Die Goldhändlerin
- Автор: Lorentz Iny
- Язык: немецкий
- Жанр: Историческая проза
Электронная книга - «Die Goldhändlerin». Краткое содержание книги:
Autorin
Iny Lorentz wurde in Köln geboren. Sie arbeitet heute als Programmiererin in einer Münchner Versicherung. Seit den frühen achtziger Jahren hat sie mehrere Kurzgeschichten veröffentlicht. Die Kastratin, ihr erster Roman, war ein großer Erfolg, ebenso wie ihre anderen Bücher.
Mit diesen Worten verließ sie durchaus vergnügt die Badestube und kehrte nach einer Weile mit einem Bündel Kleider zurück. Nicht lange danach stand Lea frisch gewaschen und mit etwas römischen Rosenöl parfümiert vor der Hausherrin und starrte auf die bestickte Leinenbluse und den blauen Wickelrock, der ihr gerade bis zu den Waden reichte, aber so geschickt gebunden war, dass er ihre schlanke Taille betonte.
Orlandos Mutter nickte zufrieden. »Du bist ein wenig groß für eine Frau, aber du hast eine gute Figur. Ich glaube, mein Sohn hat eine gute Wahl getroffen.«
»Noch habe ich ihn nicht erwählt«, antwortete Lea leise, aber mit einer gewissen Schärfe.
Dona Leonora ließ sich nicht beirren. »Deine alte Dienerin hat erzählt, dass ihr jüdischen Glaubens und die Überlebenden eines Pogroms seid. Hier bei uns seid ihr nun in Sicherheit.«
Orlandos Mutter hatte Sarahs hastigem Bericht nur mit einem Ohr gelauscht und offensichtlich einiges durcheinandergebracht, doch für sie zählte nur eines: Die künftige Frau ihres Sohnes entstammte ihrem eigenen Volk. Damit war sie ihr als Schwiegertochter von Herzen willkommen.
Genau das sagte sie auch eine gute Stunde später zu ihrem Gemahl, der beobachtete, wie Lea und Orlando sich nach einem zunächst recht heftig verlaufenen Gespräch verliebt ansahen und schließlich umarmten. »Sie ist zwar keine Sephardin, aber mit unseren Sitten gewiss besser vertraut als Bianca oder Marita Lorresta«, schloss sie ihren begeisterten Vortrag.
Don Manuel schenkte seiner Frau einen nachsichtigen Blick.
»Ob die Kinder ihre Gebete in Zukunft in hebräischer oder lateinischer Sprache zu Gott erheben wollen, sollen sie getrost selbst entscheiden.«
»Gewiss, mein Salomo«, antwortete Dona Leonora mit geheuchelter Demut. Dann erinnerte sie daran, dass genau dies der geheime jüdische Name war, den die Mutter ihres Mannes ihrem Sohn gegeben hatte, und lächelte versonnen.
7.
An einem schönen Sommertag saß Lea auf ihrem Stuhl, den sie mit zwei Kissen gepolstert hatte, und schrieb Zahlen in ihr Rechnungsbuch. Sie war so beschäftigt, dass sie nicht wahrnahm, wie die Tür geöffnet wurde.
Auf Alisio gestützt trat ihr Schwiegervater ein. Als Lea aufblickte, blickte er sie erwartungsvoll an. »Wie laufen denn die Geschäfte? Haben sich deine letzten Investitionen schon ausgezahlt?«
Lea nickte mit leuchtenden Augen. »Oh ja! Allein unser Anteil an der Kogge, die aus Riga kam, hat uns einen Reingewinn von mehr als zweitausend Gulden eingebracht.«
Don Manuel lächelte zufrieden. »Also hast du wieder einmal Recht behalten, mein Kind. Mit so einem hohen Gewinn habe ich wirklich nicht gerechnet. Du bist eine noch geschicktere Geschäftsfrau, als Orlando es damals behauptet hat.«
Lea freute sich ehrlich über die Anerkennung ihres Schwiegervaters, gleichzeitig aber fühlte sie sich niedergeschlagen, denn Orlando war schon seit fast drei Monaten unterwegs und hatte keine Ahnung, dass es eine wichtigere Neuigkeit gab als den Gewinn aus dem Handel mit Pelzen aus dem Osten. Sie legte die Handflächen auf ihren schon leicht gewölbten Leib und seufzte.
»Ich hoffe, Orlando kommt bald zurück. Sonst wird er noch Vater, ohne es zu wissen.«
Don Manuel lachte so gelöst wie schon lange nicht mehr. »Bis zur Geburt gehen ja noch etliche Monate ins Land, und bis dahin ist er längst zu Hause. Deswegen bin ich ja auch gekommen und nicht, weil ich mich nach den Geschäften erkundigen wolle. Vor kurzem ist die Meerjungfrau in den Hafen eingelaufen, auf der dein Gatte meines Wissens zurückkehren sollte.«
Lea schoss von ihrem Stuhl hoch. »Du meinst, Orlando kommt heute nach Hause?«
»Hoffen wir es.«
In dem Moment drangen laute Stimmen aus der Vorhalle hoch. Lea lief aus dem Kontor und sah Orlando unten in der Halle stehen. Mit wenigen Schritten flog sie ihm entgegen und fiel ihm um den Hals. »Orlando, es ist so schön, dich wiederzusehen.«
Er küsste sie, schob sie ein wenig zurück und betrachtete sie von Kopf bis Fuß. »Ich glaube, du hast ein wenig zugenommen.«
Lea kicherte und wurde rot wie ein junges Mädchen, aber erst, als sie über ihren Bauch strich, begann er zu begreifen.
»Sag bloß, du bist schwanger.«
»Natürlich bin ich schwanger.« Lea blickte ihn leicht gekränkt an, weil er es nicht sofort erkannt hatte. Dann bemerkte sie die Schatten auf seinem Gesicht. »Was ist los? Du siehst aus, als wäre dir etwas Schlimmes zugestoßen.«
Orlando nickte bedrückt. »Nicht mir. Ich habe zwei Nachrichten mitgebracht, eine, die dich freuen wird, und leider auch eine sehr unangenehme.«
»Spann mich nicht auf die Folter!«
»Die gute Nachricht ist, dass Alban von Rittlage, der ja seine Herrschaft Elzsprung nicht aufgeben wollte, in einer offen angetragenen Fehde Leben und Besitz verlor.«
Lea atmete tief durch. »Rittlage ist tot. Damit sind mein Vater und mein Bruder nun endlich gerächt. Wie lautet nun die schlechte Nachricht?«
»Sie kommt aus Hartenburg. Ursula, die Ehefrau des Markgrafen, setzt Himmel und Hölle in Bewegung, um deine Schwester Rachel aus dem Bett ihres Gemahls zu vertreiben, und hat sogar an den Papst geschrieben, damit dieser dem Hartenburger wegen seiner jüdischen Kebse den Kirchbann androht. Damit aber nicht genug lässt sie Medardus Holzinger suchen, damit er - wie sie gesagt haben soll - mit dem Judengezücht, das sich in Hartenburg eingenistet hat, ein für alle Mal aufräumt.«
Lea erstarrte. Mehr als ein Jahr lang hatte sie nichts mehr von ihren Geschwistern gehört und war überzeugt gewesen, sie hätte mit jenem Teil ihres Lebens abgeschlossen. Jetzt aber überfiel sie die Erinnerung an ihre eigene Begegnung mit dem Judenschlächter, und sie spürte, wie sich jedes Härchen auf ihrer Haut aufstellte.
»Ich muss ihnen helfen, Orlando. Holzinger wird sie und all jene auf den Scheiterhaufen bringen, die Ruben ben Makkabi nach Hartenburg gelockt hat.«
Ohne eine Antwort abzuwarten, drehte Lea sich zu Alisio um.
»Sag Jochanan, er soll alles für die Reise vorbereiten. Wir werden Hamburg noch heute verlassen.«
Orlando zog sie tröstend an sich, streichelte ihren Bauch und schüttelte den Kopf. »Nein, das wirst du nicht tun. Du musst an unsere Tochter denken.«
»Es wird ein Sohn«, schnappte Lea.
Orlando küsste sie auf die Wange. »Du bist noch schöner, wenn deine Augen mich so anfunkeln. Aber ich wünsche mir dennoch, dass unser erstes Kind eine Tochter sein wird.«