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Die Chronolithen [The Chronoliths - de]

Электронная книга - «Die Chronolithen [The Chronoliths - de]». Краткое содержание книги:

Aus dem Nichts taucht in Thailand plötzlich ein siebzig Meter hoher Obelisk auf und richtet in weitem Umkreis durch eine Druckwelle und einen extremen Temperatursturz große Verwüstungen an. Doch nicht Außerirdische haben das Artefakt geschickt, sondern es kommt aus der Zukunft. Es besteht aus einem fremdartigen, unzerstörbaren Stoft und trägt eine Inschrift, die den Sieg eines gewissen Kuin verkündet, der sich das Land unterworfen habe… Scott Warden. der als Aussteiger mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter ein sorgloses Leben am Strand führt, wird durch das Ereignis aus der Bahn geworfen: Als er heimlich das abgesperrte Gelände betritt, um den Obelisken zu untersuchen, wird er verhaftet und vom Geheimdienst verschleppt. Und als er dann später wieder freikommt, ist seine Familie außer Landes geflohen und in die USA zurückgekehrt. Denn inzwischen ist ein weiteres Kuin-Monument mitten in Bangkok aufgetaucht, mit verheerenden Folgen. Und noch mehr dieser Obelisken erscheinen, zerstören Istanbul und Jerusalem… Wer aber ist dieser Kuin? Ist er ein kommender Welteroberer? Oder ein Messias, der seine Schatten voraus wirft in die Vergangenheit? Doch wie sollte das möglich sein? Und warum ist Scott immer in der Nähe, wenn ein weiterer Chronolith emporsteigt?
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Eine der hervorstechendsten Eigenschaften von Sulamith Chopra ist, dass sie tut, was sie sagt.

Baltimore war schwerer von der Rezession betroffen als Minneapolis / Saint Paul. Anfang des Jahrhunderts hatte sich die Stadt tapfer geschlagen, doch die City hatte ihren kurzen Glanz von Wohlstand verloren, war zu leerstehenden Ladenfronten, geborstenen Plasmadisplays und Reklametafeln verkommen, deren Farben durch Sonne und Wetter verblasst waren. Sue parkte auf der Rückseite eines kleinen mexikanischen Restaurants und eskortierte mich nach drinnen. Sie war beim Personal bekannt und wurde mit Namen begrüßt. Unsere Kellnerin sah aus, als sei sie einer Mission aus dem 17. Jahrhundert entsprungen, zählte aber in einem gestutzten New-England-Akzent die Tagesspezialitäten auf. Sie lächelte Sue auf eine Weise an wie ein Pächter seinen wohlwollenden Grundbesitzer anlächelt — vermutlich gab Sue immer ein großzügiges Trinkgeld.

Wir plauderten eine Zeit lang über dies und das — aktuelle Ereignisse, die Oglalla-Krise, den Pemberton-Prozess. Sues Versuch, den alten Umgangston zwischen uns wiederherzustellen, den Ton familiärer Vertrautheit, den sie mit all ihren Studenten an der Cornell-Universität gepflegt hatte. Sie hatte es nie gemocht, als Autorität behandelt zu werden. Sie beugte sich niemandem und wollte niemand sein, dem man sich beugte. Sue war so altmodisch, sich arbeitende Wissenschaftler als gleichwertige Prozessparteien vor der absoluten Schranke der Wahrheit vorzustellen.

Seit Cornell, erzählte sie, habe das Chronolithenprojekt sie immer mehr beansprucht; es sei praktisch zu ihrem Beruf geworden. Sie hatte wichtige theoretische Aufsätze publiziert, aber jedes Mal das Placet der National Security einholen müssen. »Und die wichtigste Arbeit, die wir geleistet haben, darf und kann gar nicht publiziert werden, weil wir sonst Gefahr laufen, Kuin in die Hände zu spielen.«

»Also weißt du mehr, als du sagen kannst?«

»Ja, viel mehr… aber nicht genug.« Die Kellnerin brachte Reis mit Bohnen. Sue kaute an ihrem Lunch, die Stirn in Falten. »Ich weiß auch von dir, Scotty. Du hast dich von Janice scheiden lassen oder umgekehrt. Deine Tochter lebt jetzt bei ihrer Ma. Janice hat wieder geheiratet. Du hast fünf Jahre lang gute, aber extrem beschränkte Arbeit bei Campion-Miller hinter dir, was eine Schande ist, denn du gehörst zu den gescheitesten Leuten, die ich kenne. Kein Rollstuhlgenie, aber blitzgescheit. Du kannst mehr.«

»Das hat man mir immer schon ins Zeugnis geschrieben: kann mehr.«

»Bist du je über Janice hinweggekommen?«

Sue stellte intime Fragen und klang dabei brüsk wie ein Zöllner. Sie schien gar nicht auf die Idee zu kommen, jemand könne Anstoß nehmen.

Folglich keinen Anstoß genommen. »Im Großen und Ganzen, ja.«

»Und das Mädchen? Kaitlin, richtig? Gott, ich weiß noch, wie Janice schwanger war. Dieser mächtig dicke Bauch. Als hätte sie einen VW-Beetle geklaut.«

»Kait und ich, wir kommen gut miteinander aus.«

»Du liebst deine Tochter immer noch?«

»Ja, Sue, ich liebe sie immer noch.«

»Natürlich tust du das. Sonst wärst du nicht Scotty.« Sie schien sich richtig zu freuen.

»Na, und du? Irgendwas Aktuelles?«

»Nö«, sagte sie. »Ich lebe allein. Es gibt da jemanden, den ich ab und zu sehe, aber das ist keine Beziehung.« Sue schlug die Augen nieder und setzte hinzu: »Sie ist Dichterin. Eine von den Dichterinnen, die tagsüber im Laden stehen. Ich bring es nicht fertig, ihr zu sagen, dass das FBI sie bereits duchleuchtet hat. Sie würde explodieren. Egal, sie hat noch mehr Bekannte. Wir sind nicht monogam. Polyamourös. Meistens sind wir nicht mal zusammen

Ich hob mein Glas. »Merkwürdige Zeiten.«

»Merkwürdige Zeiten. Skol. Übrigens, ich höre, du sprichst nicht mehr mit deinem Vater?«

Ich hätte mich fast verschluckt.

»Hab dein Telefonprotokoll gesehen«, erklärte sie. »Die Anrufe sind von ihm. Sie dauern nicht länger als dreißig Sekunden.«

»Das ist eine Art Spiel«, sagte ich. »Wer als Erster auflegt. Verdammt, Sue, das sind private Dinge.«

»Er ist krank, Scotty.«

»Klär mich auf.«

»Nein, wirklich. Von den Ephysemen weißt du wahrscheinlich. Aber er war beim Onkologen. Leberkrebs, therapieresistent, metastatisch.«

Ich legte die Gabel hin.

»O Scotty«, sagte sie. »Es tut mir Leid.«

»Du siehst, ich kenne dich nicht.«

»Natürlich kennst du mich.«

»Ich kannte dich vor sehr langer Zeit. Nicht näher. Ich kannte eine Junior-Akademikerin, keine Frau, die meinen Rausschmiss betreibt und mein Telefon abhört.«

»Es gibt schon lange keine Privatsphäre mehr, nicht wirklich.«

»Er stirbt, hast du gesagt?«

»Wahrscheinlich.« Sie bekam ein langes Gesicht, als sie merkte, was sie gesagt hatte. »O Gott — verzeih mir, Scotty. Ich rede, bevor ich denke. Als war ich am Autismus vorbeigeschrammt.«

Das zumindest wusste ich über sie. Ihr Defekt, da bin ich mir jetzt sicher, ist genetisch bedingt und hat längst einen Namen: ein latentes Unvermögen, die Gefühle anderer zu lesen oder vorauszusehen. Und sie redete für ihr Leben gern — zumindest damals.

»Geht mich nichts an«, sagte sie. »Du hast Recht.«

»Ich brauche keine Ersatzmutter. Ich weiß nicht mal, ob ich diesen Job noch will.«

»Scotty, ich war es nicht, der dich hat abhören lassen. Und Davonlaufen ist zwecklos. Ob du den Job annimmst oder nicht, dein Leben wird nie mehr in normalen Bahnen verlaufen. Aus diesem Zug bist du ausgestiegen, damals in Chumphon.«

Mein Vater stirbt, dachte ich.

War mir das egal?

Wieder im Auto, sagte Sue reumütig: »Lieg ich so falsch, wenn ich sage, dass wir beide Schwierigkeiten haben? Dass die Chronolithen unser Leben bestimmt haben, ohne dass wir daran etwas ändern können? Aber ich versuche das Beste daraus zu machen, Scotty. Ich brauche dich hier, und ich glaube, die Arbeit wird dir besser gefallen als das, was du bisher gemacht hast.« Sie überfuhr eine Gelbphase, schielte auf den blinkenden Verweis in ihren Armaturen. »Liege ich falsch, wenn ich unterstelle, dass du eigentlich ganz gerne mit dabei wärst?«

Nein, aber die Genugtuung, es aus meinem Mund zu hören, gönnte ich ihr nicht.

»Außerdem…« Wurde sie rot? »Ehrlich, ich würde mich riesig freuen über deine Gesellschaft.«

»Du hast bestimmt eine Menge Gesellschaft.«

»Ich habe Kollegen, keine Gesellschaft. Nicht wirklich. Außerdem ist das Angebot gar nicht mal so schlecht. Nicht in einer Welt wie dieser.« Sie fügte beinah schüchtern hinzu: »Und du wirst reisen. Fremde Länder kennen lernen. Wunder bestaunen.« Stranger than Science.

Sechs

Wie bei Bundesbehörden nicht anders zu erwarten, ließ man mich geschlagene drei Wochen zappeln. Sulamith Chopras Arbeitgeber brachte mich in einem Motelzimmer unter, und das war's dann schon. Meine Anrufe bei Sue wurden von einem Beamten namens Morris Torrance abgefangen, der mir den Rat gab, mich in Geduld zu üben. Der Zimmerservice war frei, doch der Mensch lebt nicht vom Zimmerservice allein. Solange ich nicht etwas Langfristiges unterzeichnet hatte, wollte ich mein Apartment in Minneapolis nicht aufgeben, und jeder Tag, den ich in Maryland verbrachte, war ein fiskalischer Nettoverlust.

Das Motelterminal wurde mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit angezapft, und das FBI war vermutlich in der Lage, mein Notebook zu lesen, noch ehe mein Signal den Satelliten erreichte. Nichtsdestoweniger tat ich, was man vermutlich von mir erwartete: Ich fuhr fort, Kuin-Daten zu sammeln und befasste mich ein bisschen näher mit Sues Publikationen.

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