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Der Tempelmord. Ein Kriminalroman aus der Zeit Kleopatras

Электронная книга - «Der Tempelmord. Ein Kriminalroman aus der Zeit Kleopatras». Краткое содержание книги:

Zwei mysteriöse Todesfälle erschüttern den Hof von Ptolemaios XII., der in Griechenland im Exil lebt, seit seine Tochter Berenike ihn vertrieben hat. Sein Leibdiener und eine seiner Geliebten werden grausam ermordet. Der Pharao fürchtet um sein Leben, und er beauftragt ausgerechnet die Priesterin Samu und den griechischen Arzt Philippos, die Morde aufzuklären. Beide sind sich im Grunde spinnefeind, aber sie haben nur zusammen eine Chance, den geheimnisvollen Giftmischer zu finden.
Die eigene Tochter Berenike hat den Pharao Ptolemaios XII. vom Thron vertrieben. Doch auch im fernen Ionien ist der Herrscher seines Lebens nicht sicher. Einer seiner Diener und seine Geliebte fallen einem Giftanschlag zum Opfer. Ptolemaios beauftragt die Isispriesterin Samu und den Arzt Philippos, die Morde aufzuklären. Beide geraten an Verschwörer, die nichts Geringeres vorhaben, als das ganze römische Imperium zu stürzen.
Bernhard Hennen, Jahrgang 1966, studierte Germanistik, Geschichte und Altertumskunde. Er lebt in Köln und arbeitet als freier Autor und Journalist, u.a. für Radiostationen.
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Das Amulett würde den Segen der Aphrodite beschwören, wenn sie beieinanderlagen, und verhindern, daß seine Kraft vor der Zeit erlahmte.

Er schloß sie in seine Arme und zog Neaira zu sich auf das Lager herab. In ihren Armen konnte er die Welt vergessen. Es war, als hätte es die zwanzig Jahre bei der Legion nicht gegeben. Noch einmal war er der verliebte Jüngling, der die unerreichbare Tochter des Amphorenhändlers anbetete.

Neairas hochgesteckte Haare hatten sich gelöst und strichen ihm durchs Gesicht. Sie dufteten nach Myrte, dem Kräuteröl, das auch die Göttin Aphrodite bevorzugte. Philippos’ Finger gruben sich in das lange Haar der Hetaire, streichelten ihre blassen Wangen und glitten dann tiefer zu ihren straffen Brüsten. Seine Lippen suchten die ihren. Sie waren rot wie frisch vergossenes Blut. Gierig tastete seine Zunge nach ihren Lippen. Sie schmeckten noch nach dem Maulbeersaft, den sie zum Färben benutzt hatte.

Ihre schlanken Finger fanden ihren Weg unter den Saum seiner Tunica und glitten über seine Schenkel langsam höher.

Philippos stöhnte vor Lust. Ungeschickt mühte er sich, das lästige Kleidungsstück loszuwerden, bis Neaira ihm schließlich half, die Tunica über seinen Kopf zu streifen.

Sie ließ sich auf seinem Schoß nieder. Ihre Finger strichen ihm zärtlich durch den Bart, doch ihr Blick wirkte plötzlich traurig.

Philippos hielt inne. »Was ist mit dir, meine zarte Nymphe?«

Sie lächelte verlegen. »Nichts. Ich dachte nur ...« Sie schüttelte den Kopf. »Wirst du mir einen Wunsch erfüllen?«

»Was immer du willst! Du bist mein schönster Traum, das Licht meines Lebens . Was immer du wünschst, ich werde es dir erfüllen.«

»Dann nenne mich Daphne, solange ich in deinen Armen liege.«

»Aber, was soll .«

Neaira strich ihm über die Lippen. »Wirst du mir meinen Wunsch erfüllen?«

Philippos fing ihre Fingerspitzen mit den Lippen ein und hauchte leise: »Ja, meine Liebste ... Daphne.«

Samu war schon fast eingeschlafen, als ein scharrendes Geräusch sie aufhorchen ließ. Draußen tobte der Sturm mit unverminderter Wut. Pfeifend strich der Wind um die prächtige Villa, und irgendwo in der Finsternis erklang das Schaben von dürren Ästen, die über einen der hölzernen Fensterläden schrammten. Hatte sie sich getäuscht? War es nur der Sturmwind gewesen, den sie gehört hatte?

Angestrengt versuchte sie, in der Dunkelheit etwas zu erkennen. Sie hätte das Öllämpchen neben ihrer Kline nicht löschen dürfen! Da war das Geräusch wieder, und jetzt wußte sie auch, was es war! Jemand hatte die Tür zu ihrem Zimmer geöffnet und nach einem Moment des Verharrens leise wieder geschlossen.

»Wer ist dort?« Samu versuchte, ihrer Stimme einen unerschrockenen, fordernden Klang zu geben, was kläglich mißlang. Es hörte sich mehr wie das heisere Krächzen eines Geiers an. Ihr Mund war staubtrocken.

»Ich, Batis«, ertönte es aus der Finsternis.

Der Priesterin schlug das Herz bis zum Hals. Der Leibwächter des Pharaos! Sollte Philippos mit seinen düsteren Prophezeiungen etwa recht behalten? War der Nubier gekommen, um sie auf Befehl des Neuen Osiris zu ermorden, weil ihre aufrührerischen Reden dem Pharao lästig geworden waren?

»Du mußt mir helfen, Priesterin.«

»Helfen?« Samu hatte sich halb auf ihrem Lager aufgerichtet und drückte sich ängstlich gegen die Wand. Sie traute dem Krieger nicht und überlegte fieberhaft, wie sie aus dem Zimmer entkommen könnte.

»Du bist die einzige . « Die Läden am Fenster des Zimmers klapperten leise. Von draußen kratzten Äste über das Holz.

»Er ist hier!« Batis’ Stimme verstieg sich in schrille Höhen, so daß er jetzt fast wie ein aufgeregter Eunuch klang. »Hörst du es auch?«

»Wer ist hier?« Die Priesterin versuchte vergeblich, den Nubier in der Finsternis auszumachen, bis sich plötzlich etwas Schweres auf ihre Kline niederließ. Ein unangenehmer, süßlicher Geruch lag jetzt in der Luft. Leichengeruch! Eisige Schauer jagten Samu den Rücken hinunter. Was geschah hier?

»Nur du kannst mir noch helfen, Priesterin«, wimmerte der Krieger leise. »Ich weiß nicht, wie ich ihm entkommen soll!«

»Wem, verdammt nochmal! Von wem sprichst du?« Langsam hatten sich ihre Augen an die Dunkelheit gewöhnt, und sie erkannte die massige Gestalt des Nubiers. Batis beugte sich jetzt weiter zu ihr vor. Gleichzeitig wurde der Leichengeruch noch intensiver.

»Er«, flüsterte der Nubier leise, und die Priesterin spürte seinen warmen Atem auf ihrer Wange. »Der geflügelte Gott. Thanatos!«

Unter anderen Umständen hätte Samu die Furcht des Nubiers mit einer spöttischen Bemerkung abgetan. Warum hätten sich die Götter ausgerechnet für ihn interessieren sollen? Doch der süßliche Verwesungsgeruch, der schreckliche, nicht enden wollende Sturm ... Waren all das nicht deutliche Zeichen dafür, daß etwas Unfaßbares geschah? Vielleicht stand der Todesgott schon unmittelbar hinter dem Leibwächter des Pharaos? Kalter Schweiß perlte von ihrer Stirn. »Hast du den Gott gesehen?«

»Ich kann ihn hören. Sein Flügelschlagen. Es kommt immer näher. Lausch nur!«

Samu hielt den Atem an und öffnete sich ganz den tausend Geräuschen der Nacht. Dem schrillen Pfeifen des Windes, der durch den Säulengang vor ihrem Zimmer toste. Dem Klappern der Fensterläden. Dem Rauschen der Bäume. Ganz schwach war sogar die Meeresbrandung zu hören. Das Geräusch der Wellen, die sich in weißen Gischtwolken donnernd an den Klippen brachen. Flügelschlagen jedoch konnte sie nicht vernehmen. Doch was hieß das schon? Wenn Thanatos wirklich Batis verfolgte, warum sollte er sich dann gleichzeitig auch ihr offenbaren? »Was hast du getan?«

»Ich habe den Befehl des Gottes befolgt. Ich . ich konnte nicht anders«, stammelte der Nubier heiser. »Ich hatte Angst, ... doch ich mußte es tun. Er ist doch ein Gott.«

»Und dafür verfolgt dich Thanatos nun?« Samu begriff nicht, was der Krieger ihr sagen wollte. Hatte die Angst seinen Verstand verwirrt?

»Nicht Thanatos! Der Neue Osiris hat mir den Befehl gegeben, den Kopf des Mundschenks abzuschlagen. Ich sollte ihn wegschaffen und das Ganze so aussehen lassen, als habe es der Totengott mit dem Schwert getan. Begreifst du? Sie wollten, daß ich den Kopf verschwinden lasse, damit die Priesterinnen sich nicht davon überzeugen konnten, daß Artemis Buphagos getötet hat . , daß ihre Pfeile ihn durchbohrten, ohne auch nur eine Wunde zu hinterlassen. Aber ich konnte den Befehl des Gottes nicht zu Ende führen. Ich konnte den Kopf nicht ins Meer werfen. Ich habe im Mondlicht gesehen, wie mich die Augen des Toten vorwurfsvoll anstarrten. Buphagos hat mich verflucht, und jetzt verfolgt mich dieser geflügelte Gott.«

»Und was hast du mit dem Kopf getan? Wo ist er jetzt?«

»Hier.« Der Nubier drückte ihr etwas in die Hände. Klebriger Leinenstoff streifte ihre Finger. Eine neue Welle von Verwesungsgeruch schlug Samu entgegen. Mit einem spitzen Schrei schob sie das unaussprechliche Bündel zu Batis zurück. Fassungslos rang die Priesterin nach Worten.

»Du . du hast es die ganze Zeit aufgehoben?«

»Ich habe den Kopf in meinem Zimmer versteckt. Ich habe einen Sack darüber gestülpt, aber es nutzt nichts. Er verfolgt mich, und seine Augen sehen mich durch das Leinen hindurch an. Ich ... er will meinen Tod. Er hat den geflügelten Gott gerufen. Er ist immer in meiner Nähe.

Aber ich habe doch nicht anders gekonnt . Verstehst du? Mir hat ein Gott befohlen, mich an einem Gott zu vergehen! Was sollte ich tun? Ich habe das Bildnis des Flügelmannes mit Hundeblut beschmiert, damit es so aussah, als habe er Buphagos enthauptet und den Kopf des Mundschenks mit sich in sein Götterreich genommen. Ich hatte keine Wahl . Wie auch immer ich mich entschieden hätte, ich hätte auf jeden Fall einen der Götter beleidigt, und ich habe mein Leben dem Neuen Osiris geweiht. Ich mußte es tun ... Bitte, Samu, du mußt mich beschützen! Wenn ich mit meinem Leben für meine Taten bezahlen muß, so sei es. Es ist nicht der Tod, den ich fürchte. Es ist die ewige Finsternis. Der Flügelmann wird kommen und mich hinwegzerren in seine dunkle Geisterwelt. Ich . Du bist Priesterin. Hilf mir, dem zu entgehen. Du bist der einzige Mensch, der mich noch retten kann.«

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