Fahrstuhl zu den Sternen
- Автор: Кларк Артур Чарльз
- Год: 2014
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- ISBN: 978-3-641-11624-8
- Переводчик: Klaus Mahn
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Fahrstuhl zu den Sternen». Краткое содержание книги:
»Der Mensch versuche die Götter nicht«, sagte er schließlich. »Man soll ihn zerstören!«
Der Draht
»Sie hätten mir um ein Haar zu einem Herzschlag verholfen«, sagte Radschasinghe vorwurfsvoll, während er den Kaffee eingoss. »Zuerst dachte ich, Sie hätten irgendeine Art Antischwerkraftgerät. Aber selbst ich weiß, dass es das nicht gibt. Wie haben Sie es fertiggebracht?«
»Ich bitte um Entschuldigung«, antwortete Morgan lächelnd. »Wenn ich gewusst hätte, dass Sie mich beobachteten, hätte ich Sie gewarnt. Die Sache war ursprünglich gar nicht geplant. Ich hatte mir nur den Felsen ansehen wollen, aber dann begann mich die Steinbank zu fesseln. Ich fragte mich, warum sie so unmittelbar am Rand des Absturzes stand, und fing an zu forschen.«
»Es ist gar kein Geheimnis dabei. Früher gab es dort einmal eine Plattform, wahrscheinlich aus Holz, die über den Rand des Felsens hinausragte, und eine Treppe, die vom Gipfel zu den Fresken hinabführte. Man kann noch die Fugen sehen, wo sie an der Felswand befestigt war.«
»Das habe ich inzwischen entdeckt«, sagte Morgan mit leisem Bedauern. »Ich hätte mir denken sollen, dass das Rätsel schon längst gelöst war.«
Seit zweihundertundfünfzig Jahren, dachte Radschasinghe. Durch einen exzentrischen, nimmermüden Engländer namens Arnold Lethbridge, Taprobanes ersten Direktor für Archäologie. Er ließ sich an der Außenseite des Felsens hinab, genauso wie Morgan. Oder vielleicht doch nicht genauso …
Morgan hatte inzwischen die Metallschachtel zum Vorschein gebracht, mit der das Wunder vollbracht worden war. Ihre einzige Ausrüstung bestand aus ein paar Schaltknöpfen und einer kleinen Anzeigeleiste. Sie sah aus wie ein billiges Kommunikationsgerät.
»Das ist es«, sagte er stolz. »Da Sie mich bei meinem hundert Meter weiten Vertikalspaziergang beobachtet haben, können Sie sich vermutlich recht gut vorstellen, wie es funktioniert.«
»Ich hatte natürlich eine Idee, aber selbst mit dem leistungsstarken Glas konnte ich sie nicht bestätigen. Ich hätte schwören können, dass da absolut nichts war, was Sie vor dem Absturz wahrte.«
»Das war nicht die Vorführung, die ich ursprünglich im Sinn hatte. Aber ich sehe, Sie sind beeindruckt. Meine übliche Präsentation geht etwa so: Bitte stecken Sie den Finger durch diesen Ring.«
Radschasinghe zögerte. Morgan hielt den Metallring, der etwa die doppelte Größe eines Eherings besaß, so vorsichtig, als sei er elektrisch geladen.
»Bekomme ich einen Schlag?«, fragte er.
»Keinen Schlag. Aber Sie werden überrascht sein. Versuchen Sie, den Ring von mir fortzuziehen.«
Nicht besonders zuversichtlich griff Radschasinghe nach dem Ring — und ließ ihn augenblicklich fast wieder fallen. Das Ding war lebendig! Er stand unter einer Spannung, die es auf Morgan zuzog, oder vielmehr auf die Schachtel in Morgans Händen. Die Schachtel gab jetzt ein surrendes Geräusch von sich, und Radschasinghe spürte, wie sein Finger von einer geheimnisvollen Kraft vorwärts gezogen wurde. Magnetismus, fragte er sich. Natürlich nicht. Kein Magnet wirkte auf diese Weise. Seine vorläufige, aber unwahrscheinliche Hypothese musste richtig sein. Es gab einfach keine andere Erklärung. Morgan und er spielten Tauziehen miteinander, ganz normal — nur mit dem Unterschied, dass sie ein unsichtbares Tau benutzten.
Wie sehr Radschasinghe die Augen auch anstrengte, er sah keine Spur eines Fadens oder Drahtes, der den Ring, um den er den Finger gehakt hatte, mit der Schachtel verband, die Morgan jetzt wie ein Angler handhabte, der seinen Fang an Land bringen will. Er streckte die freie Hand aus, um den scheinbar hindernisfreien Zwischenraum zu erforschen; aber der Ingenieur schlug sie ihm mit rascher Bewegung beiseite.
»Tut mir leid!«, sagte er. »Jeder versucht das, sobald er erkennt, was hier vorgeht. Aber Sie könnten sich böse schneiden.«
»Also ist da wirklich ein unsichtbarer Draht! Schlau — aber was kann man damit anfangen außer ein paar Zaubertricks?«
Morgan grinste. »Ich kann Ihnen nicht verübeln, dass Sie zu einem solchen Schluss kommen. Es ist die übliche Reaktion. Allerdings falsch. Der Grund, warum Sie den Draht nicht sehen können, liegt darin, dass er nur ein paar Mikron dick ist. Er ist wesentlich dünner als ein Spinnenfaden.«
Dieses eine Mal, dachte Radschasinghe, war der abgedroschene Vergleich wirklich gerechtfertigt. »Das ist unglaublich! Was … woraus besteht er?«
»Der Draht ist das Produkt von rund zweihundert Jahren Festkörperphysik. Es handelt sich um einen kontinuierlichen, pseudoeindimensionalen Diamantkristall. Er besteht allerdings nicht wirklich aus reinem Kohlenstoff. Spurenelemente, in sorgfältig berechneten Mengen, sind eingeschlossen. Dieses Zeug kann man in Mengen nur an Bord der Orbitalfabriken herstellen, wo die Schwerkraft den Wachstumsprozess des Kristalls nicht beeinflusst.«
»Faszinierend«, murmelte Radschasinghe fast im Selbstgespräch. Er zog ein wenig an dem Ring, um sich zu überzeugen, dass die Spannung noch existierte und er nicht etwa nur träumte. »Ich kann mir vorstellen, dass man für so etwas eine Menge technischer Anwendungen findet. Um Käse zu schneiden, zum Beispiel …«
Morgan lachte. »Ein einzelner Mann kann mit diesem Gerät einen Baum fällen, in ein paar Minuten. Aber der Draht muss mit Vorsicht gehandhabt werden. Wir mussten besondere Spulen für das Ab- und Aufwickeln entwerfen; wir nennen sie ›Spinetten‹. Diese hier ist batteriegetrieben, für Vorführzwecke. Der Motor hält eine Last von ein paar hundert Kilo aus, und ich finde jeden Tag neue Anwendungsmöglichkeiten. Die heutige kleine Vorstellung war durchaus nicht die erste.«
Zögernd hakte Radschasinghe seinen Finger aus der metallenen Öse. Der Ring fiel zunächst, dann begann er zu pendeln, ohne dass man hätte sehen können, woran er hing. Morgan drückte einen Knopf und holte ihn ein.
»Sie sind den langen Weg nicht gekommen, nur um mich zu beeindrucken, Dr. Morgan — obwohl ich gestehen muss, dass ich beeindruckt bin. Ich will wissen, was all das mit mir zu tun hat!«
»Eine ganze Menge, Herr Botschafter«, antwortete der Ingenieur, der sich nun ebenso ernst und formell gab wie sein Gastgeber. »Sie haben ganz recht mit der Annahme, dass sich für dieses Material eine Unmenge Anwendungen finden lassen. Einige von diesen fangen wir jetzt erst an zu erahnen. Und eine dieser Anwendungen wird, auf die eine oder andere Weise, ihre friedliche kleine Insel zum Mittelpunkt der Welt machen. Nicht nur der Welt — des gesamten Solsystems. Durch diesen Draht wird Taprobane zu dem Ort, von dem aus man die Planeten erreicht. Und später vielleicht — die Sterne.«
Die größte aller Brücken
Paul und Maxine zählten zu seinen besten Freunden; aber bis auf diesen Tag waren sie, soweit Radschasinghe wusste, einander nie begegnet, noch hatten sie sich auch nur miteinander unterhalten. Nicht dass es für eine solche Begegnung irgendeinen zwingenden Grund gegeben hätte: Niemand außerhalb von Taprobane hatte je von Professor Sarath gehört, aber das gesamte Sonnensystem wusste auf Anhieb, wer Maxine Duval war.
Seine beiden Besucher hatten es sich in den Sesseln der Bibliothek bequem gemacht, während Radschasinghe an der Hauptschaltkonsole saß. Alle drei beobachteten sie die vierte Gestalt, die bewegungslos mitten im Raum stand.
Ein wenig zu bewegungslos, um genau zu sein. Ein Zeitreisender aus der Vergangenheit, dem die elektronischen Alltagswunder dieser Epoche unbekannt waren, hätte nach kurzer Untersuchung wahrscheinlich geschlossen, er habe es mit einer wunderbar detaillierten Wachsfigur zu tun. Eine eingehendere Analyse hätte allerdings zwei Unstimmigkeiten ans Tageslicht gebracht. Die Wachsfigur war transparent, so dass man helle Hintergrundlichter durch sie hindurch sehen konnte. Und die Füße lösten sich über dem Teppich zu einem diffusen Nebel auf.