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Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]

Электронная книга - «Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]». Краткое содержание книги:

Eine faszinierende Reise in die finsterste Zeit des Mittelalters.
Es sollte das größte Abenteuer ihres Lebens werden: Die junge Kivrin wird aus dem Jahr 2054 ins mittelalterliche England geschickt. Doch bei der Übertragung kommt es zu Problemen, und so landet die Geschichtsstudentin nicht wie geplant im Jahr 1320, sondern im Jahr 1348 — dem Todesjahr, in dem die Pest England entvölkerte. Und eine Rückkehr in die Zukunft scheint unmöglich zu sein …
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»Wenn Sie so wollen: mit ganz sanfter.« Er lachte und öffnete die Tür ganz. Draußen stand ein Rollstuhl, den er bei den Handgriffen nahm.

»Ich kann gehen«, sagte Dunworthy.

»Es ist nicht genug Zeit«, flüsterte Colin. »Und wenn jemand uns sieht, kann ich sagen, daß ich Sie zur Röntgenabteilung bringe.«

Dunworthy setzte sich und ließ sich von Colin durch den Korridor und am Wäschezimmer vorbeischieben. Colin schob den Rollstuhl auf Zehenspitzen bis zum Ende des Korridors, dann sauste er in einem Tempo los, wie es kein Pfleger anschlagen würde, der einen Patienten zum Röntgen bringt, durch einen weiteren Korridor, um eine Ecke und zum rückwärtigen Lieferanteneingang, wo sie das letzte Mal von Plakatträgern angesprochen worden waren, die ihnen die Endzeit verheißen hatten.

Draußen war es stockdunkel und regnerisch. Dunworthy konnte nur undeutlich den Krankenwagen ausmachen, der ohne Beleuchtung am Straßenrand hielt. Colin schlug mit der Faust gegen die Hecktür, und eine Gestalt sprang heraus. Es war die Ärztin, die mit ihrem Kollegen Badri eingeliefert hatte. »Können Sie einsteigen?« fragte sie, und es schien Dunworthy, daß sie errötete.

Er nickte und stand auf.

»Zieh die Türen fest zu«, sagte sie zu Colin und ging nach vorn zum Fahrerhaus.

Dunworthy schaute ihr nach. »Erzähl mir bloß nicht, daß sie auch eine Freundin von William ist.«

»Natürlich«, sagte Colin. »Sie fragte mich, was ich von Mrs. Gaddson halte und ob es ein Auskommen mit ihr ist.« Er half ihm die Tritte hinauf und in den Krankenwagen.

Dunworthy wischte sich die Regentropfen von der Brille. »Wo ist Badri?«

Colin zog schnaufend den Rollstuhl an Bord, dann schloß er die Türen. »Im Balliol. Wir brachten ihn zuerst hin, damit er das Netz herrichten kann.«

Dunworthy blickte besorgt aus dem Heckfenster. »Hoffentlich schlägt die Nachtschwester nicht Alarm, bevor wir weg sind.«

»Da würde ich mir keine Sorgen machen«, sagte Colin lachend.

Er hatte Williams Wirkung auf Frauen offensichtlich unterschätzt. Wahrscheinlich saß die Nachtschwester im Wäschezimmer auf seinem Schoß, und er hatte ihr längst den Kittel oder sogar schon die Bluse aufgeknöpft.

Colin schaltete die Taschenlampe ein und beleuchtete die Bahre. »Ich habe Ihr Kostüm mitgebracht«, sagte er. Es war der schwarze Rock mit den abgeschnittenen Schößen und der Kniehose.

Dunworthy legte den Bademantel ab und zog die Sachen an. Der Krankenwagen fuhr ohne Warnung los, und der Ruck riß ihn beinahe zu Boden. Er setzte sich auf die seitliche Bank, stemmte den Rücken gegen die schwankende Außenwand und zog die schwarze Kniehose an.

Die Ärztin hatte keine Sirene eingeschaltet, fuhr aber in einem Tempo, daß sie es hätte tun sollen. Dunworthy mußte sich mit einer Hand festhalten, während er mit der anderen am Hosenbund zog, und Colin, der ihm die Stiefel herüberziehen wollte, fiel dabei vornüber.

»Wir haben einen Umhang für Sie gefunden«, sagte Colin. »Mr. Finch borgte ihn vom Theaterverein.« Er schüttelte ihn aus. Es war ein langer, weiter Umhang, anscheinend im viktorianischen Stil, schwarz und mit roter Seide gefüttert. Er legte ihn Dunworthy um die Schultern.

»Für welche Inszenierung haben sie den gebraucht? Dracula?«

Der Krankenwagen hielt, die Ärztin ging nach hinten und riß die Türen auf. Colin half Dunworthy hinunter und hielt den Saum des voluminösen Umhangs wie ein Page. Sie retteten sich unter das Tor. Der Regen tanzte auf dem Pflaster und plätscherte in den Ablaufrohren, aber durch sein gleichförmiges Rauschen drangen metallische Töne.

»Was ist das?« Dunworthy spähte in den dunklen Hof.

»Wenn endlich mein Erlöser kommt, oder so ähnlich«, sagte Colin. »Die Amerikanerinnen proben für eine kirchliche Sache. Nekrotisch, nicht?«

»Mrs. Gaddson sagte, daß sie zu allen Stunden übten, aber ich hatte keine Ahnung, daß sie damit fünf Uhr früh meinte.«

»Die Aufführung ist heute abend«, sagte Colin.

»Heute abend?« Dunworthy begriff, daß es der Fünfzehnte war. Nach dem Julianischen Kalender der Sechste. Der Dreikönigstag.

Finch kam mit einem Schirm über den Hof geeilt. »Tut mir leid, daß ich mich verspätet habe«, und hielt ihn fürsorglich über Dunworthy, »aber ich konnte keinen Schirm finden. Sie können sich nicht vorstellen, wie viele von den Einquartierten weggehen und fremde Schirme mitnehmen. Und andere lassen sie stehen. Besonders die Amerikanerinnen…«

Sie gingen über den Hof. »Ist alles bereit?« fragte Dunworthy.

»Die medizinische Unterstützung ist noch nicht da«, sagte Finch, bemüht, den Schirm über Dunworthys Kopf zu halten, »aber William Gaddson rief gerade an und sagte, alles sei geregelt, und sie werde bald hier sein.«

Dunworthy wäre nicht erstaunt gewesen, wenn er gesagt hätte, die Nachtschwester hätte sich freiwillig für das Unternehmen gemeldet. »Ich hoffe wirklich, daß William sich niemals entschließen wird, sich einer Verbrecherlaufbahn zuzuwenden.«

»O nein, das wird er sicher nicht tun, Sir. Seine Mutter würde es nie erlauben. Mr. Chaudhuri hat die Koordinaten bereits festgelegt und Probeläufe gemacht. Und Mrs. Montoya ist hier.«

Er blieb stehen. »Montoya? Was will sie hier?«

»Ich weiß es nicht, Sir. Sie sagte nur, sie habe Informationen für Sie.«

Nicht jetzt, dachte er. Nicht, wenn wir dem Ziel so nahe sind.

Er betrat das Laboratorium. Baldri saß an der Konsole, und Montoya, in lehmbeschmierter Jeans und ihrer weiten Jacke, beugte sich über ihn und beobachtete den Bildschirm. Badri sagte etwas, und sie schüttelte den Kopf und sah auf ihre Digitaluhr. Dann blickte sie auf und sah Dunworthy, und ein mitleidiger Ausdruck kam in ihre Züge. Sie richtete sich auf und griff in die Tasche ihres Holzfällerhemdes.

Nein, dachte Dunworthy.

Sie kam auf ihn zu. »Ich wußte nicht, daß Sie diese Aktion planen«, sagte sie, ein gefaltetes Stück Papier in den Fingern. »Aber ich kann Ihnen helfen. Schauen Sie her.« Sie entfaltete das Papier und zeigte es ihm. »Diese Information hatte Kivrin, als sie durchging.«

Er sah, daß es eine Kartenskizze war.

»Hier ist der Absetzort.« Sie zeigte auf ein Kreuz an einer schwarzen Linie. »Und dies ist Skendgate. Sie werden es an der Kirche erkennen. Sie ist normannisch, mit Wandmalereien über den Jochbögen und einem Lettner und einer Statue des heiligen Antonius.« Sie lächelte. »Der Schutzpatron aller, die sich verlaufen haben. Ich fand sie gestern.«

Sie zeigte auf mehrere andere Kreuze. »Sollte Kivrin durch irgendeinen Zufall nicht nach Skendgate gegangen sein, sind die wahrscheinlichsten Dörfer im Umkreis Esthcote, Henefelde und Shrivendun. Ich habe die kennzeichnenden Landmarken auf der Rückseite aufgeführt.«

Badri stand auf und kam zu ihnen. Er sah noch gebrechlicher aus als im Krankenzimmer, wenn das möglich war, und bewegte sich langsam wie der alte Mann, der er geworden war. »Ich bekomme noch immer minimale Verschiebung, gleichgültig, welche Variablen ich eingebe«, sagte er. Er hielt sich die Seite unter den Rippen. »Ich werde das Netz in Abständen von zwei Stunden für jeweils fünf Minuten öffnen. Auf diese Weise können wir die Öffnungszeit auf vierundzwanzig Stunden ausdehnen, sogar auf sechsunddreißig, wenn wir Glück haben.«

Dunworthy fragte sich, wie viele von diesen zweistündigen Intervallen Badri durchhalten würde. Er sah bereits jetzt ziemlich erledigt aus.

»Wenn Sie den Schimmer beginnender Feuchtigkeitskondensation sehen, gehen Sie hinein«, sagte Badri.

»Und wenn es dunkel ist?« fragte Colin. Er hatte den Laborkittel ausgezogen, und Dunworthy sah, daß er ein Schildknappenkostüm anhatte.

»Wenn es dunkel ist, sollte man trotzdem den Schimmer sehen können, und wir werden rufen«, sagte Badri. Er grunzte leise und hielt sich wieder die Seite. »Sie sind immunisiert?«

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