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Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]

Электронная книга - «Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]». Краткое содержание книги:

Eine faszinierende Reise in die finsterste Zeit des Mittelalters.
Es sollte das größte Abenteuer ihres Lebens werden: Die junge Kivrin wird aus dem Jahr 2054 ins mittelalterliche England geschickt. Doch bei der Übertragung kommt es zu Problemen, und so landet die Geschichtsstudentin nicht wie geplant im Jahr 1320, sondern im Jahr 1348 — dem Todesjahr, in dem die Pest England entvölkerte. Und eine Rückkehr in die Zukunft scheint unmöglich zu sein …
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Ich weiß nicht genau, wann ich durchkam, aber wenn es wie geplant Mittag war, dann hat es ungefähr vier Stunden Verschiebung gegeben. Die Jahreszeit ist richtig. Die Bäume sind größtenteils entlaubt, aber die Blätter am Boden sind noch mehr oder weniger unversehrt, und erst ein Drittel der abgeernteten Felder ist umgepflügt. Ich werde nicht imstande sein, meinen genauen zeitlichen Standort zu nennen, bis ich das Dorf erreiche und jemanden fragen kann, welchen Tag wir haben.

Sie wissen wahrscheinlich besser als ich, wo und wann ich hier angekommen bin, jedenfalls werden Sie es wissen, sobald Sie die Fixierung haben.

Aber ich weiß, daß ich im richtigen Jahrhundert bin. Von der Anhöhe, auf der ich stehe, kann ich Felder sehen. Es sind die klassischen mittelalterlichen Streifenfelder mit den abgerundeten Enden, wo die Ochsen umdrehen. Die Weiden sind mit Hecken eingegrenzt, und ungefähr ein Drittel davon sind sächsische Baumhecken, während der Rest normannische Weißdornhecken sind. Die Forschung gab das Verhältnis für 1300 mit 25 zu 75 Prozent an, aber diese Zahlen wurden für Suffolk ermittelt, das weiter östlich liegt.

Im Süden und Westen ist Wald — Wychwood? -, ausschließlich Laubwald, soweit ich es beurteilen kann. Im Osten ist die Themse zu sehen. Ich kann beinahe London ausmachen, obwohl ich weiß, daß es unmöglich ist. Um 1320 muß es mehr als fünfzig Meilen entfernt gewesen sein, nicht wahr, statt der zwanzig Meilen in unserer Zeit. Ich glaube trotzdem, daß ich es sehen kann. Die Stadtmauern von Oxford und der Carfax-Turm sind deutlich zu erkennen.

Eben habe ich herausgefunden, wo das Dorf ist. Es liegt an diesem Nebenweg. Ich werde zum Fuhrwerk gehen und es auf die Straße herausziehen, und dann werde ich ins Dorf wanken, bevor es dunkel wird, und vor jemandes Haustür zusammenbrechen. Es geht mir gut, Mr. Dunworthy. Machen Sie sich keine Sorgen um mich. Ich bin seit mehr als einer Stunde hier, und soweit ist nichts Schlimmes geschehen.

Es ist schön hier. Ich habe nicht das Gefühl, siebenhundert Jahre entfernt von Ihnen zu sein. Oxford ist dort drüben, zu Fuß erreichbar, und ich bringe die Vorstellung nicht aus dem Kopf, daß ich Sie alle im Laboratorium von Brasenose antreffen würde, wo Sie auf die Fixierung warten, wenn ich diesen Hügel hinunter und durch die Ebene in die Stadt gehen würde: Badri stirnrunzelnd vor dem Bildschirm, Mrs. Montoya voll Ungeduld, zu ihrer Ausgrabung zurückzukehren, und Sie, Mr. Dunworthy, besorgt gluckend wie eine Henne. Ich fühle mich überhaupt nicht von Ihnen getrennt, oder auch nur sehr weit entfernt.

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Badris Hand sank von seiner Stirn, bevor er vornüber fiel, und sein Unterarm schlug auf die Konsole und verhinderte, daß er mit dem Gesicht darauf prallte. Dunworthy blickte erschrocken auf den Bildschirm, in Sorge, er könne dabei versehentlich Tasten gedrückt und die ganze Darstellung durcheinandergebracht haben. Badri rutschte vom Stuhl und blieb wie leblos am Boden liegen.

Latimer und Gilchrist machten ebensowenig wie Dunworthy einen Versuch, ihn aufzufangen. Latimer schien nicht einmal zu merken, daß etwas geschehen war. Mary sprang sofort hinzu, aber sie stand hinter den anderen und konnte Badri nur noch am Ärmel erwischen. Im nächsten Augenblick war sie neben ihm auf den Knien, streckte ihn auf dem Rücken aus und zog sich einen Kopfhörer über die Ohren.

Sie suchte in ihrer Tasche, brachte ein Aufnahmegerät zum Vorschein und drückte volle fünf Sekunden auf den Rufknopf. »Badri?« sagte sie mit erhobener Stimme, und jetzt erst merkte Dunworthy, wie totenstill es im Raum war. Gilchrist hatte sich nicht von der Stelle gerührt, seit Badri gefallen war. Er sah wütend aus. Auf dieses unvorhergesehene Problem war er offensichtlich genauso wenig gefaßt wie alle anderen.

Mary ließ den Knopf los und schüttelte behutsam Badris Schulter. Es gab keine Reaktion. Sie zog seinen Kopf zurück und beugte sich über sein Gesicht, das Ohr an seinem offenen Mund, und drehte den Kopf so, daß sie seine Brust sehen konnte. Er hatte nicht aufgehört zu atmen. Dunworthy konnte aus zwei Metern Distanz sehen, daß seine Brust sich hob und senkte, und auch Mary konnte es nicht entgehen. Sie hob den Kopf, drückte auf das Aufnahmegerät, legte zwei Finger an seine Halsschlagader und hob das Aufnahmegerät zum Mund.

»Wir sind in der historischen Fakultät von Brasenose«, sagte sie. »Fünf-zwei. Kollaps. Bewußtlosigkeit. Kein Hinweis auf Schlaganfall.« Sie nahm die Hand vom Aufnahmeknopf und zog Badris Augenlider hoch.

»Was ist los?« fragte Gilchrist. »Was ist geschehen?«

Sie blickte gereizt zu ihm auf. »Er ist ohnmächtig geworden«, sagte sie und wandte sich zu Dunworthy. »Geben Sie mir mein Handwerkszeug«, sagte sie zu Dunworthy. »In der Einkaufstasche.«

Sie hatte die Tasche umgestoßen, als sie das Aufnahmegerät herausgezogen hatte. Dunworthy fummelte zwischen den Schachteln und Päckchen, fand einen harten Plastikkasten, der die richtige Größe zu haben schien, und öffnete ihn. Er war voll von Knallbonbons in roter und grüner Alufolie. Er stopfte den Kasten wieder in die Tasche. »Machen Sie schon«, sagte Mary, während sie Badris Arbeitskittel aufknöpfte. »Ich habe nicht den ganzen Tag Zeit.«

»Ich kann nichts finden«, begann Dunworthy.

Sie nahm ihm die Tasche weg und schüttelte sie aus. Die Knallbonbons rollten über den Boden, die Schachtel mit dem Schal ging auf, und der Schal fiel heraus. Mary nahm ihre Handtasche aus dem Durcheinander, zog den Reißverschluß auf und nahm eine große flache Ledermappe heraus. Dieser entnahm sie einen Blutdruckmesser, den sie um Badris Arm schnallte; dann prüfte sie die Ablesungen. Die wellenförmige Wiedergabe sagte Dunworthy nichts, und Marys Reaktion war nicht zu entnehmen, was sie davon hielt. Badri hatte nicht aufgehört zu atmen, sein Herz hatte nicht aufgehört zu schlagen, und er blutete nicht. Vielleicht hatte er nur einen Schwächeanfall erlitten. Andererseits fiel man nicht einfach um, außer in Büchern oder im Fernsehen. Er mußte krank oder verletzt sein. Als er ins Wirtshaus gekommen war, hatte er einen sonderbar geistesabwesenden Eindruck gemacht, als ob er unter einem Schock stünde. Konnte es sein, daß er von einem Rad angefahren worden war, wie es Dunworthy beinahe passiert war, und nicht gleich bemerkt hatte, daß er verletzt war? Das würde sein geistesabwesendes Verhalten bei gleichzeitiger Unruhe erklären.

Aber nicht den Umstand, daß er ohne Mantel losgegangen war, daß er gesagt hatte, Dunworthy müsse kommen und es sei etwas nicht in Ordnung.

Dunworthy wandte sich um und blickte auf den Bildschirm der Konsole. Er zeigte noch immer die gleichen Zahlen und Zeichen. Ihre Bedeutung blieb Dunworthy verschlossen, aber es sah wie eine normale Fixierung aus, und Badri hatte gesagt, Kivrin sei gut durchgekommen. Aber etwas mußte passiert sein.

Mary klopfte Badris Arme, die Seiten seines Oberkörpers und die Beine mit flachen Händen ab. Badris Augenlider zuckten, blieben aber geschlossen.

»Wissen Sie, ob Badri gesundheitliche Probleme hatte?«

»Er ist Mr. Dunworthys Techniker«, sagte Gilchrist. »Von Balliol. Er war uns nur ausgeliehen«, fügte er hinzu, und es hörte sich an, als sei Dunworthy irgendwie für dieses Ereignis verantwortlich, habe womöglich den Kollaps des Technikers arrangiert, um das Projekt zu sabotieren.

»Mir ist von gesundheitlichen Problemen nichts bekannt«, sagte Dunworthy. »Er wird an den üblichen Vorsorgeuntersuchungen teilgenommen haben, nehme ich an.«

Mary machte ein unzufriedenes Gesicht. Sie legte ihr Stethoskop an und lauschte eine lange Minute seinen Herztönen, überprüfte die Blutdruckmessung, nahm wieder seinen Puls. »Und Sie wissen nichts von einer Krankheitsgeschichte? Epilepsie? Diabetes?«

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