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Ein Kampf um Rom

Электронная книга - «Ein Kampf um Rom». Краткое содержание книги:

Dahn erzählt vom Kampf und vom Untergang der Ostgoten in Italien nach dem Tode des großen Theoderich von Ravenna. Wir erleben das Ringen um die Macht, hören von den Ostgotenkönigen Witiches und Totila bis zu dem denkwürdigen letzten Kampf der Goten unter Teja am Vesuv.
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"Mein großer König!» - «Aber, Hildebrand, in einer Nacht, da ich so wachte, sorgte und seufzte über den Gefahren meines Reiches, da stieg mir vor der Seele auf das Bild einer andern Schuld! Nicht der Güte, nein, der Ruhmsucht, der blutigen Gewalt. Und wehe, wehe mir, wenn das Volk der Goten sollte untergehn zur Strafe für Theoderichs Frevel! Sein, sein Bild tauchte mir empor!»

Der Kranke sprach nun mit Anstrengung und zuckte einen Augenblick. «Wessen Bild? Wen meinst du?» fragte der Alte leise, sich vorbeugend. «Odoaker!» flüsterte der König. Hildebrand senkte das Haupt. Ein banges Schweigen unterbrach endlich Theoderich: «Ja, Alter, diese Rechte - du weißt es - hat den gewaltigen Helden durchstoßen, beim Mahl, meinen Gast. Heiß spritzte sein Blut mir ins Gesicht, und ein Haß ohne Ende sprühte auf mich aus seinem brechenden Auge. Vor wenigen Monden, in jener Nacht, stieg sein blutiges, bleiches, zürnendes Bild wie ein Rachegott vor mir auf. Fiebernd zuckte mein Herz zusammen. Und furchtbar sprach's in mir: um dieser Bluttat willen wird dein Reich zerfallen und dein Volk vergehn.»

Nach einer neuen Pause begann diesmal Hildebrand, trotzig aufblickend: «König, was quälst du dich wie ein Weib? Hast du nicht Hunderte erschlagen mit eigner Hand und dein Volk Tausende auf dein Gebot? Sind wir nicht von den Bergen in dies Land herabgestiegen in mehr als dreißig Schlachten, im Blute watend knöcheltief? Was ist dagegen das Blut des einen Mannes! Und denk': wie es stand. Vier Jahre hatte er dir widerstanden wie der Auerstier dem Bären. Zweimal hatte er dich und dein Volk hart an den Rand des Verderbens gedrängt. Hunger, Schwert und Seuche rafften deine Goten dahin. Endlich, endlich fiel das trotzige Ravenna; ausgehungert, durch Vertrag. Bezwungen lag der Todfeind dir zu Füßen. Da kommt die Warnung, er sinnt Verrat, er will noch einmal den gräßlichen Kampf aufnehmen, er will zur Nacht desselben Tages dich und die Deinen überfallen. Was solltest du tun? Ihn offen zur Rede stellen? War er schuldig, so konnte das nicht retten. Kühn kamst du ihm zuvor und tatest ihm abends, was er dir nachts getan hätte. Und wie hast du deinen Sieg benützt! Die eine Tat hat all dein Volk gerettet, hat einen neuen Kampf der Verzweiflung erspart. Du hast all die Seinen begnadigt, hast Goten und Welsche dreißig Jahre leben lassen wie im Himmelreich. Und nun willst du um jene Tat dich quälen? Zwei Völker danken sie dir in Ewigkeit. Ich - ich hätt' ihn siebenmal erschlagen.»

Der Alte hielt inne, sein Auge blitzte, er sah wie ein zorniger Riese aus. Aber der König schüttelte das Haupt.

«Das ist nichts, alter Recke, alles nichts! Hundertmal hab' ich mir dasselbe gesagt, und verlockender, feiner, als deine Wildheit es vermag. Das hilft alles nichts. Er war ein Held, der einzige meinesgleichen! - Aus Argwohn, aus Eifersucht, ja - es muß gesagt sein, aus Furcht - aus Furcht, noch einmal mit ihm ringen zu sollen. Das war und ist und bleibt ein Frevel. Und ich fand keine Ruhe hinter Ausreden. Düstre Schwermut fiel auf mich. Seine Gestalt verfolgte mich seit jener Nacht unaufhörlich. Beim Schmaus und im Rat, auf der Jagd, in der Kirche, im Wachen und im Schlafen. Da schickte mir Cassiodor die Bischöfe, die Priester. Sie konnten mir nicht helfen. Sie hörten meine Beichte, sahen meine Reue, meinen Glauben, und vergaben mir alle Sünden. Aber Friede kam nicht über mich, und ob sie mir verziehen, ich konnte mir nicht verzeihen. Ich weiß nicht, ist es der alte Sinn meiner heidnischen Ahnen: aber ich kann mich nicht hinter dem Kreuz verstecken vor dem Schatten des Ermordeten. Ich kann mich nicht gelöst glauben von meiner blutigen Tat durch das Blut eines unschuldigen Gottes, der am Kreuz gestorben.»

Freude leuchtete über das Antlitz Hildebrands: «Du weißt», raunte er ihm zu, «ich habe niemals diesen Kreuzpriestern glauben können. Sprich, o sprich, glaubst auch du noch an Thor und Odin? Haben sie dir geholfen?»

Der König schüttelte lächelnd das Haupt: «Nein, du alter, unverbesserlicher Heide. Dein Walhall ist nichts für mich. Höre, wie mir geholfen ward. Ich schickte gestern die Bischöfe fort und kehrte tief in mich selber ein. Und dachte und flehte und rang zu Gott. Und ich ward ruhiger. Und sieh', in der Nacht kam über mich tiefer Schlummer, wie ich ihn seit langen Monden nicht mehr gekannt. Und als ich erwachte, da schauerte kein Fieber der Qual mehr in meinen Gliedern. Ruhig war ich und klar. Und dachte dieses: <Ich habe es getan, und keine Gnade, kein Wunder Gottes macht es ungeschehen. Wohlan, er strafe mich. Und wenn er der zornige Gott des Moses, so räche er sich und strafe mit mir mein ganzes Haus bis ins siebente Glied. Ich weihe mich und mein Geschlecht der Rache des Herrn. Er mag uns verderben: er ist gerecht. Aber weil er gerecht ist, kann er nicht strafen dieses edle Volk der Goten um fremde Schuld. Er kann es nicht verderben um des Frevels seines Königs willen. Nein, das wird er nicht. Und muß dies Volk einst untergehen, ich fühl' es klar, dann ist es nicht um meine Tat. Für diese weih' ich mich und mein Haus der Rache des Herrn.) Und so kam Friede über mich, und mutig mag ich sterben.»

Er schwieg. Hildebrand aber neigte das Haupt und küßte die Rechte, welche Odoaker erschlagen hatte. -

«Das war mein Abschied an dich. Und mein Vermächtnis, mein Dank für ein ganzes Leben der Treue. Jetzt laß uns den Rest der Zeit noch diesem Volk der Goten zuwenden. Komm, hilf mir aufstehen, ich kann nicht in den Kissen sterben. Dort hängen meine Waffen. Gib sie mir! - Keine Widerrede! Ich will. Und ich kann.»

Hildebrand mußte gehorchen. Rüstig erhob sich mit seiner Hilfe der Kranke von dem Lager, schlug einen weiten Purpurmantel um die Schultern, gürtete sich mit dem Schwert, setzte den niedern Helm mit der Zackenkrone auf das Haupt und stützte sich auf den Schaft der schweren Lanze, den Rücken gegen die breite dorische Mittelsäule des Gemaches gelehnt.

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