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Neues vom Hexer von Salem

Электронная книга - «Neues vom Hexer von Salem». Краткое содержание книги:

Er ist der Sohn eines mächtigen Magiers. Doch nicht nur die Hexerkräfte seines Vaters sind auf Robert Craven übergegangen. Auch der furchtbare Fluch der Großen Alten. Craven ist dem Tode geweiht. Es gibt nur einen Weg, den finsteren Göttern zu entkommen - die Magie eines uralten, sagenumwobenen Buches, in dem der Wahnsinn haust. Zusammen mit seinem Freund H. P. Lovecaft macht er sich auf die Suche nach dem Necronomicon. Doch alles scheint verloren, als die Großen Alten Macht über den Geist seines Vaters erlangen.
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»Hier?« entfuhr es mir.

»Natürlich hier«, antwortete sie, griff zielsicher hinter sich und hielt mir einen handlangen Schlüssel vor das Gesicht. »Zimmer einundzwanzig. Im zweiten Stock.«

Automatisch griff ich nach dem Schlüssel, rührte mich aber nicht von der Stelle, sondern sah unsicher zwischen ihr und der ausgetretenen Treppe hin und her.

»Sie sind sicher, daß er möchte, daß ich -«

»Ganz sicher, junger Mann«, unterbrach mich Madame Dupre. »Um die Miete brauchen Sie sich nicht zu sorgen - Monsieur Lovecraft hat alles im voraus bezahlt. Für zwei Wochen.«

»Aha«, machte ich.

»Er sagte auch, ich solle Ihnen zu essen geben, wenn Sie kommen«, fuhr Madame Scheuerlappen wichtigtuerisch fort. »Es ist zwar schon recht spät, aber für Gäste, die im voraus bezahlen, mache ich schon einmal eine Ausnahme.«

»Das ist sehr freundlich«, antwortete ich hastig, »aber es wäre mir im Moment wichtiger, mit Monsieur Lovecraft reden zu können. Welches Zimmer hat er?«

»Zweiundzwanzig«, antwortete sie. »Gleich neben Ihrem. Aber es hat gar keinen Zweck, hochzugehen. Die Herren sind nicht da.« Ihr Augenaufschlag wurde noch verführerischer. »Warum kommen Sie nicht herein? Ich mache Ihnen einen starken Kaffee.«

»Später«, sagte ich eilig, als sie bereits Anstalten machte, die Tür vollends zu öffnen und mich kurzerhand zu sich hereinzuzerren. »Ein Kaffee wäre göttlich, aber es ist im Moment sehr wichtig, daß ich mit Howard spreche. Wissen Sie, wohin er gegangen ist?«

Einen Moment lang blickte mich Madame Dupre fast vorwurfsvoll an, dann seufzte sie, fuhr sich mit einem fettigen Daumen über den Nasenrücken und deutete zur Tür. »In die Oper. Aber es hat gar keinen Zweck, wenn Sie ihnen nachfahren.«

»In die ... Oper?« fragte ich zweifelnd. »Sind Sie sicher?«

»Und ob ich sicher bin«, entgegnete sie beleidigt. »Ich habe selbst den Wagen bestellt. Aber es hat keinen Sinn, wenn Sie ihnen nachfahren. Die Vorstellung ist garantiert ausverkauft. Heute ist Premiere, da gibt es schon Tage vorher keine Karten mehr. Und die Vorstellung ist sowieso bald aus. Warum kommen Sie nicht herein und trinken Kaffee mit mir, bis Ihre Freunde zurückkommen? Sie sehen aus, als hätten Sie es nötig«, fügte sie hinzu.

Einen Moment lang war ich wirklich versucht, ihr Angebot anzunehmen; ich war hundemüde und fühlte mich - im wahrsten Sinne des Wortes - ziemlich zerschlagen. Der Gedanke, auf der Treppe der Pariser Oper herumzustehen und darauf zu warten, daß Howard und Rowlf auftauchten, erfüllte mich nicht gerade mit Begeisterung. Aber dann blickte ich wieder in Madame Dupres treue Schweinsäuglein, und der Ausdruck, den ich darin las, überzeugte mich davon, daß sie weit mehr im Sinn hatte als Kaffeetrinken. Vielleicht war ein wenig frische Luft doch nicht zu verachten.

»Später«, sagte ich noch einmal. »Wenn ich zurück bin. Wie komme ich zur Oper?«

Das Lächeln auf Madames Gesicht wurde eisig. »Mit einem Wagen«, antwortete sie spröde. »Aber um diese Zeit kriegen Sie keinen mehr. Nicht in dieser Gegend. Und zu Fuß brauchen Sie eine Stunde.« Allmählich begann ich ihre Hartnäckigkeit zu bewundern.

»Trotzdem«, begann ich. »Ich muß Howard sprechen. Wenn Sie so nett wären, mir den Weg -«

Weiter kam ich nicht. Madame Dupre kam auch nie mehr dazu, mir statt des Weges zur Oper den in ihr Bett zu zeigen.

Denn in diesem Augenblick wurde die Tür in meinem Rücken mit einem einzigen, gewaltigen Hieb eingeschlagen, und ein verzerrter menschlicher Schatten erschien unter der Öffnung.

Madame Dupre begann wie von Sinnen zu kreischen, während ich herumfuhr und instinktiv die Hand auf den Griff meines Stockdegens sinken ließ.

Aber ich führte die Bewegung nicht zu Ende, denn im gleichen Moment fegte der Eindringling die Reste der zerbrochenen Tür vollends beiseite, und ich erkannte sein Gesicht.

Oder das, was davon übrig war.

Die linke Hälfte seines Kopfes war nahezu unversehrt, während die andere regelrecht zermalmt worden war. Das braune Material, das menschlicher Haut so täuschend ähnlich sah, war zerrissen und hing in Fetzen herunter. Der eiserne Knochen darunter war zerbrochen und eingedrückt, und aus dem zerfransten Loch, in dem einmal die Nachbildung eines menschlichen Auges gewesen war, ragten die abgerissenen Enden dünner, silberner Drähte.

»Aber Monsieur, ich bitte Sie - das geht doch nicht!« Der Lakai begann verzweifelt mit den Händen zu ringen. Seine Stimme wurde schrill, und die Blicke, die er Howard zuwarf, grenzten eindeutig an Panik. Aber Howard beachtete ihn gar nicht, sondern schob ihn kurzerhand zur Seite und stürmte mit gesenktem Kopf an ihm vorbei. Hinter ihm wurden aufgeregte Stimmen laut, gefolgt von den Schritten von gleich drei, vier Männern. Ohne auch nur zurückzusehen, rannte Howard weiter, erreichte die schmale Tür am Ende des Ganges und riß sie auf.

Die Musik aus dem Bühnenraum wurde lauter, als er auf den winzigen Balkon hinaustrat. Hinter ihm erscholl ein fast entsetztes Keuchen, und eine Hand legte sich auf seine Schulter und versuchte ihn festzuhalten. Howard schüttelte sie ab. Ärgerlich fuhr er herum und funkelte den Lakai so zornig an, daß der Mann unwillkürlich ein Stück zurückprallte.

»Aber ich bitte dich, Bruder Howard!«

Obwohl die Stimme sehr leise war, schnitt sie wie ein Peitschenhieb in Howards Geist. Seine Hand, die zu einer abwehrenden Geste erhoben war, erstarrte mitten in der Bewegung. Eine halbe Sekunde lang blieb er reglos stehen, dann wandte er sich mit starren, fast puppenhaften Bewegungen um und starrte den dunkelhaarigen Mann an, der die Worte gesprochen hatte.

»Bitte mach hier nicht so einen Lärm, Bruder Howard«, fuhr der Mann fort. »Immerhin haben diese Leute sehr viel Geld bezahlt, um sich in Ruhe einem Kunstgenuß hingeben zu können - den du zweifellos nicht zu würdigen weißt.« Er lächelte dünn und humorlos, machte mit der Linken eine Geste auf den freien Platz neben sich und wandte sich an den Lakai, der mittlerweile Verstärkung bekommen hatte. »Es ist gut, Jean-Luc. Ich kenne den Herrn.«

»Du -« Howards Stimme zitterte vor Erregung, aber wieder unterbrach ihn der Fremde mit einer knappen, befehlenden Geste. »Bitte, Bruder - nicht vor den Domestiken.«

Sekundenlang starrte Howard den dunkelhaarigen Mann mit unverhohlenem Haß an. Seine Finger spannten sich so fest um den zerdrückten Operngucker, daß die Knöchel wie kleine weiße Narben auf seiner Haut sichtbar wurden. Aber er wartete gehorsam, bis die Diener wieder gegangen waren. Erst dann trat er auf den Fremden zu, hob die Arme und streckte die Hände aus, als wolle er ihn packen und erwürgen.

»Wo ist sie?« keuchte er. »Was hast du mit ihr gemacht?«

»Mit ihr?« Die dünnen, wie aufgemalt wirkenden Brauen des Mannes zogen sich zu einem fragenden Stirnrunzeln zusammen. »Von wem sprichst du, Bruder? Wir sind allein. Sieh dich um.«

Howard keuchte wütend. »Du weißt genau, von wem ich rede, du Ungeheuer«, zischte er. »Ich habe sie gesehen. Du ... du hast mir doch extra dieses Ding schicken lassen, damit ich sie sehe!« Er schwang das Opernglas wie eine Waffe und trat einen weiteren halben Schritt auf den Fremden zu. »Wo ist Ophelie, Sarim? Sag es, oder ich gebe dir mein Wort, daß du diesen Balkon nicht lebend verläßt!«

Sarim de Laurec lächelte flüchtig. »Du hast dich nicht verändert, Bruder Howard«, sagte er. »Ich habe deinen scharfen Geist und deinen wachen Verstand immer bewundert. Und ich habe nie verstanden, daß du dich in einen Idioten verwandelst, sobald diese Frau im Spiel ist. Wir hätten dich schon einmal beinahe getötet, ihretwegen.«

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