Ein Feuer auf der Tiefe [A Fire upon the Deep - de]
- Автор: Виндж Вернор (Вернон) Стефан
- Серия: Qeng Ho (de) #1
- Год: 1995
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- ISBN: 3-453-88125-7
- Переводчик: Erik Simon
- Жанр: Космическая фантастика
Электронная книга - «Ein Feuer auf der Tiefe [A Fire upon the Deep - de]». Краткое содержание книги:
›Ein Feuer auf der Tiefe‹ wurde mit dem Hugo Gernsback Award als bester Roman des Jahres ausgezeichnet.
Pham sprang von seinem Sattel auf und prallte von der Decke zurück. Einen Augenblick lang glaubte sie, er könnte von der Brücke stürmen. Dann schnallte er sich an und versuchte grimmig, das Feuer zu löschen.
Die nächsten paar Minuten lang war es auf der Brücke fast still, nur Pham fluchte leise, als von den naheliegenden Maßnahmen keine funktionierte. »Die Fehler greifen ineinander« — er murmelte den Satz ein paarmal. »Die Feuerwarnautomatik ist ausgefallen…
Ich kann die Luft nicht aus der Werkstatt pumpen. Meine Strahler haben alles zu Klump geschmolzen.«
Feuer an Bord. Ravna hatte Bilder von solchen Katastrophen gesehen, doch sie waren ihr immer als etwas Unwahrscheinliches erschienen. Wie sollte sich mitten im Vakuum des Weltalls ein Feuer halten? Und bei Schwerelosigkeit müsste sich ein Brand selbst ersticken, auch wenn die Besatzung nicht die Atmosphäre abpumpen konnte. Die Kamera in der Werkstatt bot ein verrücktes Bild der Wirklichkeit: Gewiss, die Flammen verzehrten nur den Sauerstoff in ihrer Umgebung. Es gab Lagen von Bauschaum, die nur leicht angesengt waren, vorläufig von verbrauchter Luft geschützt. Doch das Feuer breitete sich aus und drang stetig in Gebiete mit frischer Luft vor. Stellenweise reicherten von der Hitze erzeugte Turbulenzen das Gemisch an, und Stellen, über die das Feuer schon hinweggegangen war, flammten auf.
»Es strömt immer noch Luft zu, Herr Pham.«
»Ich weiß. Ich kann nichts dagegen machen. Die Ventile müssen geschmolzen sein.«
»Wahrscheinlich ist es die Software.« Blaustiel schwieg einen Moment lang. »Versucht es damit…« Die Anweisungen ergaben für Ravna keinen Sinn, irgendeine Umgehungsprozedur auf niedriger Ebene.
Doch Pham nickte, und seine Finger huschten über das Pult.
In der Werkstatt krochen die Flammen eng an den Oberflächen weiter über den Bauschaum. Nun griffen sie nach dem Inneren der Rüstung, auf die Pham so viel Zeit verwendet hatte. Dieses neueste Modell war erst halb fertig…Da drin mussten Oxydationsmittel sein. »Pham, ist die Rüstung hermetisch…«
Der Brand lag sechzig Meter entfernt und hinter einem Dutzend Zwischenschotts. Die Explosion kam als ferner, dumpfer Knall, fast unschuldig. Doch auf dem Bild der Kamera zerfiel die Rüstung in ihre Teile, und das Feuer loderte triumphierend auf.
Sekunden später brachte Pham Blaustiels Vorschlag zum Funktionieren, und die Ventile der Werkstatt schlossen sich. Das Feuer in der zerstörten Rüstung hielt noch eine halbe Stunde lang an, breitete sich aber nicht über die Werkstatt hinaus aus.
Sie brauchten zwei Tage, um aufzuräumen, um den Schaden abzuschätzen und sich halbwegs zu überzeugen, dass sich keine neue Katastrophe anbahnte. Der größte Teil der Werkstatt war zerstört.
Sie würden auf der Klauenwelt keine Rüstung haben. Pham rettete einen der Strahler, die den Zugang zur Werkstatt bewacht hatten. Überall im Schiff gab es katastrophale Ausfälle, die klassischen zufälligen Zerstörungen von ineinandergreifenden Programmfehlern: Sie hatten fünfzig Prozent ihres Wassers verloren. Das Landeboot des Schiffes hatte seine höhere Automatik eingebüßt.
Der Raketenantrieb der ADR war in seiner Leistungsfähigkeit schwer eingeschränkt. Hier im interstellaren Raum spielte das keine Rolle, doch am Ende würden sie den Geschwindigkeitsausgleich mit nur 0,4 Ge durchführen können. Gott sei Dank funktionierte der Agrav; sie würden ohne Schwierigkeiten imstande sein, in steilen Gravitationsschächten zu manövrieren — also auf der Klauenwelt zu landen.
Ravna wusste, wie nahe sie daran waren, das Schiff einzubüßen, doch sie beobachtete Pham mit noch größeren Befürchtungen. Sie hatte so große Angst, dass er dies als letzten Beweis für den Verrat der Skrodfahrer nehmen würde, dass es ihn endgültig aus dem Gleichgewicht brächte. Sonderbarerweise geschah beinahe das Gegenteil. Schmerz und innere Verwüstung waren ihm deutlich anzumerken, doch es kam zu keinem Ausbruch; er machte sich nur beharrlich daran, die Trümmer zu ordnen. Er sprach jetzt mehr mit Blaustiel, ließ ihn zwar nicht die Automatik verändern, nahm jedoch jetzt vorsichtig mehr Ratschläge von ihm an. Gemeinsam brachten sie das Schiff wieder annähernd in den Zustand vor dem Brand.
Sie fragte Pham danach. »Ich habe meine Ansichten nicht geändert«, sagte er schließlich, »ich musste die Risiken abwägen, und ich habe mich verrechnet… Und vielleicht gibt es da nichts abzuwägen. Vielleicht wird die PEST gewinnen.«
Die Gottsplitter hatten zu sehr darauf gesetzt, dass Pham alles allein schaffen würde. Jetzt dämpften sie seinen Verfolgungswahn ein wenig.
Sieben Wochen nach dem Abflug von Harmonische Ruhe, weniger als eine Woche vor dem, was auch immer sie auf der Klauenwelt erwarten mochte, verfiel Pham in eine mehrere Tage andauernde Trance. Vorher war er geschäftig gewesen — ein vergeblicher Versuch, selbstgemachte Testroutinen für die gesamte Automatik laufen zu lassen, die auf der Klauenwelt vielleicht benötigt würden. Jetzt konnte ihn Ravna nicht einmal zum Essen bewegen.
Die Navigationsbildschirme zeigten die drei Flotten, wie sie von den Nachrichten und Phams Intuition identifiziert wurden: die Agenten der PEST, die Allianz für die Verteidigung und die Überbleibsel von Sjandra Keis Sicherheitsgesellschaft: tödliche Ungeheuer und die Reste eines Opfers. Die Allianz meldete sich noch immer ab und zu mit Bulletins in den Nachrichten. Die SjK-Sicherheitsgesellschaft hatte ein paar knappe Erwiderungen gesendet, blieb aber größtenteils stilclass="underline" sie waren an Propaganda nicht gewöhnt oder — wahrscheinlicher — nicht daran interessiert. Private Rache war alles, was der Sicherheitsgesellschaft noch blieb. Und die Pestflotte? Die Nachrichten hatten nichts von ihr gehört. Aus einer Aufstellung von Abflügen und verlorenen Schiffen hatte die Nachrichtengruppe Kriegsbeobachter geschlossen, dass die Flotte wild aus dem Stegreif zusammengestellt worden war, aus allem, was die PEST hier unten zum Zeitpunkt der RIP-Katastrophe unter Kontrolle gehabt hatte. Ravna wusste, dass die Analyse der Kriegsbeobachter in einem Punkt falsch war: Die Pestflotte schwieg nicht. Dreißigmal in den letzten Wochen hatte sie Botschaften an die ADR gesendet — im Skrodsteuerformat. Pham hatte die Botschaften vom Schiff ungelesen verwerfen lassen — und sich dann Sorgen gemacht, ob der Befehl wirklich befolgt wurde. Schließlich war die ADR ein Skrodfahrer-Modell.
Doch nun hatte der Sturm in ihm nachgelassen. Pham saß stundenlang da und starrte auf die Bildschirme. Bald würde Sjandra Kei die Allianz-Flotte eingeholt haben. Zumindest eine Gruppe von Schurken würde bezahlen. Doch die Pestflotte und zumindest ein Teil der Allianz würde überleben… Vielleicht bedeutete diese Trance einfach, dass die Gottsplitter allmählich verzweifelten.
Drei Tage vergingen; Pham kam mit einem Ruck aus der Trance. Abgesehen von seinem schmaler gewordenen Gesicht wirkte er normaler als seit Wochen. Er bat Ravna, die Skrodfahrer auf die Brücke zu holen.
Pham zeigte auf die Spuren der Ultraantriebe, die auf dem Bildschirm schwebten. Die drei Flotten waren annähernd über einen Zylinder verteilt, fünf Lichtjahre tief und drei im Durchmesser. Der Schirm erfasste nur das Herzstück dieses Raumgebiets, wo sich die schnellsten der Verfolger zusammengeballt hatten. Die gegenwärtige Position jedes Schiffes war ein Lichtfleck, dem sich ein endloser Strom schwächerer Lichtpunkte anschloss — die Ultraspuren, die der Antrieb des Raumschiffs hinterlassen hatte. »Ich habe Rot, Blau und Grün benutzt, um nach bestem Wissen und Vermuten die Flottenzugehörigkeit jeder Spur darzustellen.« Die schnellsten Schiffe waren derart dicht auf einem Fleck versammelt, dass er bei dieser Auflösung weiß aussah, doch mit einem Fächer von bunten Schleppen hinter sich. Es gab noch andere Markierungen, die er angebracht hatte, die er aber, wie er Ravna eingestand, nicht mehr begriff.