Die Elfensteine von Shannara
- Автор: Брукс Терри
- Серия: Schwert von Shannara #2
- Год: 1986
- Язык: немецкий
- Переводчик: Mechtild Sandberg
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Elfensteine von Shannara». Краткое содержание книги:
Das Prasseln des Feuers folgte ihm und übertönte Wisps Geschrei und Gezeter. Das ganze Zimmer war mit schwerer dunkler Seide ausgeschlagen, und Nachtschatten rankten an Wänden und schmiedeeisernen Spalieren. Angespannt spähte Wil durch die Dunkelheit und fand endlich, was er suchte. Auf einem Tisch auf der gegenüberliegenden Seite des Raumes, zwischen allen möglichen Ziergegenständen und Döschen mit Räucherwerk und Parfüm, stand ein großer, kunstvoll geschnitzter Holzkasten, dessen Deckel mit Blumen in Rot und Gold geschmückt war. Die Elfensteine! Wilde Freude durchfuhr ihn. Wisp schrie und zeterte wie ein Wahnsinniger, doch Wil, von der Hitze und vom Rauch halb betäubt, hörte ihn nicht. Sein ganzes Trachten war darauf gerichtet, die Steine zurückzuholen. Vage nahm er wahr, daß Eretria und Amberle ins Zimmer kamen, während er schon zu dem Tisch mit dem Holzkasten rannte. Gerade wollte er zugreifen, als Eretria in lauter Warnung aufschrie und ihn mit einem kräftigen Puff zur Seite stieß.
»Wie oft muß ich dich eigentlich noch retten, Heiler?« schrie sie, um sich im lauten Prasseln des Feuers verständlich zu machen. Sie riß einen eisernen Schlüssel von einem Haken an der Wand, näherte sich dem Kasten von der Seite und klappte mit Hilfe des langen Schlüssels vorsichtig den Deckel hoch. Ein blitzschnelles grünes Ding schoß aus dem Kasten und wickelte sich fest um den Schaft des Schlüssels. Hastig schlug Eretria den Schaft auf den Steinfußboden, bis das Ding, das sich darumgeschlungen hatte, nur noch eine leblose Hülle war.
Wil starrte voller Entsetzen hinunter. Es war eine Viper.
»Er wollte dich warnen!«
Eretria deutete auf Wisp. Der kleine Bursche schluchzte besinnungslos.
Wil war einen Moment lang so voller Entsetzen, daß er sich weder rühren noch sprechen konnte. Ein Biß von dieser Viper… Eretria stieß den Holzkasten mit ihrem Dolch an und schob ihn vom Tisch herunter. Edelsteine und Geschmeide ergossen sich auf den Fußboden. Mitten unter ihnen lag der lederne Beutel. Eretria hob ihn auf, behielt ihn einen Moment lang in der Hand, als überlege sie, was sie damit anfangen sollte, dann reichte sie ihn Wil. Er nahm ihn wortlos, öffnete die Zugschnur, blickte hinein.
Ein schwaches Lächeln huschte über sein Gesicht. Die Elfensteine gehörten wieder ihm.
Ein neues Beben erschütterte den Turm; im großen Saal brach einer der massigen Stützbalken aus Holz in einem Funkenregen zusammen. Wil stopfte den Beutel mit den Elfensteinen unter seinen Kittel und rannte zur Tür, Wisp und Eretria mit sich ziehend. Sie mußten sofort weg von hier.
Doch lautes Hämmern, das plötzlich aus dem Inneren eines großen hölzernen Schrankes herausdrang, ließ ihn innehalten. In die trommelnden Schläge mischten sich gedämpfte Rufe und Schreie und das Knurren irgendeines Tieres. Wil warf Eretria einen raschen Blick zu. Jemand war in diesem Schrank gefangen. Wil zögerte nur einen Augenblick. Ganz gleich, was oder wer es war, man mußte ihm die Chance geben, dem brennenden Turm zu entkommen. Er stürzte zu dem Schrank und öffnete den Riegel. Die Türen flogen auf, und ein massiger dunkler Leib stürzte sich auf Wil, so daß dieser nach rückwärts torkelte. Laute Rufe drangen durch das von Rauch erfüllte Gemach, während Wil sich bemühte, seinen Angreifer abzuwehren. Dann wurde das Tier mit einem Ruck von ihm weggezogen, und ein vertrautes Gesicht zeigte sich.
»Hebel!« rief Wil erstaunt.
»Zurück, Drifter!« Der alte Mann gab dem Hund einen scharfen Klaps. »Was ist hier eigentlich los? Was hab’ ich denn da in dem Schrank gemacht?«
Unsicher stand Wil auf.
»Hebel! Die Hexe, Mallenroh — sie hat Euch in eine Holzskulptur verwandelt! Erinnert lhr Euch nicht?« Er lachte vor Erleichterung. »Wir dachten schon, Ihr wärt auf immer verloren! Ich versteh gar nicht, wie — «
Amberle nahm ihn beim Arm.
»Die Zauberkraft wirkt nicht mehr, Wil. Als Mallenroh starb, verlor der Zauber seine Kraft. Deshalb sind ja auch die Holzmännchen einfach so zusammengefallen — weil der Zauber nicht mehr wirkte. Und sicher war es so auch mit Hebel und dem Hund.«
Eine neue Rauchwolke wälzte sich durch die offene Tür, und Eretria rief ängstlich nach den anderen.
»Wir müssen hier raus.«
Wil machte sich sogleich auf den Weg zur Tür, den vor Angst wie versteinerten Wisp noch immer unter dem Arm.
»Nehmt Amberle mit«, rief er Hebel zu.
Draußen, auf dem Treppenabsatz, machten sie erschrocken halt. Der ganze große Saal stand in Flammen. Brennende Holzmännchen waren überall auf dem Boden verstreut. Die Holzbalken, die die gewölbte Decke trugen, krachten und bogen sich unter den züngelnden Flammen. Selbst die steinernen Mauern schimmerten in roter Glut von der Hitze. Das große Portal, das aus dem Saal zum Turm hinausführte, war verschlossen und verriegelt. Zögernden Schrittes stieg Wil die Treppe hinunter, während er in Flammen und Rauch nach einem Weg suchte, der sie zu dem Portal führen würde.
Da flog dieses plötzlich krachend auf, und die beiden Flügel schlugen donnernd gegen die Steinmauern. Wil Ohmsford und die anderen, die inzwischen den Fuß der schmalen Wendeltreppe erreicht hatten, blieben verblüfft stehen und spähten durch die Feuerswand. Tageslicht strömte durch das offenstehende Tor, und Wil hatte einen Moment lang den Eindruck, daß sich im Saal etwas Schattenhaftes bewegte. Angestrengt starrte er in die Flammen und versuchte festzustellen, was er da gesehen hatte. Oder hatte er sich vielleicht nur eingebildet, daß da ein Schatten…
Drifter, der ein paar Schritte zurück war, kauerte sich plötzlich knurrend und winselnd zusammen.
Da wußte er es. Der Raffer! Er hatte den Raffer vergessen.
»Wisp!« schrie er in wilder Verzweiflung und schüttelte den kleinen Elf so fest, daß das alte Gesicht vor ihm wie rasend hin und her wackelte. »Wie kommen wir hier raus? Jetzt hör mir zu! Du mußt mir einen anderen Weg nach draußen zeigen!«
»Wisp — raus — da drüben.«
Ein Arm wies schwach die Richtung.
Wil sah die Tür zu ihrer Linken, vielleicht vierzig Schritte durch das Feuer. Er zögerte keinen Augenblick. Nachdem er seinen Gefährten zugerufen hatte, ihm zu folgen, stürzte er durch die Flammen und die Rauchschwaden zur Tür. Er meinte beinahe, den eisigen Atem des Raffers in seinem Nacken zu spüren. Irgendwo draußen im großen Saal pirschte sich das Ungeheuer lauernd an sie heran.
Sie erreichten die Tür. Hustend und würgend fand Wil die Klinke und drückte sie herunter. Auch diese Tür war nicht verschlossen. Die anderen vor sich herschiebend, hastete er hindurch, schlug die Tür hinter sich zu und schob den Riegel vor.
Dann rannten sie — eine Wendeltreppe hinunter, die sich tief unter den Grund des Turmes schraubte, durch schwarze Finsternis, die von rauchlosen Lichtern nur spärlich erleuchtet war, durch muffig riechende Feuchtigkeit, die ihre erhitzten Körper abkühlte. Stolpernd und taumelnd rannten sie abwärts, und ihre Schritte widerhallten dumpf in der Stille.
Am Fuß der Treppe öffnete sich ein Gang, der sich im trüben Licht einiger Lampen durch die Tiefen der Erde schlängelte. Diesen Korridor liefen sie hinunter. Wil voraus, noch immer den wimmernden Wisp tragend; dann Hebel — Drifter an seiner Seite — und Eretria, die Amberle stützten. Endlos wand sich der Tunnel durch die Dunkelheit, bald in der einen, bald in der anderen Richtung; weiß schimmernde Insekten krochen hastig davon, als sie nahten, Staub wirbelte auf unter ihren eilenden Füßen.
Immer wieder blickte Wil durch die Schatten zurück. Hatte sich dort etwas gerührt? Hatte er dort etwas gehört? Tränen verschleierten seinen Blick, und er wischte sie sich zornig aus den Augen. Wo war der Raffer? Den ganzen Weg von Arborlon bis zu diesem Tunnel war er ihnen gefolgt. Er war hier, ganz nahe; er konnte es spüren. Der Raffer war hier.