In den Klauen des Winters
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #9
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «In den Klauen des Winters». Краткое содержание книги:
Abrupt wurde sie sich der Gefühle bewusst, die durch den Bund mit Birgitte kamen. Ihre widergespiegelte Wut vereinte sich mit der Birgittes, sprang von Birgitte zu ihr und wieder zurück, nährte sich und wuchs. Birgittes Messerhand zitterte vor Verlangen zu werfen. Und sie? Sie war voller Wut! Nur noch eine Spur mehr und sie würde Saidar entfesseln.
Sie rang den Zorn mit einer bewussten Anstrengung zu einer trügerischen Ruhe nieder. Einer brodelnden Ruhe. Sie schluckte und kämpfte um einen gleichmütigen Tonfall. »Die Garde wird jeden Tag zu einem Besuch vorbeikommen, Meister Taim.« Und sie hatte keine Ahnung, wie sie das bei diesem Wetter bewerkstelligen wollte. »Vielleicht komme ich auch selbst, zusammen mit ein paar Schwestern.« Falls Taim der Gedanke störte, Aes Sedai in seiner Schwarzen Burg zu haben, ließ er es sich nicht anmerken. Licht, sie versuchte hier, Anders Herrschaft zu etablieren, nicht den Mann aus der Reserve zu locken. Schnell führte sie eine Novizinnenübung durch — der durch das Ufer im Zaum gehaltene Fluss — und suchte nach innerer Ruhe. Es funktionierte, zumindest ansatzweise. Jetzt wollte sie ihm nur noch alle Weinbecher an den Kopf werfen. »Ich will Euch Eure Eskorte zugestehen, aber es wird nichts verborgen bleiben. Ich werde nicht zulassen, dass durch Eure Geheimnisse Verbrechen vertuscht werden. Haben wir uns verstanden?«
Taims Verbeugung war spöttisch — spöttisch! —, aber sein Tonfall war angespannt. »Ich habe Euch genau verstanden. Doch Ihr müsst auch mich verstehen. Meine Männer sind keine Bauern, die den Kopf senken, wenn Ihr vorbeischreitet. Übt zu viel Druck auf einen Asha'man aus, und unter Umständen erfahrt Ihr, wie mächtig Euer Gesetz in Wirklichkeit ist.«
Elayne öffnete den Mund, um ihm zu sagen, wie mächtig das Gesetz in Andor tatsächlich war.
»Es ist Zeit, Elayne Trakand«, sagte eine Frauenstimme von der Tür aus.
»Blut und Asche!«, murmelte Dyelin. »Kommt denn die ganze Welt einfach so hier herein?«
Elayne erkannte die neue Stimme. Sie hatte diese Aufforderung erwartet, nur nicht gewusst, wann genau sie kommen würde. Aber sie wusste, dass sie ihr auf der Stelle folgen musste. Sie erhob sich und wünschte sich, sie hätte noch etwas mehr Zeit gehabt, Taim die Dinge klarer zu machen. Er bedachte sowohl die Frau, die gerade eingetreten war, wie auch Elayne mit einem Stirnrunzeln, offensichtlich unsicher, was hier vorging. Gut. Sollte er im eigenen Saft schmoren, bis sie die Zeit hatte, ihm in aller Ausführlichkeit deutlich zu machen, welche Sonderrechte die Asha'man in Andor hatten.
Nadere war so groß wie die beiden Männer, die an der Tür standen, und beinahe so untersetzt wie die stämmigste Aiel, die Elayne gesehen hatte. Ihre grünen Augen blickten das vor ihr stehende Paar einen Moment lang forschend an, bevor sie es als unwichtig einstufte. Asha'man konnten Weise Frauen nicht beeindrucken. Das konnte nur wenig. Sie richtete mit klirrenden Armreifen ihre schwarze, auf den Schultern liegende Stola, ging zu Elayne und drehte Taim den Rücken zu. Trotz der Kälte trug sie lediglich die Stola über der dünnen weißen Bluse, obwohl sie seltsamerweise einen schweren Wollumhang über den Arm gelegt hatte. »Ihr müsst jetzt mitkommen«, sagte sie zu Elayne, »sofort.« Taims Stirn umwölkte sich; zweifellos war er es nicht gewohnt, so gründlich ignoriert zu werden.
»Licht des Himmels!«, seufzte Dyelin und massierte sich die Schläfen. »Ich weiß nicht, was das soll, Nadere, aber es wird warten müssen ... «
Elayne legte ihr die Hand auf den Arm. »Ihr wisst es nicht, Dyelin, und es kann nicht warten. Nadere, ich werde jeden wegschicken und Euch begleiten.«
Die Weise Frau schüttelte missbilligend den Kopf. »Ein Kind kurz vor der Geburt kann sich nicht die Zeit nehmen, Leute wegzuschicken.« Sie entfaltete den dicken Umhang. »Ich habe den hier mitgebracht, um Eure Haut vor der Kälte zu schützen. Vielleicht sollte ich ihn hier lassen und Aviendha sagen, dass Eure Sittsamkeit größer ist als Euer Verlangen nach einer Schwester.« Dyelin keuchte in plötzlichem Begreifen auf. Der Behüterbund zitterte vor Birgittes Wut.
Ihr blieb nur eine Möglichkeit. Und selbst diese Wahl war eigentlich keine. Sie ließ die Verknüpfung mit den beiden anderen Frauen und Saidar los. Der Schein um Renaile und Merilille blieb jedoch bestehen. »Seid Ihr so nett und helft mir mit den Knöpfen, Dyelin?« Elayne war stolz, wie beherrscht ihre Stimme klang. Sie hatte das erwartet. Nur nicht mit so vielen Zeugen*., dachte sie flüchtig. Sie wandte Taim den Rücken zu — so würde sie wenigstens nicht zusehen müssen, wie er sie beobachtete! — und begann mit den winzigen Ärmelknöpfen. »Dyelin, wärt Ihr so freundlich? Dyelin?«
Einen Augenblick später setzte sich Dyelin wie eine Schlafwandlerin in Bewegung und begann an den Knöpfen auf Elaynes Rücken herumzufummeln, während sie kopfschüttelnd etwas vor sich hinmurmelte. Einer der Asha'man an der Tür kicherte.
»Umdrehen!«, fauchte Taim und an der Tür stampften Stiefel auf.
Elayne wusste nicht, ob er sich auch umgedreht hatte — sie war fest davon überzeugt, seine Blicke auf ihrem Körper zu spüren —, aber plötzlich war Birgitte da und Merilille und Reene und Zaida, und sogar Renaile, und sie standen Schulter an Schulter und bildeten stirnrunzelnd eine Mauer zwischen ihr und den Männern.
Keine sehr gute Mauer. Keine von ihnen hatte ihre Größe und Zaida und Merilille reichten ihr nicht mal bis zur Schulter.
Konzentriere dich, dachte sie. Ich bin ganz ruhig. Ich bin entspannt. Ich bin ... ich ziehe mich in einem Raum voller Leute splitternackt aus! Sie entkleidete sich so schnell, wie sie nur konnte, ließ Gewand und Unterkleid zu Boden fallen und warf Schuhe und Strümpfe oben drauf. Die kühle Luft verschaffte ihr eine Gänsehaut; wenn sie sie ignorierte, bedeutete das nur, dass sie nicht zitterte. Und der Gedanke, dass die Hitze in ihren Wangen damit zu tun hatte, war ihr angenehmer.
»Wahnsinn!«, murmelte Dyelin leise und griff sich die am Boden liegenden Kleider. »Absoluter Wahnsinn!«
»Was hat das zu bedeuten?«, flüsterte Birgitte. »Soll ich dich begleiten?«
»Ich muss allein gehen«, entgegnete Elayne ebenfalls flüsternd. »Keine Widerrede!« Nicht dass Birgitte eine entsprechende Miene gemacht hätte, aber der Bund sprach Bände. Sie nahm die goldenen Ohrringe ab, gab sie Birgitte, zögerte kurz und fügte den Ring mit der Großen Schlange hinzu. Die Weisen Frauen hatten gesagt, sie müsste wie ein Kind bei der Geburt sein. Sie hatten viele Anweisungen erteilt, und niemandem zu sagen, was geschehen würde, hatte an allererster Stelle gestanden. Was das anging, wünschte sie sich, sie würde es wissen. Ein Kind wurde geboren, ohne zu wissen, was es erwartete. Birgittes Gemurmel hörte sich langsam an wie Dyelins.
Nadere trat mit dem Umhang vor, hielt ihn aber nur einfach hin; Elayne müsste ihn nehmen und sich schnell darin einwickeln. Sie glaubte noch immer, Taims Blicke zu spüren. Sie hielt das schwere Tuch fest umklammert, ihr Instinkt befahl ihr, aus dem Raum zu eilen, aber stattdessen richtete sie sich auf und drehte sich langsam um. Sie würde nicht von Schande erfüllt flüchten.
Die Männer, die mit Taim gekommen waren, standen steif da, die Gesichter zur Tür gewandt, während Taim selbst mit vor der Brust verschränkten Armen auf den Kamin starrte. Seine Blicke waren also nur Einbildung gewesen. Die anderen Frauen schauten sie mit Variationen von Neugier, Bestürzung und Entsetzen an. Nadere schien lediglich ungeduldig zu sein.