegs eine Pause ein.«
Ned Gowan war es gewesen, der Jenny auf Laoghaire aufmerksam gemacht hatte, als er auf dem Rückweg von Balriggan nach Edinburgh war. Jenny hatte die Ohren gespitzt und sich nach weiteren Einzelheiten erkundigt, und da diese zu ihrer Zufriedenheit ausfielen, hatte sie auf der Stelle einen Brief nach Balriggan geschickt und Laoghaire und ihre beiden Töchter zum bevorstehenden Hogmanay-Fest eingeladen.
Das Haus war an diesem Abend hell erleuchtet; in den Fenstern standen brennende Kerzen, und an Treppe und Türpfosten hingen Sträußchen aus Stechpalmen und Efeu. In den Highlands gab es nicht mehr so viele Dudelsackspieler wie vor dem Aufstand, doch sie hatten einen gefunden und auch einen Geigenspieler, und ihre Musik drang die Treppe herauf, vermischt mit den betörenden Düften von Rumpunsch, Pflaumenkuchen, Mandelgebäck und Biskuitplätzchen.
Jamie war spät und zögerlich nach unten gegangen. Viele der Gäste hatte er seit fast zwanzig Jahren nicht mehr gesehen, und er brannte auch jetzt nicht auf das Zusammentreffen, so verändert und fremd, wie er sich fühlte. Doch Jenny hatte ihm ein neues Hemd genäht, seinen Rock gebürstet und geflickt und ihm das Haar glatt gekämmt und geflochten, ehe sie sich hinunterbegab, um sich um die Zubereitung des Essens zu kümmern. Er hatte keine Ausrede, um noch länger fernzubleiben, also war er schließlich hinuntergegangen in den Lärm und den Trubel des Festes.
»Mister Fraser!« Peggy Gibbons erspähte ihn als Erste; sie kam mit leuchtendem Gesicht durch das Zimmer geeilt und warf ganz ungehemmt die Arme um ihn. Überrumpelt erwiderte er die Umarmung, und innerhalb von Sekunden sah er sich von einer kleinen Schar von Frauen umringt, die ihn lautstark begrüßten, ihm kleine Kinder entgegenhielten, die in seiner Abwesenheit zur Welt gekommen waren, und ihm die Wangen küssten und die Hände tätschelten.
Die Männer waren zurückhaltender; sie begrüßten ihn mit rauhen Worten oder einem Schlag auf den Rücken, während er sich langsam den Weg durch die Zimmer bahnte, bis er sich überwältigt zumindest vorübergehend in das Studierzimmer des Hausherrn flüchtete.
Einst das Zimmer seines Vaters und dann das seine, gehörte es jetzt seinem Schwager, der Lallybroch in den Jahren seiner Abwesenheit verwaltet hatte. Geschäftsbücher, Vorratsverzeichnisse und Rechnungsbücher standen alle ordentlich an der Kante des abgenutzten Schreibtischs aufgereiht; er fuhr mit dem Finger über die ledernen Rücken der Ordner, eine Berührung, die ihn beruhigte. Es war alles hier; die Aussaaten und die Ernten, die wohlüberlegten Einkäufe und Neuanschaffungen, das Zusammentragen und Verteilen, das den Lebensrhythmus der Pachtbauern von Lallybroch bestimmte.
Auf dem kleinen Bücherregal fand er seine Holzschlange, die er genau wie alles andere, was irgendwie von Wert war, zurückgelassen hatte, als er in das Gefängnis ging. Es war ein kleines Holztier aus Kirschholz, das ihm sein Bruder geschnitzt hatte, der als Kind gestorben war. Er saß auf dem Stuhl hinter dem Schreibtisch und strich mit dem Finger über die abgerundeten Windungen der Schlange, als sich die Tür des Studierzimmers öffnete.
»Jamie?«, hatte sie gesagt und sich schüchtern im Hintergrund gehalten. Er hatte sich nicht die Mühe gemacht, eine Lampe im Studierzimmer anzuzünden; sie war ein Umriss im Gegenlicht der Kerzen, die im Flur brannten. Sie trug das blonde Haar lose wie ein junges Mädchen, und das Licht schien hindurch und umrahmte ihr unsichtbares Gesicht.