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Doch die Sünde ist scharlachrot

Электронная книга - «Doch die Sünde ist scharlachrot». Краткое содержание книги:

Es ist Ende April. Durch das wechselhafte Frühlingswetter wandert ein Mann die Küste Cornwalls entlang. Seit Wochen hat er nicht mehr in einem Bett geschlafen, sich gewaschen, sich rasiert. Als er über der Klippe bei Polcare Cove innehält, bleibt sein Blick an etwas Rotem hängen. In der Tiefe liegt ein zerschmetterter Körper.
Was zunächst wie ein Unfall aussieht entpuppt sich als Sabotageakt und Mord, und die örtliche Ermittlerin Bea Hannaford steht schon bald einem ganzen Dutzend Verdächtigen gegenüber. Darunter auch der Wanderer, der von sich behauptet, Thomas Lynley zu heißen doch ausweisen kann er sich nicht. Als Hannaford bei New Scotland Yard Informationen einfordert, bekommt sie seine Dienstmarke übermittelt, die keineswegs vernichtet wurde, als Lynley nach dem tragischen Tod seiner Frau den Dienst quittiert hatte.
Hannaford bezieht den Detective Superintendent, der er nicht mehr zu sein behauptet, in ihre Ermittlungen ein. Und tatsächlich hat Lynley bereits einen ersten Verdacht. Nur einePerson, weiß er, kann ihm auf unbürokratischem Weg mehr Informationen beschaffen.Und er ruft Barbara Havers an…
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Lynley sagte entschieden: »Barbara, ich bin nicht mehr…«

»Mit Seiner Lordschaft«, korrigierte Havers sich scharf. »Mit Seiner Durchlaucht. Mit Mr. Lynley. Mit wie immer er sich momentan auch nennen mag… Wenn's recht ist, Inspector.«

Hannaford warf die Arme hoch. »Bitte. Machen Sie doch, was Sie wollen.« Sie wandte sich in Richtung Cottage ab, aber dann hielt sie inne und wies mit dem Finger auf Lynley. »Detective, wenn ich herausfinde, dass Sie diese Ermittlung in irgendeiner Weise behindern…«

»… sorgen Sie dafür, dass ich meinen Job verliere«, beendete Lynley den Satz für sie. »Ich weiß.«

Er sah ihr nach, während sie zum Haus hinüberging und anklopfte. Als niemand öffnete, ging sie um das Cottage herum, um offensichtlich das zu tun, was Santo Kernes Freundin ihrer Ansicht nach hätte tun sollen: durch die Fenster spähen.

Lynley drehte sich zu Havers. »Danke«, sagte er.

»Ich wollte Sie gerade nicht aus der Schusslinie bringen…«

»Nicht dafür.« Er nickte zu Hannaford hinüber. »Sondern dafür, dass Sie ihr nicht gesagt haben, was Sie in Falmouth in Erfahrung bringen konnten. Das hätten Sie eigentlich tun sollen. Das hätten Sie eigentlich sogar tun müssen. Das wissen wir beide. Danke.«

»Ich bleibe mir gern treu.« Sie nahm einen tiefen Zug von ihrer Zigarette, ehe sie sie zu Boden warf. Dann zupfte sie sich ein Tabakstückchen von der Zunge. »Warum sollte ich aus heiterem Himmel so etwas wie Respekt gegenüber Vorgesetzten entwickeln? Wenn Sie wissen, was ich meine.«

Er lächelte. »Also verstehen Sie…«

»Nein«, unterbrach sie ihn. »Ich verstehe überhaupt nichts. Jedenfalls nicht das, wovon Sie wollen, dass ich es verstehe. Sie ist eine Lügnerin, Sir. Das macht sie verdächtig. Wir sind hergekommen, um sie zum Verhör zu holen. Oder mehr, wenn's sein muss.«

»Mehr? Eine Festnahme? Aus welchem Grund? Mir scheint, wenn sie wirklich eine Affäre mit diesem Jungen hatte, ist es jemand anderes, dem das ein Motiv liefert.«

»Nicht unbedingt. Und bitte machen Sie mir nicht weis, das wüssten Sie nicht.« Sie schaute zum Cottage hinüber. Hannaford war aus ihrem Blickfeld verschwunden; sie war zu den Fenstern auf der Meerseite des Hauses gegangen. Havers atmete tief durch und hustete dann.

»Sie müssen mit dem Rauchen aufhören«, ermahnte er sie.

»Klar. Morgen. Bis dahin haben wir allerdings noch ein kleines Problem zu lösen.«

»Kommen Sie mit mir nach Newquay.«

»Was? Warum?«

»Weil ich eine Spur in diesem Fall habe, und sie führt genau dorthin. Santo Kernes Vater war vor rund dreißig Jahren in einen Todesfall verwickelt. Ich glaube, dass wir der Sache nachgehen müssen.«

»Santo Kernes Vater? Sir, Sie verschließen die Augen vor den Fakten.«

»Vor welchen Fakten?«

»Das wissen Sie genau.« Sie nickte zum Cottage hinüber.

»Havers, das ist nicht wahr. Kommen Sie mit nach Newquay.« Der Plan erschien ihm so vernünftig. Es erinnerte ihn obendrein an alte Zeiten: Havers und er zusammen unterwegs, um ein bisschen zu graben, gemeinsam Hinweise zu diskutieren und einander Theorien vorzutragen. Er wollte unbedingt, dass sie ihn begleitete.

»Das kann ich nicht tun, Sir«, antwortete Havers.

»Warum nicht?«

»Erstens, weil ich als Leihgabe an DI Hannaford hier bin. Und zweitens…« Sie fuhr sich mit der Hand durch das sandfarbene Haar, unmöglich geschnitten wie üblich, hoffnungslos ungelockt und wie immer statisch aufgeladen, sodass ein nicht eben geringer Teil ihr vom Kopf abstand. »Sir, wie soll ich Ihnen das klarmachen…«

»Was?«

»Na, das alles hier. Sie haben das Schlimmste erlebt, was einem passieren kann…«

»Barbara…«

»Nein. Jetzt werden Sie mir verdammt noch mal zuhören. Ihre Frau wurde ermordet. Sie haben Ihr Kind verloren. Herrgott noch mal, Sie selbst mussten die lebenserhaltenden Maschinen abschalten!«

Er schloss die Augen. Ihre Hand packte seinen Arm und hielt ihn fest.

»Ich weiß, das hier ist hart. Ich weiß, es ist furchtbar.«

»Nein«, murmelte er. »Das wissen Sie nicht. Das können Sie gar nicht.«

»Na schön. Dann kann ich es eben nicht wissen. Aber was mit Helen passiert ist, hat Ihr Leben in ein Trümmerfeld verwandelt, und niemand, absolut niemand, Sir, übersteht so etwas, ohne dass er ein bisschen durcheinander ist.«

Er sah sie wieder an. »Wollen Sie damit etwa sagen, ich wäre verrückt? Sind wir an diesen Punkt gelangt?«

Sie ließ seinen Arm los. »Ich will damit nur sagen: Sie sind traumatisiert. Sie sind nicht aus einer Position der Stärke in diesen Fall hineingestolpert, weil Sie das gar nicht konnten, und irgendetwas anderes von Ihnen zu erwarten, wäre auch nicht richtig. Ich habe keine Ahnung, wer diese Frau ist oder warum sie hier ist, ob sie überhaupt Daidre Trahair ist oder nur jemand, der sich für Daidre Trahair ausgibt. Aber die Tatsache bleibt: Wenn jemand in einer Mordermittlung lügt, dann ist es genau das, was die Polizei unter die Lupe nimmt. Also ist die Frage doch: Warum wollen Sie das um keinen Preis? Ich glaube, wir beide kennen die Antwort.«

»Die da lautet?«

»Da ist sie wieder, Ihre Aristokratenstimme! Ich weiß genau, was das bedeutet: Sie wollen Distanz, und meistens kriegen Sie die auch. Aber heute nicht, Sir. Ich bin hier, stehe genau vor Ihrer Nase, und Sie müssen sich klarmachen, was Sie tun und warum. Und wenn Sie mit dem Gedanken, das tun zu müssen, nicht klarkommen, dann müssen Sie sich auch diesbezüglich fragen: Warum nicht?«

Er antwortete nicht. Er fühlte sich, als spülte eine Welle über ihn hinweg, die all das durchbrach, was er um sich herum errichtet hatte, um vorübergehend alles von sich fernzuhalten. Schließlich sagte er: »O mein Gott.« Aber das war auch schon alles, was er herausbrachte. Er hob den Kopf und schaute zum Himmel auf, wo graue Wolken drohten, den Tag zu verdüstern.

Als Havers wieder sprach, klang ihre Stimme nicht mehr hart, sondern behutsam. Diese Veränderung traf ihn ebenso, wie ihre Worte es getan hatten. »Warum sind Sie hier, Sir? Warum sind Sie zu ihrem Cottage gefahren? Haben Sie etwas Neues über sie herausbekommen?«

»Ich dachte…« Er räusperte sich und wandte den Blick vom Himmel ab, um sie wieder anzusehen. Sie war so bodenständig, so unbeschreiblich real. Und er wusste, sie war auf seiner Seite. Aber das durfte ihn im Augenblick nicht beeinflussen. Denn wenn er Havers die Wahrheit sagte, würde sie sich sofort darauf stürzen. Allein die Tatsache, dass Daidre Trahair noch einmal gelogen hatte, wäre das Zünglein an der Waage. »Ich dachte, vielleicht würde sie mich nach Newquay begleiten wollen«, sagte er. »Das würde mir die Gelegenheit geben, noch einmal mit ihr zu reden und womöglich zu ergründen…« Er beendete den Gedanken nicht. Selbst in seinen eigenen Ohren klang es auf einmal so erbarmungswürdig verzweifelt. Aber genau das bin ich ja auch, dachte er.

Havers nickte stumm, als Hannaford um die Ecke des Cottages trat und durch den dicht stehenden Strandhafer und die Schlüsselblumen unter den Fenstern trampelte. Daidre Trahair sollte ruhig merken, dass sie Besuch gehabt hatte.

Lynley teilte ihr mit, was er vorhatte: Newquay, die dortige Polizei, die Geschichte von Ben Kerne und der Tod eines Jungen namens Jamie Parsons.

Hannaford war nicht sonderlich beeindruckt. »Das ist eine Sackgasse«, erklärte sie. »Was sollten wir mit der Geschichte anfangen?«

»Das weiß ich noch nicht. Aber mir scheint…«

»Ich will, dass Sie sich auf sie konzentrieren, Superintendent. Ich will alles wissen: sogar was sie während der Eiszeit getrieben hat selbst wenn sie da erst… vier war. Oder fünf.«

»Ich gebe zu, dass es in ihrer Geschichte Ungereimtheiten gibt, denen nachgegangen werden muss.«

»Ach wirklich? Gut zu hören. Also, gehen Sie ihnen nach! Haben Sie das Handy dabei? Ja? Dann lassen Sie es eingeschaltet.« Sie nickte zum Auto hinüber. »Wir sind dann mal weg. Sobald Sie Dr. Trahair ausfindig gemacht haben, bringen Sie sie zur Wache. Habe ich mich klar ausgedrückt?«

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