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Menschen wie Götter

Электронная книга - «Menschen wie Götter». Краткое содержание книги:

Die Menschen der fernen Zukunft greifen nach den Sternen. Mit Hilfe gewaltiger Raumschiffe durchpflügen sie das Weltall, erforschen fremde Planeten und schließen Freundschaft mit außerirdischen Zivilisationen. Sie erschaffen neue Welten aus dem Nichts und verwandeln ungastliche Steinwüsten in blühende Paradiese.
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Als wäre da eine Grenze zwischen dem Kern und dem Raum ringsum gewesen, und als hätten wir sie überquert. Aber da war keine Grenze, da waren die Sterne nicht einmal besonders verdichtet, in dem nach außen entgleitenden Kugelsternhaufen waren sie mehr zusammengepreßt. Dennoch begriffen wir sofort, daß wir im Kern waren, die Sterne wirkten plötzlich wie von Sinnen. Ich diktiere »plötzlich« und »wie von Sinnen« und überlege. Die Astrophysiker werden mir vorwerfen, toten Körpern menschliche Eigenschaften zuzuschreiben. Aber treffender vermag ich das Verhalten der Gestirne nicht wiederzugeben. Nicht mehr ihr Leuchten war charakteristisch, sondern ihre Raserei.

Einem, der nicht im Kern gewesen ist, läßt sich das nicht mit Worten schildern. Man muß selber in das Chaos der wie toll heran- und fortfliegenden Sterne tauchen, um mit innerem Erschauern, nicht allein mit den Augen zu erfassen, daß man im Kern ist. Ringsum tobt eine Explosion, und man selbst ist nicht mehr als ein dunkles Stäubchen inmitten der sausenden strahlenden Splitter! Wir kannten Sternhaufen, sowohl offene, wie die Plejaden und die beiden Ansammlungen x und h im Perseus, wie auch sphärische gleich denen, die wir durchflogen hatten. Dort hingen die Sterne ganz normal in ihren Koordinatenknoten und entfernten sich kaum voneinander. Und wenn das doch geschah, dann dauerte es lange, ehe es bemerkbar wurde. Die Harmonie der Sternensphären erklang dort als Melodie der Gravitation, dort war Ordnung.

Doch hier herrschte das Chaos. Kann eine Explosion harmonisch sein? Und wenn ein Stern vorbeijagte oder einen Nachbarn ereilte, brachen rauchige Protuberanzen aus ihnen hervor, und ich hatte das Empfinden, als reiße einer dem anderen ein Büschel Haare vom Kopf.

»Eli, ich bin außerstande, die Bahn auch nur eines der Gestirne zu errechnen«, sagte Olga beinahe erschreckt, als wir zu viert im Kommandeursaal saßen.

»Newtons Gesetze sind hier von irgendwelchen Kräften überlagert, die Unordnung stiften. Der Kern siedet. Und ich begreife nicht, weshalb. Was für eine gigantische Macht muß das sein, die das Gleichgewicht der Sterne derart stört!«

Oleg betrachtete nachdenklich den Sternenstrudel auf den Bildschirmen. »Ist es nicht, Freunde, als beobachteten wir, wie alle Sterne auf einen Haufen fallen und dann zu Nebel werden?«

»Das ist der Untergang unserer Galaxis«, antwortete Olga. »Sie besteht aus rund zweihundert Milliarden Sternen, die Hälfte davon ist im Kern konzentriert. Wenn hundert Milliarden Gestirne explodieren, bleibt von den anderen hundert Milliarden, darunter auch von unserer Sonne und vom Perseus der Demiurgen und Galakten, nichts als Staub übrig.«

»Dafür freuen sich die vernunftbegabten Beobachter in anderen Galaxien, das Auftauchen eines neuen Quasars fixiert zu haben«, tröstete ich sie.

»Mehr und mehr gewinne ich die Überzeugung, daß wir unüberlegt handelten, als wir in diesen brodelnden Sternenbrei eindrangen«, sagte Olga. »Oleg, ich glaube, Überlichtgeschwindigkeiten sind hier gefährlich.«

Ich komme jetzt zu dem Ereignis, das bewies, wie berechtigt Olgas Sorge war. Wieder saßen wir zu viert im Kommandeursaal. Oshima führte das Schiff, Olga rechnete, Oleg und ich unterhielten uns leise.

Plötzlich sagte Olga erstaunt: »Aus meiner Kalkulation ergibt sich, daß wir unserem Ende entgegentreiben. Wahrscheinlich habe ich irgendwo einen Fehler gemacht!«

Ich antwortete großmütig: »Bestimmt hast du das, Olga, obwohl dir das höchst selten passiert. Ein unmotivierter Untergang der beiden Sternenflugzeuge ist trotz allem weniger wahrscheinlich als ein arithmetischer Fehler in den Berechnungen.«

»Ich prüfe mal nach«, sagte sie.

Im selben Augenblick erschallten die Signale für höchste Alarmstufe: Die Sirenen heulten, die Anlaßrelais der Kampfannihilatoren quakten, die Havarielampen flackerten. Auf der Lichttafel leuchteten die unheilvollen Worte auf: »Raumgeneratoren erste Bereitschaft!« Ich griff nach dem Sprachrohr, doch Oleg kam mir zuvor. »Stimme, was ist geschehen?« schrie er.

Wir hörten die Antwort, daß sich das Häufchen ungeordnet umherfliegender Sterne, zwischen denen sich die Schiffe hindurchzwängten, plötzlich, wie in einem Krampf, einheitlich bewege und sich seinem geometrischen Zentrum nähere, in dem wir uns gerade befänden. Die Sterne würden blindwütig aufeinanderstürzen und in die Explosion unweigerlich uns mit einbeziehen. Einziger Ausweg: in einem Kanal neugeschaffenen Raums aus dem Sternhaufen ausbrechen.

»Wir stellen Berechnungen an«, informierte die Stimme.

»Ich bezweifle, daß ein positives Ergebnis zu erwarten ist«, schätzte Olga die Lage ruhig ein. »Die Vorräte des gesamten Geschwaders reichen nicht aus, um einen Tunnel anzulegen.«

Ich rief das Laboratorium.

»Ellon«, sagte ich. »Wir sind in einer gefährlichen Klemme. Möglicherweise kann uns nur die Gravitationsschnecke retten. Setz dich mit der Stimme in Verbindung.« Er antwortete voll düsterer Heiterkeit: »Die Schnecke hat einen ganzen Planeten zum Teufel gejagt, die beiden Sternenflugzeuge hinauszubefördern ist einfacher. Mag nur euer schwebender Liebling zugeben, daß er nicht imstande ist, einen Kurs zwischen den Sternen hindurch festzulegen, und ich korrigiere seinen Fehler.«

Kurz darauf teilte die Stimme mit, daß uns die Aktivstoffannihilation vor der Sternenexplosion nicht bewahren würde und daß die einzige Hoffnung darin bestehe, mit Hilfe der Gravitationsschnecke hinauszugleiten. Auf den Sternenbildschirmen entbrannten rund hundert Gestirne vom Ausmaß der Venus, wurden größer und erglühten bedrohlich. Ich erinnerte mich, daß ich in meiner Jugend in den Plejaden genauso beklommen beobachtete, wie aus allen Richtungen der Sternensphäre grimmige Lichter auf uns zustürzten. Aber jene Lichter, die klein waren, grellgrün, die kosmischen Kreuzer der Zerstörer, waren Stäubchen im Vergleich zu den Giganten, die uns hier umschlossen. Hundert Sonnen fielen herab. Sie hatten auch bald die Größe der Sonne erreicht, blendend weiß, bläulich, regenbogenfarben, trübrot, kirschfarben… Beide Sternen- Halbsphären waren rasend lodernde Feuer geworden. Allein von der Hitze mußten sich unsere Schiffe in ein Dampfwölkchen verwandeln, noch ehe die Sterne aufeinanderstießen. Ich rief die Stimme.

»Zu früh, Eli«, antwortete sie, »Ellon und ich warten auf den passenden Moment.«

Alle Schiffsenergiequellen waren auf den Metrikgenerator geschaltet. Die »Schlangenträger« folgte im Kielwasser der »Steinbock«. Kamagin sandte mir eine scherzhafte Ermunterung. »Admiral, zu meiner Zeit sagte man: In Gesellschaft ist auch der Tod nicht schrecklich. Wir werden ihn als hell empfinden.« Der Witz erschien mir makaber.

Doch dann sahen wir, wie sich zwei Sonnen aus der Masse lösten und aufeinander zujagten. Auf der Linie, auf der sie sich bewegten, befanden sich unsere Sternenflugzeuge. Wir hatten nicht einmal den Trost, daß wir uns kurz vor unserem Ende an einem Weltallbrand würden weiden können. Beide Gestirne würden explodieren, bevor die übrigen ein allgemeines Mischmasch bildeten, und noch eher würden wir verdampfen, wenn wir nicht auf der Raumkrümmung hinausglitten.

»Einschalten!« hörte ich das dreifache Kommando, zu dem sich die Stimme, Ellons Schrei und Olegs Befehl vereinigten.

Ein entsetzlicher Schmerz krampfte meinen Körper zusammen. Flüchtig, wie nebenbei, sah ich, daß sich Oshima und Olga in ihren Sesseln wanden, daß sich Oleg nach dem Hals griff, als zerreiße er würgende Schlingen. Doch das, was sich auf dem Bildschirm abspielte, war so phantastisch unvorhergesehen, daß ich den Schmerz zunächst vergaß.

Die fliegenden Sonnen stießen zusammen, ohne zu explodieren. Eine schob sich durch die andere. Sie jagten ineinander dahin, ohne sich zu vermischen, ohne sich aufzulösen, ohne nach dem schrecklichen Zusammenprall zu entbrennen. Sie verloren nicht einmal die Kugelform. Die eine war mit Protuberanzen gespickt, die mir wie Feuerschlangen auf dem Kopf eines kosmischen Aranen vorkamen, die andere flog in einer Korona, einem Lichtkranz, einem durchsichtig zarten Halo. Und keine der Protuberanzen veränderte sich, als Sonne durch Sonne jagte, so kapriziös wie vorher wanden sie sich, brachen hervor, flammten auf und verblaßten. Und der Halo der zweiten Sonne trübte sich nur ein wenig in der Helligkeit des ersten Gestirns, verschwand aber nicht, verschwamm nicht, sondern blieb zart und licht. Ich begriff, daß ich den Verstand verlor, daß der Schmerz in den Körperzellen mir das Bewußtsein trübte. Ich freute mich nicht einmal darüber, daß wir nicht zu sterben brauchten. Die rettenden Wege sah ich nicht, es war unmöglich. Wir sanken nicht in einem Gravitationsloch, kreisten nicht in einer Gravitationsspirale, sonst wären alle Gestirne sofort verschwunden. Doch sie waren da, eins stieß mit dem anderen zusammen, eins ging durch das andere hindurch. Sie glichen Schatten, die sich für einen Augenblick kreuzen. »Sternenphantome! Sternenphantome!« schrie ich, von diesem Gedanken erschüttert.

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