Das Schicksal der Zwerge
- Автор: Хайц Маркус
- Серия: die zwerge #4
- Язык: немецкий
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Das Schicksal der Zwerge». Краткое содержание книги:
Kiras hob die Hand. Sie hatte eine Lederrüstung angelegt und hielt ein Schwertbeil in der Hand, eine Waffe, welche die Untergründigen in den letzten achtzig Zyklen für sich entdeckt hatten. Auf der einen Seite saß eine Klinge, auf am Ende hingegen ein schmaler Beilkopf, der vor allem gegen Schilde und Helmträger eingesetzt wurde. Sanda und Bandaäl trugen nach guter Zwergensitte Kettenhemden, Helm und Schild; die Äxte blieben im Gürtel. Ihre Aufgabe bestand in erster Linie darin, sich um Magie zu kümmern. Dazu hatte ihnen Goda jeweils zehn Diamantsplitter überlassen. Zuerst sollten sie die fremde Kraft aufbrauchen, ehe sie an die inneren Reserven gingen. Goda hob die Arme und konzentrierte sich. Sie beging nicht den Fehler und versuchte erneut, den Schirm mit Gewalt brechen zu wollen. Stattdessen wollte sie ihn mit ihrem Zauber sanft abschaben, schmirgeln und zerreiben, bis eine Bresche entstanden war. Eine breite Bresche für so viele Krieger.
Sie bewegte ihre Lippen und versuchte eine erste Kombination aus Formeln. Ganz genau wusste sie nicht, wie sie vorzugehen hatte, doch sie hatte eine Ahnung. Weißlich pulsierende Magie verließ ihre Finger und schlängelte sich auf die Barriere zu, schmiegte und drückte sich dagegen gleich einer Katze am Bein eines Menschen. Die Gegenwehr blieb aus.
Aufatmend verstärkte Goda ihren sanften Angriff und breitete ihn über das Tor aus, und zwar so hoch, dass die Ubariu aufrecht durch die Lücke gehen konnten. Funken stoben auf, der Schirm verfärbte sich an dieser Stelle heller, wurde rosa und blass, bis er gänzlich verschwunden und lediglich das Weiß zu sehen war. »Los«, befahl Goda und hielt ihre Magie aufrecht, die gegenüber der übrigen Barriere als Stütze fungierte. Dort, wo Rot und Weiß aufeinandertrafen, zischte und knisterte es, gelegentlich stoben Funken davon. Wenn sie etwas trafen, hinterließen sie einen schwarzen Brandfleck.
Die Truppe stürmte ohne Geschrei auf die andere Seite und fächerte zu einer langen Linie auseinander, während die Fernkämpfer in ihrem Rücken blieben und sich bereit machten, ihre Pfeile und Bolzen zu verschießen. Der Angriff begann.
Die ersten Zelte und Bauten fielen den Kriegern nahezu lautlos zum Opfer. Erst als Flammen emporloderten und von Leinwand zu Leinwand sprangen, um von dort auf das gesamte Lager überzugreifen, erklang das laute Geheul der Scheusale. Laute Trombonen wurden geblasen, Trommeln riefen die Ungeheuer zu den Waffen. Goda hielt die Arme ausgestreckt und fütterte ihren Zauberspruch mit Magie, um ihn aufrechtzuerhalten. Sie fürchtete, dass sie die Lücke nicht mehr öffnen könnte, wenn sie den Strahl abreißen ließ.
»Vraccas, sei mit euch«, sagte sie wieder leise. Und vor allem mit meinen Kindern! Kiras folgte Boendalin auf dem Fuße.
Sie rannten vorwärts, passierten das Loch in der Barriere. Die Untergründige glaubte, in diesem flüchtigen Augenblick einen Schmerz im Körper zu fühlen.
»Zuerst die großen Maschinen nahe der Mauer und die Zelte«, befahl Boendalin und ließ die Bogenschützen die Brandpfeile vorbereiten. Während die Einheit nach rechts eilte, flogen die brennenden Geschosse in die entgegengesetzte Richtung, um einen Teil der Scheusale mit Löschen zu beschäftigen. Dann trafen sie auf die ersten Gegner. Kiras fiel auf, wie leicht es ihnen gelang, unter den Bestien zu wüten. Sie hatten sie bei ihrem Mittagsmahl und vollkommen unvorbereitet erwischt - wie hätten sie auch wissen sollen, dass Goda die Barriere öffnen konnte?
Im Zuge des Durcheinanders, das durch den Angriff ausgelöst worden war, entstanden bald weitere Feuer ohne das Zutun der Angreifer. Kochstellen wurden von Unachtsamen umgeworfen, und die Flammen breiteten sich auch an entlegeneren Stellen aus.
Es dauerte nicht lange, und rund um das Tor gab es keine Maschinen mehr; die größten befanden sich in weniger als dreihundert Schritt Entfernung von ihnen. Doch von dort kam ihnen eine eindrucksvolle Wolke aus den verschiedensten Scheusalen entgegengestürmt.
»Bogenschützen, schießt!« Boendalin ließ den Rest des Kommandos weiterrennen, genau auf den lockeren Verband zu. Pfeileschwirrten über sie hinweg und bohrten sich in die Ungeheuer. Etliche von ihnen fielen verwundet oder tot zu Boden. »Und jetzt macht sie nieder! Dort, zum Katapult«, schrie der Zwerg und schlug seinem Gegner den geschliffenen Rand seines Schildes gegen den Hals. Das scharfkantige Metall durchtrennte den Lederschutz und kappte die Kehle bis zum Rückgrat. So gut wie enthauptet, stürzte die Bestie aus vollem Lauf zu Boden.
Das Kommando schnitt und drosch sich durch die Angreifer, Kiras schickte zahlreiche Feinde in den Tod. Bewundernd musste sie anerkennen, dass Boendalin sein Handwerk verstand, sowohl was das Kommandieren anging als auch das Kämpfen. Ihn würde sie als Gefährten an ihrer Seite schätzen, doch das Traditionsbewusstsein hinderte sie daran, sich näher mit ihm zu befassen. Untergründige und Zwerge passten nicht zueinander. Nicht auf Dauer.
Sie hatten die turmhohe Schleuder erreicht. Während zwei Drittel ihrer Gruppe Deckung gaben, zerschlug der Rest die Halteseile, hackte Stützstreben entzwei und beschädigte die Maschine so heftig, dass ein lautes Krachen zu hören war und ein Zittern durch die Konstruktion lief.
»Weg!«, orderte Boendalin. Er sah wie Kiras, dass sich die Scheusale formierten und eine bessere Gegenwehr organisierten. »Wir ziehen uns zum Tor zurück. Wir haben ein gutes Werk getan.«
Die Untergründige sah zu einer der Streben, die scheinbar sinnlos auf der Ebene stand und von der eine gespannte Kette in die Schwarze Schlucht lief. Sie mussten lediglich weitere zweihundert Schritt vorwärtsstürmen. »Was ist damit, Boendalin?«, rief sie ihm zu. »Sollten wir sie nicht auch zerstören?« Der Erfolg machte sie trunken. »Das schaffen wir!«
Der Zwerg sah nach den Bestien, hinter seiner furchigen Stirn arbeitete es. Sie hatten bislang noch nicht herausgefunden, welchen Sinn die Streben machten, von denen sich inzwischen mehr als vierzig vor dem Ausgang aus der Schlucht befanden. »Wir sind nicht weit von ihnen entfernt«, meinte sie lockend. »Für was auch immer sie gut sind, zerstören können wir sie allemal. Und von ihrem Magus habe ich noch nichts gesehen.«
Boendalin sah zu seinen Geschwistern, die ihm mit einem Nicken deutlich machten, dass sie den Vorschlag guthießen.
Einer der Ubariu protestierte dagegen, weil er einen zu langen Rückweg befürchtete, den man ihnen abschneiden könnte. Die Rüstungen wurden nach einem langen Gefecht und der ständigen Rennerei nicht leichter. Für keinen von ihnen. »Greifen wir sie an«, entschied Boendalin dennoch und hetzte los. »Die Schützen sollen nach rechts und links schießen, die Untergründigen bilden die Nachhut.« In dieser Anordnung erreichten sie die ersten der unerklärlichen Eisenstäbe. Das Fundament bildeten gegossene Eisenklumpen, die sich nicht ohne Weiteres aus der Erde reißen ließen.
»Die Ubariu sollen sie verbiegen. Drückt sie in Richtung der Schlucht, da stehen sie sowieso unter Spannung«, befahl Boendalin und ordnete seinen Truppen neu. Kiras verfolgte aus den Augenwinkeln, wie die gewaltigen Krieger sich um die Strebe versammelten, auf der einen Seite schoben und von der anderen Seite zogen. Metallisch knirschend verbog sich die Halterung, die baumstammdicke Kette über ihnen hing immer weiter durch - bis sie plötzlich die Spannung verlor und zu Boden fiel. Zwei der Ubariu konnten sich nicht mehr rechtzeitig in Sicherheit bringen und wurden von den manndicken Kettengliedern in ihren Rüstungen insektengleich zermatscht.
»Weiter! Wir nehmen uns noch die Nächste vor!« Boendalin wies zur rechten Seite. Dieses Mal rief der Ubari seinen Widerstand laut hinaus. »Eure Mutter hat gesagt, wir sollen nicht tiefer vordringen als bis zur Markierung, die bereits dreihundert Schritte hinter uns liegt, Herr!« Die rosafarbenen Augen schauten vorwurfsvoll. »Und wir hätten vierzig dieser Masten zu knicken. Das schaffen wir niemals.« Er zeigte nach links, wo sich eine Wand aus Bestien auf sie zuschob. Diese trugen Schilde zum Schutz gegen die Bolzen und Pfeile, sie marschierten geordnet und schwer gerüstet. Kein Vergleich zu ihren bisherigen Opfern. Noch waren sie dreihundert Schritt von ihnen entfernt. »Rückzug, Herr!«