Электронная книга - «Hauch der Verdammnis». Краткое содержание книги:
Nach fünfzig Metern erreichten sie eine weitere Lichtung. Sie war kleiner als die andere, doch um so sorgfältiger aus dem Regenwald geschlagen worden. Katharine erkannte mit einem Blick, dass die Crew darauf geachtet hatte, den Waldboden völlig intakt zu lassen. Dabei lag die Fundstelle nicht einmal in der Erde, sondern auf einem erhöhten Vorsprung in einer der unzähligen kleinen Felsspalten, die diese Seite des Berges zernarbten. Katharine hörte das Rauschen eines Wasserfalls, der sich in einen Teich ergoß - offenbar das verlockende Bild, das Robs Brief begleitet hatte. Der Bach, der aus dem Teich abfloß, schlängelte sich am Boden der Schlucht entlang.
»Hier verlief damals ein Eruptionskanal, als der Haleakala noch aktiv war«, erklärte Rob. »Die meisten Felsspalten in diesem Gebiet sind durch Erosion entstanden, aber bei dieser hier ist es anders. Sie scheint von dem Vulkan selbst gebildet worden zu sein.« Er deutete auf einige gelbliche Ablagerungen an einem überhängenden Felsen. »Du kannst dort den Schwefel sehen, und der wäre nicht vorhanden, wenn der Felsen durch Erosion entstanden wäre.«
Katharine trat ein paar Schritte vor. »Man kann es sogar noch riechen. Bist du sicher, dass der Kanal nicht mehr aktiv ist?«
»In diesem Jahr wird der Haleakala offiziell für erloschen erklärt werden«, entgegnete Rob. »Seit über zweihundert Jahren ist keinerlei Aktivität mehr verzeichnet worden.«
»Geologisch gesehen sind zweihundert Jahre gar nichts«, wandte Katharine ein.
»Eine Nanosekunde auf der Uhr des Archäologen, stimmt. Aber wenn die Vulkanexperten sagen, er sei erloschen, kann ich auch nichts machen.«
Kopfschüttelnd wandte Katharine ihre Aufmerksamkeit einem unebenen Steinkreis zu. Er war noch nicht ganz freigelegt, aber auch so erkannte sie, dass es sich um eine Feuerstelle handelte. »Du musst sehr vorsichtig zu Werke gehen, wenn ihr das ausgrabt«, sagte sie zu Rob. »Daraus lassen sich eine Menge wichtiger Daten gewinnen.«
»Was meinst du mit >du musst vorsichtig sein<?« erwiderte Rob. »Ich bin Experte für Architektur, weißt du das nicht mehr? Polynesische Architektur.« Er betrachtete die Steine. »Und das hier würde ich nicht als Architektur bezeichnen. Eher als Campingplatz.« Er zwinkerte ihr zu. »Und deshalb habe ich dich gerufen und bezahle dir diesen fürstlichen Lohn. Es wird Zeit, deine kleinen Spaten und Bürsten auszupacken, Kath.« Sein Lächeln wurde breiter. »Und sei vorsichtig, wenn du es ausgräbst«, fügte er hinzu. »Jemand hat mir verraten, dass sich hier eine Menge wichtiger Daten gewinnen lassen. Aber du bist noch aus einem wichtigeren Grund hier.« Plötzlich wurde er ernst. Er beugte sich herab und zog eine Plastikplane von einem Flecken, der nur ein paar Meter von der Feuerstelle entfernt war.
Katharine atmete heftig aus.
Knochen.
Auch sie waren erst zu einem kleinen Teil ausgegraben worden, so dass sie kaum aus der Oberfläche hervortraten. Trotzdem erkannte sie sofort den oberen Teil eines Schädels und Fragmente eines Kiefers. Sie ließ sich auf die Knie nieder und untersuchte die Knochen mit einem Zahnstocher, den sie aus ihrem Rucksack gefischt hatte. Rob kniete sich neben sie.
»Was meinst du?« fragte er.
Katharine konzentrierte sich bereits völlig auf die noch halb vergrabenen Knochen. Sie schien ihn kaum zu hören, und es dauerte einige Sekunden, bevor sie antwortete.
Sekunden, in denen sie von einem seltsamen Gefühl gepackt wurde.
Auch wenn sie nicht genau wusste, warum, und obwohl sie nur wenig von den Knochen sehen konnte, war sie sicher, dass mit ihnen etwas nicht stimmte.
Eine ganze Menge nicht.
KAPITEL 6
»Soll ich dich wirklich nicht fahren?« fragte Katharine. Beinahe hätte Michael laut aufgestöhnt. Schon am Freitag war es schlimm genug gewesen. Sie hatte darauf bestanden mitzukommen, als er sich an der neuen Schule einschrieb. Dabei war es keine große Sache gewesen - er musste lediglich ein paar Formulare ausfüllen, alle weiteren Unterlagen bekamen sie per Computer aus New York. Sie musste nur ein einziges Papier unterschreiben, und das hätte er ihr ohne Probleme mit nach Hause bringen können. Sie hätte es am Wochenende unterschrieben, und er hätte es am Montag wieder in die Schule gebracht. Aber nein, sie musste ja dabeisein und ihm über die Schulter sehen, als wäre er ein Viertkläßler oder so. Die Schüler, die ins Büro gekommen waren, hatten ihn schon angestarrt wie einen armen Jammerlappen, der sich nicht mal einschreiben konnte, ohne dass Mami ihm Händchen hielt.
Und jetzt wollte sie ihn am ersten Tag zur Schule bringen.
»Ich glaube, dass ich bis zur Bushaltestelle sehr gut zu Fuß gehen kann, Mom«, sagte er. »Sie liegt direkt am Ende der Straße, erinnerst du dich?«
»Ich biet's dir ja nur an.« Katharine sah auf die Uhr und nahm ihren Rucksack. »Wenn du fertig bist, kann ich dich an der Haltestelle absetzen.«
Michael schüttelte den Kopf. »Ich hab noch eine halbe Stunde Zeit.«
»Oh, dann räum doch noch die Küche auf, ja? Bis heute abend.« Sie küßte ihn auf die Wange und verschwand, ehe Michael etwas sagen konnte.
Kurz darauf hörte er, wie der fast schrottreife Wagen, den Rob Silver ihnen geliehen hatte, beleidigt aufstöhnte, als Katharine ihn zu starten versuchte. Eine Minute lang klang es, als würde die Batterie ihren Geist aufgeben, doch dann sprang der Motor an. Eine dichte Rauchwolke quoll aus dem Auspuffrohr, und der altersschwache Explorer kroch aus der Ausfahrt.
Immerhin blieb Michael die Peinlichkeit erspart, von seiner Mutter zur Schule gebracht zu werden. Dafür spülte er gern das Frühstücksgeschirr. Das Chaos in seinem Zimmer ignorierte er allerdings. Er stopfte seine Sportklamotten, Laufschuhe und ein Schreibheft in seine Schultasche. Dann verließ er das Haus und erreichte das Ende der Straße genau in dem Augenblick, als ein schlammbespritzter gelber Bus auf der Spitze des Hügels um die Ecke bog.
Er stieg ein. Am Ende des Fahrzeugs entdeckte er einen freien Platz und ging darauf zu.
Er spürte, wie sich alle Blicke auf ihn hefteten.
Sie starrten ihn an und beurteilten ihn.
Beinahe hörte er das Wort, das in ihren Köpfen kreiste:
Haole.
Weißer.
Josh Malani hatte ihn gewarnt, dass so etwas passieren würde. »Ein paar von den Jungs haben so eine Art Feiertag hier«, hatte er am Samstag zu Michael gesagt, als er ihm seine erste Surfstunde gegeben hatte. »Den Kill-einen-haole-Tag. Natürlich bringen sie an diesem Tag keine Typen mit deiner Hautfarbe um. Sie versuchen sie nur ein bißchen zu ändern, in Grün und Blau statt Weiß.«
»Du machst Witze«, hatte Michael entgegnet, obwohl er ziemlich sicher war, dass Josh durchaus keinen Witz gemacht hatte.
Josh hatte mit der Schulter gezuckt. »He, ihr seid hergekommen und habt alles gestohlen und zweihundert Jahre lang alles so gemacht, wie es euch in den Kram gepaßt hat. Die Zeiten haben sich geändert.«
Trotzdem hatte Michael noch immer gehofft, dass Josh Witze gemacht hatte.
Jetzt wusste er, dass dem nicht so war.
Als er durch den Mittelgang ging, kam er sich plötzlich wieder vor wie in New York, wo Slotzky nur auf eine Gelegenheit gewartet hatte, um einen Streit anzufangen. Nur, dass es hier ein halbes Dutzend Slotzkys gab, allein in diesem Bus. Wie viele mochten in der Schule auf ihn warten?
Sollte er ihnen direkt in die Augen sehen?
In New York war es das Schlimmste, was man machen konnte. Wenn einen jemand ansah, musste man den Blick abwenden und jeden direkten Augenkontakt vermeiden.
Jemandem ins Gesicht zu sehen, kam einer Herausforderung gleich.
Es schien sicherer, davon auszugehen, dass es hier genauso war. Er heftete seinen Blick auf den Boden und ging weiter, bis er den ersten unbesetzten Platz erreicht hatte. Dann schob er sich auf den Sitz und machte sich so klein wie möglich.