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Highway ins Dunkel. Stories

Электронная книга - «Highway ins Dunkel. Stories». Краткое содержание книги:

Ebenso wie seine Romane bürgen auch die Kurzgeschichten des Meisters hautnahen Horrors für Schreckensqualitäten vom Feinsten. Namenlose Kreaturen, mörderische Ratten, mysteriöse Erscheinungen halten Einzug in die geheimsten Winkel unseres Nervensystems ...
Das Buch
Dean Koontz gilt als Meister hautnahen Horrors, und er versäumt es auch in seinen schaudererregenden Kurzgeschichten nicht, den Leser in eine eiskalte Welt puren Entsetzens zu entführen.
Namenlose Kreaturen, die einem notorischen Dieb das Fürchten lehren, mörderische Ratten, entkommen aus einem Versuchslabor, und Wesen aus anderen Welten erschüttern unser Vertrauen in das Erdendasein nachhaltig ...
Der Autor
Dean Koontz, 1946 in Bedford/Pennsylvania geboren, besuchte das Shippensburg State College und nahm 1966 eine Lehrerstelle in Appalachia an. Wenig später heiratete er und veröffentlichte seinen ersten Roman und einige Kurzgeschichten. 1976 zog er mit seiner Familie nach Orange County/Kalifornien. In mehr als 20 Jahren schrieb Koontz 55 Bücher, die in einer Weltauflage von 60 Millionen Exemplaren in 18 Ländern verbreitet ist.
Titel der Originalausgabe STRANGE HIGHWAYS STORY COLLECTION
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Ich war davon überzeugt, daß mir das Schlimmste widerfahren war, was je einem Menschen widerfahren kann und daß dies die schwärzeste Zeit meines Lebens war.

Doch dann wurde Benny von Knochenkrebs befallen.

An einem stürmischen Tag Ende Februar, fast zwei Jahre nach dem Tod seiner Mutter, waren Benny und ich in dem Park beim Fluß, um dort seinen Drachen steigen zu lassen. Als Benny mit der Spule über die Wiese rannte und mehr Schnur ausrollte, fiel er plötzlich hin. Nicht nur einmal. Nicht zweimal. Mehrere Male hintereinander. Als ich wissen wollte, was ihm fehle, sagte er mir, daß er Schmerzen in seinem rechten Bein habe: »Wahrscheinlich hab ich’s mir verrenkt, als die Jungs und ich gestern auf den Bäumen rumgeklettert sind.«

Er schonte sein Bein ein paar Tage lang, und als ich schließlich vorschlug, wir sollten lieber zu einem Arzt gehen, meinte er, es ginge ihm schon wieder besser.

Eine Woche später war er im Krankenhaus und wurde eingehend untersucht. Nach zwei weiteren Tagen wurde die Diagnose bestätigt: Knochenkrebs. Die Krankheit war schon in einem zu weit fortgeschrittenen Stadium, um noch operiert werden zu können. Die Ärzte begannen sofort mit einer Radium- und Chemotherapie.

Benny fielen sämtliche Haare aus. Er verlor mehr und mehr an Gewicht. Sein Gesicht wurde immer blasser, und ich hatte jeden Morgen aufs neue Angst davor, ihn anzusehen, denn in meinem Kopf spukte die verrückte Vorstellung herum, daß er, wenn er weiterhin blasser würde, langsam völlig durchsichtig werden müßte, und wenn er dann schließlich durchsichtig wie Glas wäre, vor meinen Augen zersplitterte.

Nach fünfwöchiger Behandlung besserte sich plötzlich sein Gesundheitszustand, und er konnte zumindest vorübergehend nach Hause kommen. Die Radium- und Chemotherapie wurde ambulant fortgesetzt.

Heute glaube ich, daß die Besserung weder auf das Radium, die zytotoxischen Wirkstoffe noch die Medikamente zurückzuführen war, sondern allein auf seinen Willen noch ein letztes Mal die blühenden Kirschbäume zu sehen. Seine eigene Willenskraft war für die Besserung seines Zustandes verantwortlich, der Sieg des Geistes über den Körper.

Bis auf einen Tag, an dem es nieselte, saß er täglich unter den blütenbeladenen Zweigen in einem Sessel und genoß den Einzug des Frühlings in unser Tal, erfreute sich an den possierlichen Eichhörnchen aus den anliegenden Wäldern die auf unserem Rasen herumtollten. Jeden Tag trug ich einen großen, bequem aufgepolsterten Sessel und einen Schemel für seine Füße aus dem Haus, denn Benny war so zart und zerbrechlich geworden, daß er auf den hölzernen Gartenstühlen nicht mehr sitzen konnte, ohne sich daran zu verletzen.

Wir versuchten, Karten oder Halma zu spielen, doch meistens war er zu müde, um sich lange auf ein Spiel konzentrieren zu können, und so saßen wir oft einfach nur da und entspannten uns. Wir sprachen über die vergangenen Jahre, wie viele schöne Erlebnisse er in seinem kurzen zehnjährigen Leben gehabt habe, und über seine Mutter. Es kam auch häufig vor, daß keiner von uns redete. Es war nie ein betretenes Schweigen, höchstens zuweilen ein wenig melancholisch, doch nie betreten.

Wir sprachen weder von Gott, noch von Schutzengeln oder vom Himmel. Ich weiß, daß er damals immer noch daran glaubte, daß seine Mutter in einer anderen Inkarnation und an einem schöneren Ort weiterlebte; aber er redete nicht mehr davon und äußerte sich auch nicht darüber, ob er selbst hoffte, nach seinem Tod in den Himmel zu kommen. Ich glaube, er vermied dieses Thema aus Rücksicht auf mich und weil er in den letzten Tagen, die uns noch verblieben, Reibereien zwischen uns vermeiden wollte.

Ich werde ihm immer dankbar dafür sein, daß er mich nicht herausforderte, denn ich fürchte, daß ich sogar in seinen letzten Lebenstagen versucht hätte, ihm eine rationale Denkweise aufzuzwingen und mich damit noch mehr zum Narren gemacht hätte als gewöhnlich.

Schon nach neun Tagen erlitt er einen Rückschlag und mußte wieder ins Krankenhaus. Ich ließ ihn in ein Zweibettzimmer verlegen, damit ich bei ihm schlafen konnte, er in dem einen, ich in dem anderen Bett.

Die Krebszellen waren bis in seine Leber vorgedrungen, und ihm wurde dort ein Tumor herausoperiert. Danach ging es ihm ein paar Tage lang besser, er lebte kurzzeitig richtig auf, doch dann ging es wieder bergab.

Im Lymphgefäßsystem, in der Milz, überall wurden Krebszellen festgestellt. Sein Zustand verbesserte und verschlechterte sich abwechselnd. Jede erneute Besserung war jedoch weniger ermutigend als die vorangegangene, und bei jeder Verschlechterung ging es steiler bergab.

Ich war vermögend, intelligent und in meinem Beruf erfolgreich. Aber es gab nichts, womit ich das Leben meines Sohnes hätte retten können. Nie zuvor hatte ich mich so klein und machtlos gefühlt.

Das einzige, was ich tun konnte, war, mich Benny gegenüber stark zu zeigen. In seiner Gegenwart bemühte ich mich, fröhlich zu sein und unterdrückte meine Tränen. Doch nachts, während ich wie ein Embryo zusammengerollt, hilflos wie ein Kind, im Bett lag, weinte ich heimlich, während er auf der anderen Seite des Zimmers in einem unruhigen, durch Medikamente herbeigeführten Schlaf lag. Tagsüber, während er abwechselnd einer Behandlung, Untersuchungen oder Operationen unterzogen wurde, saß ich am Fenster und starrte mit leerem Blick hinaus.

Wie von einem magischen Zauberspruch ausgelöst wurde die Welt von Tag zu Tag grauer und grauer. Alles erschien mir farblos, wie wenn ich einen alten Schwarzweißfilm betrachtete. Die Schatten wurden dunkler und schärfer. Selbst die Luft schien grau zu sein, so als ob sie von einem giftigen Nebel verschmutzt wäre, den man nicht sehen, sondern nur spüren konnte. Selbst die Stimmen klangen grau und verschwommen. Ein paarmal schaltete ich den Fernseher oder das Radio ein, und die Musik schien ohne Melodie zu sein. In meinem Inneren sah es genauso grau aus wie in der äußeren Welt, die mich umgab, und der unsichtbare, aber intensiv spürbare Nebel, der die äußere Welt verpestete, hatte mich völlig durchdrungen.

Doch selbst in diesem Zustand völliger Verzweiflung kam ich nicht vom Pfad der Vernunft ab, flehte ich Gott nicht um Hilfe an, verfluchte ich Gott nicht dafür, daß er ein unschuldiges Kind leiden ließ. Es kam mir nicht in den Sinn, den Rat eines Geistlichen oder die Hilfe eines Gesundbeters zu suchen.

Ich blieb eisern.

Niemand hätte mir einen Vorwurf machen können, wenn ich in dieser Lage wankelmütig geworden wäre und im Aberglauben Trost gesucht hätte. Innerhalb von etwas mehr als zwei Jahren war die Freundschaft mit meinem einzigen guten Freund in die Brüche gegangen, hatte ich meine Frau durch einen Verkehrsunfall verloren und hatte ich miterleben müssen, wie mein Sohn an Krebs starb. Gelegentlich hört oder liest man von Menschen, die von einer solchen Häufung von Schicksalsschlägen heimgesucht werden, und seltsamerweise erzählen diese dann, daß sie gerade durch ihre Leiden den Weg zu Gott und durch ihren Glauben Frieden gefunden hätten.

Traurigkeit und Mitleid befallen uns, wenn wir von Menschen hören, die vom Schicksal so hart getroffen wurden, und wir haben Verständnis für ihre religiöse Gefühlsduselei. Rasch verdrängen wir solche Berichte wieder, denn sie erinnern uns daran, daß uns selbst ein ähnlicher Schicksalsschlag treffen könnte, und dieser Gedanke flößt uns eine unerträgliche Furcht ein. Ich aber mußte diesen Gedanken nicht nur ertragen, bei mir wurde er Wirklichkeit. Aber dennoch ließ ich mich nicht von meinen Prinzipien abbringen.

Ich sah der absoluten Leere ins Gesicht und akzeptierte sie.

Nachdem er einen tapferen, schmerzhaften und entgegen alle Erwartung langen Kampf gegen die bösartige Krankheit geführt hatte, die ihn bei lebendigem Leibe zerfraß, starb Benny schließlich in einer Nacht im August. Zwei Tage zuvor war er in die Intensivstation verlegt worden, und man ließ mich nur alle zwei Stunden für jeweils fünfzehn Minuten bei ihm sitzen. In jener letzten Nacht durfte ich jedoch mehrere Stunden lang bei ihm bleiben, weil sie wußten, daß er nicht mehr lange zu leben hatte.

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