Ein Kampf um Rom
- Автор: Дан Феликс
- Язык: немецкий
- Жанр: Историческая проза
Электронная книга - «Ein Kampf um Rom». Краткое содержание книги:
«Meinst du, Aligern?» lachte der Alte grimmig, «laß sehen, ob er auch gegen Stein gefeit ist.»
Und er schleuderte seinen steinernen Wurfhammer - er war fast der einzige, der nicht von dieser heidnisch alten Waffe gelassen - sausend gegen den Byzantiner.
Die wuchtige Steinaxt schlug krachend grad auf den stolz geschweiften Helm, und wie blitzgetroffen fiel der Tapfere nieder. Zwei Männer sprangen rasch hinzu und lösten ihm den Helm.
«Meister Hildebrand», rief Aligern erstaunt, «das war kein Byzantiner.» - «Und kein Italier», sagte Gunthamund. «Sieh die Goldlocken - das war ein Gote!» meinte Hunibad. Hildebrand trat hinzu - - und schrak zusammen.
«Fackeln her», rief er - «Licht! - - Ja», sprach er finster, seinen Steinhammer wieder aufhebend, «das war ein Gote. Und ich - ich hab' ihn erschlagen», fügte er mit eisiger Ruhe hinzu. Aber seine Faust zitterte am Hammerschaft.
«Nein, Herr», rief Aligern, «er lebt. Er war nur betäubt! Er schlägt die Augen auf.»
«Er lebt?» fragte der Alte mit Grauen, «das woll'n die Götter nicht!» - «Ja, er lebt!» wiederholten die Goten, ihren Gefangenen aufrichtend. «Dann weh über ihn und mich! Aber nein! Ihn senden die Götter der Goten in meine Gewalt! Bind ihn auf dein Roß, Gunthamund, aber fest! Und wenn er entwischt, gilt es deinen Kopf statt des seinen. Auf, zu Pferd und nach Hause!»
Im Lager angelangt, fragte die Bedeckung den Waffenmeister, was sie für diesen Gefangenen rüsten sollten.
«Einen Bund Stroh für heute nacht», sagte der, «und für morgen früh - einen Galgen.» Mit diesen Worten ging er in das Zelt des Königs und berichtete den Erfolg seines Zuges.
«Wir haben unter den Gefangenen», schloß er finster, «einen gotischen Überläufer. Er muß hängen, ehe die Sonne morgen niedergeht.» - «Das ist sehr traurig», sagte Witichis seufzend. -«Ja, aber notwendig. Ich berufe das Kriegsgericht der Heerführer auf morgen. Willst du den Vorsitz führen?» -«Nein», sagte Witichis, «erlaß mir's: ich bestelle Hildebad an meiner Statt.» - «Nein», sagte der Alte, «das geht nicht an. Ich bin Oberfeldherr, solang du im Zelte liegst: ich fordere den Vorsitz als mein Recht.» Witichis sah ihn an: «Du siehst grimmig und so kalt! Ist's ein alter Feind deiner Sippe?» -«Nein», sprach Hildebrand. - «Wie heißt der Gefangene?» -«Wie ich, Hildebrand.» - «Höre, du scheinst ihn zu hassen, diesen Hildebrand! Du magst ihn richten, aber hüte dich vor übertriebener Strenge. Vergiß nicht, daß ich gern begnadige.»
«Das Wohl der Goten fordert seinen Tod», sagte Hildebrand ruhig, «und er wird sterben.»
Siebzehntes Kapitel
Früh am andern Morgen wurde der Gefangene verhüllten Hauptes hinausgeführt auf eine Wiese, im Norden, «an der kalten Ecke» des Lagers, wo sich die Heerführer und ein großer Teil der Heermänner versammelt hatten.
«Höre», sagte der Gefangene zu einem seiner Begleiter, «ist der alte Hildebrand auf dem Dingplatz?»
«Er ist das Haupt des Dings.»
«Barbaren sind und bleiben sie! Tu mir den Gefallen, Freund -ich schenke dir dafür diese purpurne Binde - und geh zu dem Alten. Sag' ihm: ich wisse, daß ich sterben muß. Aber er möge doch mir - und mehr noch meinem Geschlecht - hörst du? -meinem Geschlecht - die Schande des Galgens ersparen. Er möge mir heimlich eine Waffe senden.» Der Gote, Gunthamund, ging, Hildebrand zu suchen, der das Gericht bereits eröffnet hatte. Das Verfahren war sehr einfach. Der Alte ließ zuerst das Gesetz von Regeta vorlesen, dann von Zeugen feststellen, wie man sich des Gefangenen bemächtigt, darauf diesen selbst vorführen. Noch immer bedeckte ein Wollsack sein Haupt und seine Schultern. Eben sollte dieser abgenommen werden, als Gunthamund sich zu Hildebrand drängte und in sein Ohr flüsterte.
«Nein», sagte dieser, die Stirn runzelnd. «Ich laß ihm sagen: die Schmach für sein Geschlecht sei seine Tat, nicht seine Strafe.» Und laut fuhr er fort: «Zeigt das Antlitz des Verräters! Er ist Hildebrand, der Sohn des Hildegis!»
Ein Ruf des Staunens und Schreckens lief durch die Menge.
«Sein eigner Enkel!» - «Alter, du sollst nicht weiter richten! Du bist grausam gegen dein Fleisch und Blut!» rief Hildebad aufspringend. «Nur gerecht, aber gegen alle», sagte Hildebrand, den Stab auf die Erde stoßend. «Armer Witichis!» flüsterte Graf Teja.
Aber Hildebad sprang auf und eilte hinweg nach dem Lager.
«Was kannst du für dich vorbringen, Sohn des Hildegis?» fragte Hildebrand.
Der junge Mann trat hastig vor: sein Antlitz war von Zorn gerötet, nicht von Scham, keine Spur von Furcht lag auf seinen Zügen. Sein langes, gelbes Haar flog im Wind. Die Menge war von Mitgefühl ergriffen. Schon der Bericht seines todesmutigen Widerstandes, dann die Entdeckung seines Namens, endlich jetzt seine Jugend und Schönheit sprachen mächtig für ihn. Er ließ sein Auge flammend die Reihen durchfliegen und mit Stolz auf dem Alten haften.
«Ich verwerfe dies Gericht! Euer Gesetz trifft mich nicht! Ich bin Römer, kein Gote! Mein Vater starb vor meiner Geburt, meine Mutter war eine Römerin, die edle Cloelia. Diesen barbarischen Alten hab' ich nie als mir verwandt empfunden. Seine Strenge hab' ich verachtet, wie seine Liebe. Seinen Namen hat er mir, dem Kinde, aufgezwungen, mich meiner Mutter entrissen. Ich aber entlief ihm, sobald ich konnte: nicht Hildebrand, Flavus Cloelius habe ich mich von je genannt. Römisch waren meine Freunde, römisch von jeher meine Gedanken, römisch mein Leben. All meine Freunde gingen zu Belisar und Cethegus: sollt' ich zurückbleiben? Tötet mich, ihr könnt es und ihr werdet's. Aber gesteht, daß es Mord ist, nicht
Rechtsvollzug. Ihr richtet keinen Goten, ihr ermordet einen gefangenen Römer. Denn römisch ist meine Seele.»
Schweigend, mit gemischten Empfindungen, hörte die Menge diese Verteidigung.
Da erhob sich ingrimmig der Alte, sein Auge sprühte Blitze, seine Hand zitterte vor Zorn an dem Stabe. «Elender!» schrie er, «du bist eines gotischen Mannes Sohn, das räumst du ein. So bist du denn ein Gote, und wenn du dich als Römer fühlst, verdienst du, schon dafür zu sterben. Sajonen, fort mit ihm, an den Galgen.»
Da trat der Gefangene nochmals an die Schranken der Stufe. «So sei verflucht», schrie er, «du tierisch rohes Volk! Verflucht, ihr Barbaren allesamt, und zumeist du, Greis, mit dem Wolfsherzen! Glaubt nicht, daß all eure Wildheit euch frommt und eure Grausamkeit! Hinweggetilgt sollt ihr werden aus diesem schönen Land, und keine Spur soll von euch künden.»
Auf einen Wink des Alten warfen ihm die Bannboten wieder die Hülle ums Haupt und führten ihn ab nach einem Hügel, wo ein starker Eibenbaum aller seiner Zweige und Blätter beraubt war. Da wurden die Augen der Menge von ihm nach dem Lager abgelenkt, aus dem Lärm und Hufschlag eilender Rosse nahte.