Die Klinik
- Автор: Гордон Ной
- Год: 1992
- Язык: немецкий
- Жанр: Современная русская и зарубежная проза
Электронная книга - «Die Klinik». Краткое содержание книги:
Er dankte ihr, und sie eilte aus dem Zimmer. Er beugte sich wieder an der Oberschwester vorbei und legte den Hörer auf. Alte weiße Hexe, dachte er, warum hast du mir das nicht gesagt? Teufel, ich weiß nicht einmal, wie ich die verdammte Blutbank finde, merkte er verärgert.
Er beugte sich vor und versuchte das Namensschild der Oberschwester zu entziffern. »Miss Fultz«, sagte er. Sie schrieb weiter in ihren Aufzeichnungen.
»Können Sie mir sagen, wie ich die Blutbank finde?«
»Kellergeschoß«, sagte sie, ohne aufzublicken.
Er fand die Blutbank nach drei weiteren Erkundigungen, bestellte die Blutkonserve bei Betty Callaway und wartete ungeduldig, während sie langsam und umständlich die Blutgruppe von Harold Krebs heraussuchte. Als er in dem trägen Lift hinauffuhr, schimpfte er sich einen Esel, der gegen die Herren des Hauses kämpfte, statt im Krankenhaus herumzuwandern, um zu erkunden, wo sich alles befand.
Nach diesem Anfang wäre er nicht überrascht gewesen, wenn der Patient auf 304 unsichtbare Venen gehabt hätte, aber es stellte sich heraus, daß Harold Krebs ein Mann mit einem guten, klar umrissenen Venensystem war, wie ge-schaffen für Katheter, und Robinson brachte die Transfusion ohne Schwierigkeiten in Gang.
Jetzt die Intravenöse für 310. Aber wo wurden die Intravenösen aufbewahrt? Er konnte Miss Fultz nicht fragen, überlegte es sich dann aber anders: warum sollte er der alten Hexe erlauben, ihn abzuschrecken?
»Schrank im Hauptgang«, sagte sie, noch immer mit gesenktem Kopf.
Alte Dame, schau mich an, befahl er stumm. Es ist bloß schwarze Haut, die tut deinen Augen nicht weh. Er holte die I. V. Abraham Batson auf 310 war genau das, was Robinson auf 304 erwartet hatte. Ein vertrocknetes Männchen mit haarfeinen Venen und vielen Einstichen, die zeigten, daß es schon andere vergeblich versucht hatten. Es gelang erst nach dem achten Versuch, während das Nadelkissen stöhnte und ihm anklagende Blicke zuwarf, dann endlich konnte Robinson entfliehen.
O Gott, das Inzisionsbesteck.
»Miss Fultz«, sagte er.
Diesmal sah sie ihn an. Er war wütend über die Verachtung in ihren Augen, die von verblichenem Blau waren.
»Wo finde ich ein Inzisionsbesteck?«
»Dritte Tür unten links.«
Er fand es, holte es und traf Silverstone in der Frauenabteilung der Station.
»Gott, ich wollte schon Alarm schlagen lassen«, sagte der Oberarzt.
»Ich habe die meiste Zeit damit verbracht, mich zu verirren.«
»Ich auch.« Zusammen gingen sie auf 308.
Roger Cort hatte Darmkrebs. Wenn man genau hinsah, dachte Spurgeon, konnte man den Engel auf Roger Corts rechter Schulter hocken sehen.
»Haben Sie je eine Inzision gemacht?«
»Nein.«
»Schauen Sie genau zu. Das nächste Mal werden Sie sie allein machen.«
Er sah zu, während Silverstone die Haut über dem Knöchel sterilisierte, Novocain injizierte, dann Handschuhe überstreifte und einen winzigen Einschnitt vor der Innenseite des Knöchels machte, dann zwei Stiche, einen oben, einen unten, die Kanüle einführte und sie mit dem zweiten Stich befestigte. Einige Sekunden später tropfte Glukose in Roger Corts Blutbahn. Wie Silverstone es gemacht hatte, sah es ganz leicht aus. Das werde ich auch fertig bringen, dachte Spurgeon. »Was ist Ihre nächste Nummer?« fragte er.
»Kaffee«, sagte Silverstone, und sie gingen Kaffee trinken.
Die hübsche brünette Schwester schenkte ihnen ein.
»Was halten Sie von unserer Station?« fragte sie.
»An welchem heimlichen Kummer leidet eure Oberschwester?« fragte der Oberarzt. »Sie hat den ganzen Vormittag nichts getan, als mich anzuknurren.«
Das Mädchen lachte. »Oh, sie ist eine legendäre Figur des Krankenhauses. Sie spricht nicht mit den Ärzten, außer wenn sie einen mag, und sie mag sehr wenige Ärzte. Einige der Konsiliarärzte kennen sie schon seit dreißig Jahren, und sie werden immer noch angeknurrt.«
»Welch ein Vermächtnis«, sagte Silverstone düster.
Wenigstens ist es nicht die Farbe, die sie haßt, dachte Spurgeon. Sie haßt jeden. Irgendwie machte ihn der Gedanke froh. Er trank seinen Kaffee aus, verließ Silverstone und wechselte verschiedene Verbände, ohne Miss Fultz fragen zu müssen, wo etwas war. Besser, ich fange an, dieses Haus zu erforschen, dachte er und fragte sich plötzlich, was er täte, wenn jemand einen Herzschlag bekäme. Er wußte nicht, wo der Defibrillator oder der Wiederbelebungsapparat war. Eine Schwester eilte den Gang entlang. »Können Sie mir sagen, wo das Instrumentarium für akutes Herzversagen aufbewahrt wird?« fragte er.
Sie blieb stehen, als sei sie in eine gläserne Wand hineingelaufen. »Ein akuter Fall?«
»Nein«, sagte er.
»Erwarten Sie einen Notfall, Doktor?«
»Nein.«
»Nun, ich habe eine Frau, die sich die Eingeweide aus dem Leib speit«, sagte sie empört und lief weiter.
»Jawohl, Gnädigste«, sagte er, aber sie war schon fort. Seufzend machte er sich auf die Suche, ein Forscher in einem seltsamen, fremden Land.
Um acht Uhr abends, sechsunddreißig Stunden nach dem Beginn seiner Laufbahn als Spitalsarzt, öffnete Spurgeon die Tür zu seinem Zimmer im sechsten Stock und zuckte zurück, als die Hitze ihm entgegenschlug.
»Hui«, sagte er leise.
Er hatte in der vergangenen Nacht nur wenige Stunden hier geschlafen, da die Spitalsärzte Bereitschaftsdienst hatten, während der Oberarzt nur in einigermaßen ernsten Fällen gestört werden sollte. Acht- oder neunmal war er geweckt worden, um Medikamente zu verschreiben, die den Patienten jenen Schlaf bringen würden, der ihrem Spitalsarzt verwehrt war.
Er stellte die Papiertragtasche nieder, die er mitgebracht hatte, und stieß das Fenster weit auf, zog die Schuhe aus,
ohne die Schnürsenkel aufzuknüpfen, streifte seinen weißen Anzug ab und schälte sich aus dem durchnäßten Unterhemd. Aus der Tasche holte er eine Sechserpackung Bierdosen, riß die Aluminiumlasche von der einen, trank ein Drittel des Inhalts auf einen langen, kalten Zug aus. Dann ging er seufzend zum Schrank und holte die Gitarre.
Auf dem Bett sitzend trank er die Bierdose leer, begann an den Saiten zu zupfen und leise den Tenorpart eines Madrigals zu singen.
There's a rose in my gar-den And it has one sharp thorn.
And Iprick myself on it At least twice a morn. And I hasten to plead As I hasten to bleed: Wipe the blood Off the rose In my gar-den ...