Ein Kampf um Rom
- Автор: Дан Феликс
- Язык: немецкий
- Жанр: Историческая проза
Электронная книга - «Ein Kampf um Rom». Краткое содержание книги:
«Graf Witichis, ja Witichis, Heil König Witichis!»
Während dieser brausende Jubelruf durch das Gefilde hallte, hatte ein erschütternder Schreck den bescheidenen Mann ergriffen, der gespannt der Rede des Alten gefolgt war und erst ganz zu Ende von der Ahnung ergriffen ward, daß er der so Gepriesene sei.
Als er nun aber seinen Namen in diesem tausendstimmigen Jauchzen erschallen hörte, überkam ihn vor allen andern Gedanken das Gefühclass="underline" «Nein, das kann, das soll nicht sein.»
Er riß sich von Teja und Hildebad, die freudig seine Hände drückten, los, und sprang hervor, das Haupt schüttelnd und, wie abwehrend, den Arm ausstreckend. «Nein!» rief er, «nein,
Freunde! Nicht das mir! Ich bin ein schlichter Kriegsmann, nicht ein König. Ich bin vielleicht ein gutes Werkzeug, kein Werkmeister! Wählt einen andern, einen Würdigeren!»
Und wie bittend streckte er beide Hände gegen das Volk.
Aber der donnernde Ruf: «Heil König Witichis!» ward ihm statt aller Antwort. Und nun trat der alte Hildebrand vor, faßte seine Hand und sprach laut: «Laß ab, Witichis! Wer war es, der zuerst geschworen, unweigerlich den König anzuerkennen, der auch nur eine Stimme mehr hätte? Siehe, du hast alle Stimmen und willst dich wehren?»
Aber Witichis schüttelte das Haupt und preßte die Hand vor die Stirn. Da trat der Alte ganz nahe zu ihm und flüsterte in sein Ohr: «Wie? Muß ich dich stärker mahnen? Muß ich dich mahnen jenes mächtigen Eides und Bundes, da du gelobtest: <Alles zu meines Volkes Heil.> Ich weiß, - ich kenne deine klare Seele, -: dir ist die Krone mehr eine Last als eine Zierde: ich ahne, daß dir diese Krone große, bittre Schmerzen bringen wird. Vielleicht mehr als Freuden; deshalb fordre ich, daß du sie auf dich nimmst.»
Witichis schwieg und drückte noch die andre Hand vor die Augen. Schon viel zu lang währte dem begeisterten Volk das Zwischenspiel. Schon rüsteten sie den breiten Schild, ihn darauf zu erheben, schon drängten sie den Hügel hinan, seine Hand zu fassen: und fast ungeduldig scholl aufs neue der Ruf: «Heil König Witichis.»
«Ich fordre es bei deinem Bluteid! - Willst du ihn halten oder brechen?» flüsterte Hildebrand. «Halten!» sprach Witichis und richtete sich entschlossen auf.
Und nun trat er, ohne falsche Scham und ohne Eitelkeit, einen Schritt vor und sprach: «Du hast gewählt, mein Volk, wohlan, so nimm mich hin. Ich will dein König sein!»
Da blitzten alle Schwerter in die Luft, und lauter scholl's: «Heil König Witichis!»
Jetzt stieg der alte Hildebrand ganz herab von seinem Dingstuhl und sprach: «Ich weiche nun von diesem hohen Stuhl! Denn unserm König ziemt jetzt diese Stätte. Nur einmal noch laß mich des Grafenamtes walten.
Und kann ich dir nicht den Purpur umhängen, den die Amaler getragen, und ihr goldenes Zepter reichen, - nimm meinen Richtermantel und den Richterstab als Zepter, zum Zeichen, daß du unser König wardst um deiner Gerechtigkeit willen. Ich kann sie nicht auf deine Stirne drücken, die alte Gotenkrone, Theoderichs goldnen Reif. So laß dich krönen mit dem frischen Laub der Eiche, der du an Kraft und Treue gleichst.»
Mit diesen Worten brach er ein zartes Gewinde von der Eiche und schlang es um Witichis' Haupt: «Auf, gotische Heerschar, nun walte deines Schildamts.»
Da ergriffen Haduswinth, Teja und Hildebad einen der altertümlichen breiten Dingschilde der Sajonen, hoben den König, der nun mit Kranz, Stab und Mantel geschmückt war, darauf und zeigten ihn auf ihren hohen Schultern allem Volk: «Sehet, Goten, den König, den ihr selbst gewählt: so schwört ihm Treue.»
Und sie schworen ihm, aufrecht stehend, nicht kniend, die Hände hoch gen Himmel hebend, nun die Waffentreue bis in den Tod.
Da sprang Witichis von dem Schild, bestieg den Dingstuhl und rief: «Wie ihr mir Treue, so schwör' ich euch Huld. Ich will ein milder und gerechter König sein, des Rechtes walten und dem Unrecht wehren, gedenken will ich, daß ihr frei seid, gleich mir, nicht meine Knechte, und mein Leben, mein Glück, mein alles, euch will ich's weihen, dem Volk der guten Goten. Das schwöre ich euch bei dem Himmelsgott und bei meiner Treue.»
Und den Dingschild vom Baume hebend, rief er: «Das Ding ist aus. Ich löse die Versammlung.»
Die Sajonen schlugen sofort die Haselstäbe mit den Schnüren nieder, und bunt und ordnunglos wogte nun die Menge durcheinander. Auch die Römer, die sich neugierig, aber scheu, aus der Ferne dieses Walten einer Volksfreiheit mit angesehen, wie sie in Italien seit mehr als fünfhundert Jahren nicht gekannt, durften sich nun unter die gotischen Männer mischen, denen sie Wein und Speisen verkauften.
Witichis schickte sich an, mit den Freunden und den Führern des Heeres nach einem der Zelte zu begeben, die am Ufer des Flusses aufgeschlagen waren.
Da drängte sich ein römisch gekleideter Mann, wie es schien, ein wohlhabender Bürger, an sein Geleit und forschte eifrig nach Graf Teja, des Tagila Sohn.
«Der bin ich: was willst du mir, Römer?» sprach dieser sich wendend. «Nichts, Herr, als diese Vase überreichen. Seht nach: das Siegel, der Skorpion, ist unversehrt.» - «Was soll mir die Vase? Ich kaufe nichts dergleichen.» - «Die Vase ist euer, Herr. Sie ist voller Urkunden und Rollen, die euch zugehören. Und mir ist es vom Gastfreund aufgetragen, sie euch zu geben. Ich bitt' euch, nehmt.»
Und damit drängte er ihm die Vase in die Hand und war im Gedränge verschwunden. Gleichgültig löste Teja das Siegel und nahm die Urkunden heraus, gleichgültig sah er hinein. Aber plötzlich schoß ein brennend Rot über seine bleichen Wangen, sein Auge sprühte Blitze, und er biß krampfhaft in die Lippe. Die Vase entfiel ihm, er aber drängte sich in Fieberhast vor Witichis und sprach mit fast tonloser Stimme: «Mein König -König Witichis - eine Gnade!»